Über Konkurrenz im Arbeitsleben

teamwork
nur gemeinsam sind wir stark – Quelle: skeeze, Pixabay

Der Wert des Menschen besteht nicht nur in Arbeits- oder Schulleistungen. Das ist die Antwort auf die Erfahrung, dass es in Schule und Beruf Leistungsdruck gibt; im Berufsleben zudem noch Konkurrenz.

Wie mit dieser Situation umgehen?
Der Einzelne muss seine Leistungsgrenzen feststellen und mit seinen Zielen abgleichen. Das ist der Vorschlag der Psychologen. Dann kann er auch die Konkurrenz wagen. Jeder ist seines Glückes Schmied!

Was ist das für ein Menschenbild, das hier gefordert wird? Wie verträgt sich das mit dem Anspruch, eine moralisch ernstzunehmende Gesellschaft zu verwirklichen?

Gar nicht!

Die meisten Menschen arbeiten, um zu leben und zu überleben. Nur wenige verdienen so viel, dass sie sich in der Freizeit die Freiheit zurückkaufen können, die ihnen im Job genommen wurde. Die allerwenigsten Menschen verbringen ihr Leben mit einer Tätigkeit, die ihnen Selbstverwirklichung vermittelt.

Vor diesem Hintergrund ist es einem Hohn gleich, dass die Probleme in der Arbeitswelt individualisiert werden. Eine Gesellschaft, die Wettbewerb in einer derart darwinistischen Form zulässt, kann nicht moralisch genannt werden.

Wenn die Gesellschaft ausschließlich nach dem Muster von Konkurrenz funktioniert, dann ist sie nicht moralisch.

Wenn die Arbeitswelt den Menschen nur noch als Mittel im Wettbewerb sieht, dann kann sie nicht moralisch genannt werden.

tmd.

Die Wissensgesellschaft ist weiblich

mädchen mit lexikon
Wissen ist Macht – Quelle: libellule789, Pixabay

Der Kampf um die Gleichberechtigung im Arbeitsleben ist eines der Themen im Ethikunterricht, die immer wieder zur erstaunten Frage führen: Was hat denn das mit Moral zu tun?
Die Frage ist berechtigt. Ist es unmoralisch, wenn ein Teil der Bevölkerung von der Arbeit ausgeschlossen wird – nicht arbeiten darf?

Die Machtverhältnisse in unserer Gesellschaft werden über Arbeit vermittelt. Arbeit bedeutet finanzielle Unabhängigkeit. Finanzielle Unabhängigkeit erst macht die Gleichberechtigung.
Darum geht es also!

Die gesellschaftlichen Normen und Werte, die dafür verantwortlich waren, dass Frauen aus dem Berufsleben ausgeschlossen waren (Kriegszeiten ausgenommen), die haben sich geändert. Mit dem Wegfallen dieser Zwänge einher ging aber auch ein Prozess, der schon in der Industrialisierung begann: soziale Individualisierung.
Mit dem Wegfall der frauenfeindlichen Gesetze im BGB wurden Frauen – wie auch die Männer vor ihnen – für ihr eigenes Leben und ihre Berufsbiographie selbst verantwortlich.
Und sie waren bisher damit sehr erfolgreich. Frauen sind die Gewinner der Individualisierung. In einer Gesellschaft, die ihr Geld mit Wissen und Kompetenz verdient, sind sie deutlich im Vorteil.

Aber um welchen Preis.
Die Berufsbiographien von Frauen entarten zu „Bastelbiographien“. Familie, Kinderwunsch und Karriere sollen unter einen Hut gebracht werden. Das funktioniert nicht reibungslos. Jeder soll für sich selbst verantwortlich sein, ist das Muster der Individualisierung. Diese Selbstverantwortung ist aber nicht gleich verteilt. Gleichberechtigung ist eben nicht Chancengleichheit. Die Zahl der Frauen, die in ihrem Berufsleben nur lückenhaft für ihre Rente sparen konnten, nimmt zu.
Und was ist mit den Männern?
Sie sind doppelte Verlierer. Die eröffneten Räume durch Individualisierung können sie nicht nutzen. Die Wissensgesellschaft ist weiblich, sagen die Soziologen.

tmd.

