Verantwortung für den eigenen Körper

Marihuanapflanzen
Verantwortung tragen – Quelle: typogrphyimages, Pixabay

Die Diskussion darüber ist ein Evergreen: Die Legalisierung von Haschisch. Neuerdings verpackt in die Meldung, man könne es als Heilmittel einsetzen. Bevor hier reflexartig die eingeübten Standpunkte referiert werden, bemühen wir uns um eine andere Perspektive.

Im Christlichen Textmaterial finden wir die Information: Der Mensch ist geschaffen nach dem Ebenbild Gottes. Daraus kann die Verantwortung für den eigenen Körper insofern abgeleitet werden, als der eigene Körper etwas Besonderes ist. Er hat einen göttlichen Bezugspunkt. Leider gibt es so einen Gedanken nicht im Islam.

Die Aufklärung nimmt diesen ehemals rein christlichen Gedanken auf. Der Mensch ist nicht nur einfaches Objekt (Mittel), sondern er ist selbst Zweck, also Sinn. Mit dem Wort Zweck ist Sinn gemeint. Daraus lässt sich nun folgern, dass der Mensch seinem Körper besondere Aufmerksamkeit schenken soll.

Wie dieses Aufmerksamkeit schenken aussehen soll ist allerdings eine Frage, die sich nicht von selbst erklärt. Es ist ein moralisches Problem.

Was ist gut für den Körper?
Was ist schlecht für ihn?

Achtsamkeit wird das heute genannt.

tmd.

Auf einen Blick: Jean-Jacques Rousseau

Freiheit, Gleichheit…
Freiheit, Gleichheit… – Quelle: WikiImages, Pixabay

Jean-Jacques Rousseau will mit einem Gesellschaftsvertrag Freiheit und Gleichheit der Bürger sichern. Der Gesellschaftsvertrag soll aber auch Herrschaft legitimieren. Legitimiert wird Herrschaft nur durch die Bürger und durch solche Gesetze, die von den Bürgern in freier Wahl beschlossen werden. Gleichheit wird nur gewährleistet, wenn alle Bürger gleiche Rechte und Pflichten haben.

Freiheit wird nur gewährleistet, wenn jeder Bürger nach dem Menschenbild leben kann, das Rousseau folgendermaßen beschreibt: Der Mensch ist grundsätzlich ein einsamer Naturbursche, der seine Freiheit genießt. Er schließt sich nur deshalb mit anderen Menschen zusammen, weil er in der Natur allein nicht überleben kann.

Das Zusammenleben (Vergesellschaftung) mit anderen Menschen darf aber nicht zu Lasten der Freiheit gehen. Die Freiheit des einsamen Naturburschen muss also gewährleistet sein. Das funktioniert nur, wenn jeder Bürger bei Wahlen im Interesse für seine Freiheit stimmt. Rousseau geht davon aus, dass immer die Mehrheit im Sinne der Freiheit des einzelnen Bürgers abstimmen wird. Die Minderheit hat nicht die Freiheit im Sinn. Sie irrt. Die Mehrheitsmeinung ist der Gemeinwille. Der muss auch gegen den Willen der Minderheit umgesetzt werden. Rousseau berücksichtigt in seinem Modell der Vergesellschaftung nicht Populismus und Diktatur. Sein Gesellschaftsmodell eignet sich, Diktaturen als Demokratien zu verkleiden.

tmd.

Das Streben nach Glück

Ladybug - Glück
Immer glücklich? – Quelle: Nikiko, Pixabay

Wenn es ums Glücklichsein geht, werden im Moralunterricht zwei Fachleute zitiert: Sigmund Freud und Mihaly Csikszentmihalyi.

Freud beschreibt Glück als plötzliche Befriedigung hoch aufgestauter Bedürfnisse. Eine Fortdauer erzeuge nur laues Behagen. Nach Freud genießen Menschen also nur den Kontrast. Das ist betrüblich, erklärt aber zumindest das Vorhandensein von unglücklichen Drogenabhängigen und Workaholics. Beide Menschentypen suchen nach wiederholtem Spannungsauf- und -abbau.

Der emeritierte Psychologieprofessor Csikszentmihalyi sieht das Streben nach Glück weniger pessimistisch. Glücklichsein verbindet sich bei ihm mit Tätigsein. Tätigsein in Form einer Herausforderung, die uns aber nicht überfordert.
Wie ist das zu verstehen?
Künstler (insbesondere Musiker), Sportler und Handwerker kennen dieses Gefühl, eine Sache zu beherrschen und in ihrer Ausführung Glück zu empfinden. Csikszentmihalyi prägte den Begriff dafür: FLOW.

Genau in diesem Moment musste ich an Thomas Jefferson denken, an die Unabhängigkeitserklärung und unser Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit. Und ich weiß noch, wie ich dachte „woher hat er gewusst, dass er das Wort Streben da rein packen muss?“. Vielleicht ist das Glück etwas, nach dem wir wirklich nur streben können und das wir niemals erreichen, so sehr wir uns auch bemühen.
(Filmzitat aus: The Pursuit of Happyness)

tmd.

Merkzettel: Schuld und Sühne bei Sigmund Freud

In Freuds Theorie ist das Gewissen im Über-Ich beheimatet. Das Gewissen ist aber nichts Ursprüngliches, das dem Menschen bei der Unterscheidung von Gut und Böse hilft. Das Gewissen ist Ergebnis von Erziehung und Sozialisation. Verantwortlich für das Gewissen ist also die soziale Umwelt des Menschen. Da diese Umwelt von Mensch zu Mensch verschieden ist, ist auch das Gewissen unterschiedlich. Man bezeichnet diese Art von Gewissen heteronom (fremdgesetzlich).

Welchen Stellenwert hat das Gewissen bei Freud für das moralische Handeln? Gewissen ist bei Freud zufällig und bietet keinerlei moralische Orientierung. Dennoch hat der Mensch Schuldgefühle. Wie kommt es dazu?

Ein zerbrochenes GLas
Schuld – Quelle: stevepb, Pixabay

Freud nennt diesen Vorgang während der frühkindlichen Sozialisation Introjizierung. Schuldgedanken werden also in das ICH verpflanzt. Freud erklärt das folgendermaßen. Das Kind befürchtet Liebesentzug durch Eltern und sozialer Umwelt wegen aggressivem Verhalten (Lustbefriedigung). Diese Ängste werden in das Über-Ich eingepflanzt und richten sich gegen das ICH. Das Kind will Liebesentzug verhindern und baut im Über-Ich eine Kontrollinstanz auf, das dem ICH verbietet, Handlungen auszuführen, die zum Liebesentzug führen können. Diese Kontrollinstanz wäre nicht weiter problematisch, wenn sich das Über-Ich nicht auch als Kontrolleur bereits der Absichten und Wünsche einschalten würde. Das Kind, und später der Erwachsene, hat bereits dann ein schlechtes Gewissen, wenn es/er nur daran denkt, gegen die Warnungen des Über-Ich zu handeln.

Das ist das schlechte Gewissen. Genau damit sind aber auch Schuldgefühle zu rechtfertigen und werden von der Gesellschaft auch eingefordert. Eine Gesellschaft, in der das Gewissen als zufälliges Sozialisationsergebnis verstanden wird, hat also ein anderes Verständnis von Schuld und Sühne.

tmd.

Politik und Moral

Ein Mensch, der immer nur das Gute möchte, wird zwangsläufig zugrunde gehen inmitten von so vielen Menschen, die nicht gut sind.
(Niccolò Machiavelli, aus: Der Fürst)

Kant, der in diesem Blog eine nicht unwichtige Rolle spielt, hatte da eine andere Meinung. Der gute Wille ist bei Kant allein ausschlaggebend für moralisches Handeln. Freilich hat Kant vor das Wollen die Vernunft gesetzt. Sie, die Vernunft, macht die Regeln, die für ein friedliches Zusammenleben der Menschheit notwendig sind. Es sind Regeln, die dem Gedankenexperiment des Kategorischen Imperativs genügen und der Maxime, dass der Mensch immer Zweck, nie Mittel ist. Nur so kann der freie Bürger auch Verantwortung übernehmen. Moralisch Handeln, das heißt, Verantwortung übernehmen für das eigene Handeln. Und das muss in Freiheit geschehen. Wenn also jemand nicht die Wahrheit sagt und das mit widrigen Umständen begründen will, dann setzt er seinen Verstand nicht ein und missachtet die Kantschen Maxime. Ein konfliktfreies Zusammenleben sei so nicht möglich, folgert Kant.

Reichstag in Berlin
Reichstag, Berlin – Quelle: Hans, Pixabay

Lässt sich das auch auf die Politik anwenden? Der Fachmann in diesem Thema, Machiavelli, ist da skeptisch.