Der unerbittliche Kritiker in dir

schlechtes gewissen
verdrängte Gefühle rumoren im Unterbewusstsein – Quelle: kellepics, Pixabay

Ambivalente Gefühle und das Eisbergmodell sind erste einfache wissenschaftliche Erklärungen des „schlechten“ Gewissens.
Was soll mit diesen Erklärungen erreicht werden?
Du brauchst in der Regel kein schlechtes Gewissen haben. Ambivalente Gefühle sind ganz normal und begleiten dich ein Leben lang. Ambivalente Gefühle, das ist die Suche nach Nähe und gleichzeitig auch der Wunsch nach Freiheit. Das ist Zuneigung und Ablehnung in einem Zug.
Alles beginnt in der Pubertät. Da fängt man an, über sich und die eigenen Gedanken und Gefühle nachzudenken. Die Folge:

Du bist dein eigener unerbittlicher Kritiker.

Warum das nun?
Ein Beispiel: Deine Eltern sind dir eigentlich sehr wichtig. Psychologen sagen: Sie sind deine Bezugspersonen. Vieles, was du weißt, hast du von ihnen gelernt. In der Bibel heißt es sogar: Du sollst Vater und Mutter ehren. Der Satz macht mächtig Eindruck, auch wenn du nicht gläubig bist. Aber manchmal geht dir die Familie schon richtig auf die Nerven. Du willst schließlich auch mal alleine sein, selber entscheiden, also selbstständig sein – oder es zumindest einüben.
Und in diesem Moment beginnt die innere Auseinandersetzung. Psychologen nennen das den „intrapersonalen“ Konflikt. Das ist der Streit mit dir selbst. Du willst zwei Wünsche und Gefühle zusammen. Selbstständig sein, aber auch die Eltern nicht enttäuschen. An der Stelle kommt dann das schlechte Gewissen zum Zuge.
Erwachsen werden heißt aber auch, mit diesen „ambivalenten Gefühlen“ leben und dennoch kein schlechtes Gewissen haben.
Was aber, wenn das nicht gelingt? Wenn man sich Vorwürfe macht, weil man sich in Gedanken fürchterlich von den Eltern oder der Familie genervt fühlt.
Dann will man diese Gedanken „verstecken“, man lässt sie verschwinden, am besten dort, wo man nicht mehr daran denkt: im Unterbewusstsein, so nennen das die Psychologen. Und die haben noch so ein Wort dafür gefunden: Verdrängung.
Aber das ist nun wirklich nicht die beste Lösung. Denn dort rumoren die Gedanken weiter herum. Das Rumoren zeigt sich dann im Alltagsleben in sonderbaren Formen, zum Beispiel in Bauchschmerzen.
Wie bei einem Eisberg sieht man dann die Erscheinungen, also die Bauchschmerzen (die Spitze des Eisberges) und wundert sich, woher sie kommen. Denn die Ursachen liegen im unteren Teil des Eisberges, der unter der Wasseroberfläche ist und nicht sichtbar ist.
Also: die Spitze des Eisberges ist das Bewusstsein, der Rest des Eisberges, der unter der Wasseroberfläche ist, ist das Unterbewusstsein.

Aber: Natürlich gibt es auch ganz normale Bauchschmerzen ohne seelische (psychische) Gründe. Die Ärzte sind dann oft ratlos. Ist es das eine oder das andere?
Was tun?
Selbsterkenntnis! Also über sich nachdenken, wer man ist und wie man sich langsam aber sicher verändert, erwachsen wird. Anne Frank hat das in ihrem Tagebuch vorgemacht.
Lesenswert!

tmd.