Jeder sieht ein, wie lobenswert es für einen Herrscher ist, wenn er sein Wort hält und ehrlich, ohne Verschlagenheit seinen Weg geht. Trotzdem sagt uns die Erfahrung unserer Tage, daß gerade jene Herrscher Bedeutendes geleistet haben, die nur wenig von der Treue gehalten und es verstanden haben, mit Verschlagenheit die Köpfe der Menschen zu verdrehen; und schließlich haben sie über die die Oberhand gewonnen, die Verhalten auf Ehrlichkeit gegründet haben.
(Niccolò Machiavelli, aus: Der Fürst. Alte Rechtschreibung)

Soll man daraus folgern, dass Moral in der Politik nicht funktioniert? NEIN! Zunächst kennen wir die Einschränkung: Moral funktioniere in … nicht, aus allen kommunikativ vermittelten gesellschaftlichen Bereichen. Insbesondere aus der Ökonomie kennen wir diese skeptische Haltung: Wallstreet funktioniere nur unmoralisch.

Moralisch Handeln bleibt eine Herausforderung für den Menschen.

Moral ist kein System, das für uns fremdgesetztlich abläuft. Moral ist selbstbestimmtes Menschenwerk. Gibt man freilich diesen Gedanken auf, dann bleibt uns nur die Rolle von umher irrenden Figuren in Dystopien oder Endzeitszenarien, wie in Hollywood-Filmen.

tmd.

Stichwort: Kohlberg-Schema

Alt oder jung
Moralisch handeln, ob alt oder jung – Quelle: klimkin, Pixabay

Lawrence Kohlberg war ein US-amerikanischer Psychologe. Er hat versucht nachzuweisen, dass Menschen in moralischen Konfliktsituationen sehr ähnlich oder gleich entscheiden, Unterschiede bestehen aber in der Begründung ihrer Entscheidungen. Kohlberg wollte damit beweisen, dass sich moralisches Urteilen im Laufe des Lebens qualitativ ändert. Die Begründungen des eigenen moralischen Handelns sind demnach im Alter höherwertiger.

Hier das bekannteste Beispiel: Soll man das Leben mehrerer Menschen retten und dabei den Tod eines einzelnen Menschen in Kauf nehmen? Anzahl und Kombination von Betroffenen ist dabei austauschbar und freigestellt.

Fragen dieser Art sind nicht zufriedenstellend beantwortbar. Man verletzt immer eine Regel. Im Ethik-Unterricht wird nun gelernt, dass Kinder ihre Entscheidungen sehr einfach begründen. Z.B. mit Hinweis auf die Gebote und Verbote der Eltern oder Lehrer. Bereits Jugendliche führen als Begründung Gerechtigkeit usw. ins Feld. Erwachsene bemühen Moralphilosophie.

tmd.

Ich bin dafür, dass ich dagegen bin.

Kreuz machen, wählen
Abstimmung – Quelle: ulleo, Pixabay

Bürgerentscheide sind eine feine Sache, würde Jean-Jacques Rousseau sagen. Man bekommt Post von seiner Gemeinde und wird eingeladen, eine politisch wichtige Entscheidung zu treffen. Nicht etwa der Gemeinderat oder Stadtrat entscheidet. Der Bürger/die Bürgerin entscheidet souverän. Er ist ja auch der Souverän.

Die Begeisterung des philosophisch ernstzunehmenden Verfechters der direkten Demokratie wäre allerdings schnell getrübt. „Warum wird so sonderbar gefragt“, würde er anmerken. Recht hat er! Je nachdem, wer die Entscheidung vorantreibt, der erwartet ein JA. Wer dagegen ist, kann mit NEIN stimmen. So ist das bei der direkten Demokratie. Kompromissentscheidungen gibt es nicht.

Nun kommt es aber nicht selten vor, dass diejenigen, die ein JA von den Bürgerinnen und Bürgern (wann, bitte, kommt endlich die Abkürzung BuB, analog zu SuS in Gebrauch) erwarten, eigentlich gegen etwas sind. Beispiel: Wollen Sie, dass die Landesgartenschau weiter geplant wird, dann müssen Sie mit NEIN antworten.

Also: Wenn man für etwas ist, dann muss man dagegen stimmen.

Wer sich auch nur ansatzweise mit Umfrageforschung beschäftigt, der reibt sich die Augen. Und Rousseau, der solche Abstimmungen eigentlich für die Lösung von politischer Legitimation durch Verfahren hielt, der würde sich wohl abwenden und enttäuscht in seinen Privatlandschaftsgarten von Ermenonville zurückziehen.

tmd.

Stichwort: Pflichtethik

Gutes Gewissen – Quelle: melissaflor, Pixabay

Kant nimmt die Vernunft in die Pflicht. Was ist damit gemeint?
Die Vernunft ist bei Kant die oberste Instanz zum moralisch einwandfreien Handeln. Die Vernunft ist aber autonom, also frei von Fremdbestimmung.

Damit die Vernunft nicht willkürlich handelt, muss sie kontrolliert werden. Sie darf aber nicht kontrolliert werden von Regeln, die wie Naturgesetze funktionieren, weil die Vernunft dann nicht mehr autonom wäre.

Übrig bleibt also nur der Mensch, der sich verpflichtet so zu handeln, dass es moralisch ist. Wie macht das der Mensch? Er orientiert sich am kategorischen Imperativ.

tmd.

Mögliche Wege verwirklichen

Wege in die Zukunft – Quelle: aitik, Pixabay

In jedem Augenblick unseres Lebens treffen wir Entscheidungen, die das weitere Leben betreffen. Wir stellen die Weichen für die Zukunft. Das, wofür wir uns dann nicht entschieden haben, das sind die Möglichkeiten, die wir nicht nutzen. Wie oft denkt man: Was wäre wenn …, oder Hätte ich damals anders gehandelt. Peter Bieri (alias Pascal Mercier), Professor für Psychologie, hat den Sachverhalt in seinem Roman Nachtzug nach Lissabon präzisiert: „Wenn es so ist, dass wir nur einen kleinen Teil von dem leben können, was in uns ist – was geschieht mit dem Rest?“

Tamara Bach beantwortet diese Frage in ihrem Buch Marienbilder mit der Geschichte der jungen Mareike. Da dies kein Literatur-Blog ist, will ich mich nicht mit einer Rezension aufhalten. Nur soviel sei verraten, dass sich Mareike mehrere Biographien bastelt, die alle möglich wären – oder möglich waren.

Für das moralische Handeln ist dieses schmale Büchlein deshalb so interessant, weil es auf die Zerbrechlichkeit von Biographien aufmerksam macht. Sinnsuche und Sinnfindung ist meist auf einen Lebensweg, den man plant, abgestellt. Doch diesen geplanten Biographien in den ersten 15 bis 20 Lebensjahren fehlt eben die Erfahrung der ungelebten Leben. Die Erkenntnis ist allerdings betrüblich. Wenn man jung ist und Pläne macht, hat man nicht den rechten Blick auf die Komplexität der Zukunft. Wenn man dagegen die Summe der ungelebten Leben vor sich Revue passieren lassen kann, dann sind Korrekturen nicht mehr möglich.

Inhalte im Unterricht vermitteln, die erst in der Zukunft an Bedeutung gewinnen, (allerdings eine traurige Bedeutung, nämlich: es lässt sich nicht mehr viel ändern) und aktuell nicht durch eigene Erfahrung als Beispiel dienen, das ist eigentlich nur durch Lesen von Büchern wie den genannten möglich. Alle anderen didaktischen und methodischen Tricks werden von SuS (und die lesen den Blog auch und insbesondere) schnell durchschaut und demaskiert.

Also: Rollenspiel bei diesem Thema schnell vergessen. Lesen hilft hier weiter.

tmd.

Stichwort: Höhlengleichnis

Höhle – Quelle: Licya, Pixabay

Platon beschreibt mit dem Höhlengleichnis ein erkenntnistheoretisches Problem. Sinnliche Wahrnehmung ist kein sicherer Weg zur Feststellung von Wahrheit. Sinnliche Wahrnehmung täuscht uns sogar, wenn wir Welt und Wirklichkeit benennen und bestimmen wollen. Platon kannte die optischen Täuschungen, die wir heute verwenden, um diesen Sachverhalt zu erklären. Die Graphiken von M.C. Escher sind gute Beispiele.
Worauf kann sich der Mensch dann noch verlassen? Platon sagt: Es ist die Ratio, die Vernunft, die uns zu wahrer Erkenntnis führt.
Jetzt wird das Höhlengleichnis verständlich. Die Menschen, die gefesselt in der Höhle sitzen, das sind die Menschen, die nur ihre sinnliche Wahrnehmung gebrauchen.

Die sinnliche Wahrnehmung ist die Fessel des Menschen.

Wir sehen nur die Schatten der Wirklichkeit. Wenn wir aber die Fesseln der sinnlichen Wahrnehmung abstreifen und die Ratio einsetzen, dann erkennen wir die Wahrheit. Beispielhaft steht dafür die Mathematik. Beherrschen wir Mathematik und Logik, dann erkennen wir die Welt und Wirklichkeit in ihren wahren Formen und Gesetzen.
Also: Raus aus der Höhle der geistigen Beschränktheit!

tmd.