Mobbing und das Böse

der Teufel
das Böse – Quelle: 5ahra, Pixabay

Mobbing wird grundsätzlich als ein Gruppenproblem behandelt. Täter und Opfer werden beschrieben und es wird nach Ursachen für das Verhalten von Tätern und Opfern gesucht.
Es ist also ein eher sozialpsychologisches Problem und nicht ein moralisches.
Schaut man in die Regieanweisungen der Moral, dann ist Mobbing schlicht verboten. Da sich so viele Menschen nicht daran halten, ist also mit Verboten oder Appellen und dergleichen nicht viel zu erreichen. Es wird also nach Gründen gesucht.
Warum sind die Täter so und nicht anders?
Was kann man für die Opfer tun, damit diese nicht weiter gemobbt werden?
Wie können die Kommunikations- und Handlungsstrukturen so geformt werden, dass es nicht zum Mobbing kommt?
Doch alle diese Antworten helfen wenig, wenn die Mobber ihr Verhalten nicht ändern. Mobber werden ihr Verhalten grundsätzlich nicht ändern, wenn die „informellen“ Strukturen und Machtverhältnisse, die das Mobbing darstellen, nicht aufgelöst werden. Was nämlich immer wieder zu beobachten ist: Täter geben formell nach, aber hinter dem Rücken der Streitschlichter und Mediatoren wird munter weiter gemobbt.
Die Ohnmacht der Beteiligten gegenüber den Mobbern führt zu sprachlicher Resignation. „Das ist eben so, das gab es schon immer.“
Es gibt aber auch einen anderen Weg.
Wenn Mobbing nicht mehr als psycho-soziales Problem behandelt wird (Mobber haben kein Selbstbewusstsein, haben Angst selbst gemobbet zu werden und dergleichen), sondern unter dem alten moralischen Blick nach gut und böse interpretiert wird, dann sieht die Sache plötzlich ganz anders aus.
Mobber sind böse Menschen.
Erziehung, Nachsozialisation und alles, was sozialpsychologisches Expertenwissen aufbietet, geht ins Leere.
Es gibt das Böse und wer böse ist, dem ist nicht zu helfen.
Das sollte man bei der Diskussion um Gut und Böse bedenken.

tmd.

Stichwort: Individualisierung

Arbeiter auf Wolkenkratzer
Individualisierung des Arbeitsrisikos – Quelle: WikiImages, Pixabay

Individualisierung ist ein soziologischer Begriff. Er beschreibt also gesellschaftliche Strukturen und nicht psychische Befindlichkeiten. In Bezug auf die Arbeitsmoral heißt das: Das Arbeitsleben wird nicht mehr als Gemeinschaftsleistung wahrgenommen, sondern als Eigenleistung. Das hat dann wiederum Einfluss auf die psychische Verarbeitung von Arbeit beim einzelnen Menschen.
Der negativen Effekt der Individualisierung von Arbeitsbiographien ist: Jeder ist für sein berufliches Scheitern selbst verantwortlich. Wer aus dem Arbeitsprozess aussortiert wird, der sei selbst schuld, heißt es. Die Arbeitspsychologen können nur raten: Die eigenen Leistungsansprüche und Fähigkeiten miteinander abgleichen. Wer die geforderte Leistung nicht erbringt, der soll sich eben einen neuen Job suchen.
So oder ähnlich kann man das zusammenfassen, was über den Wandel der Arbeitsmoral in manchen Ethik-Lehrbüchern steht. Verschwiegen wird dabei, dass diese subjektive Sicht des einzelnen Arbeitnehmers im krassen Missverhältnis steht zur realen Berufswelt.
Der Arbeitnehmer, die Arbeitnehmerin ist doch nicht verantwortlich dafür, dass sein Arbeitgeber im globalen Wettbewerb nicht mithalten kann. Soll sich jeder einzelne Arbeitnehmer etwa dafür verantwortlich fühlen, dass seine Firma Pleite gemacht hat?
Das ist alles viel zu einfach beschrieben.
Der lokale und globale Wettbewerb funktioniert anders. Sobald eine Firma abhängig ist von den Entscheidungen seiner Besitzer, die nur über Aktien mit dem Betrieb verbunden sind, ist der Gewinn wichtiger als die Mitarbeiter.
Selbstverständlich muss eine Firma Gewinn machen. Aber man sollte den einzelnen Mitarbeiter nicht nur als Mittel für den eigenen Gewinn sehen. Der Mitarbeiter ist auch ein Mensch.
An diesem Punkt sind wir dann dabei, auch moralisch zu entscheiden. Manager, die nur an sich denken und nicht auch an die Mitarbeiter ihrer Firma, die den Gewinn und das Gehalt der Firmeninhaber erwirtschaften, behandeln die Mitarbeiter nur als Mittel.
Was sagte Kant dazu? Der Mensch ist nie Mittel, immer nur Zweck.

tmd.

Gut und Böse

das Grauen
das Böse – Quelle: kellepics, Pixabay

Existiert das Gute und das Böse als ein „Etwas“, von dem eine entsprechende Wirkung ausgeht oder ist es eine kulturelle Zuschreibung des Menschen, der damit Übel und Unrecht sowie alles, was dem Menschen schaden kann, nur beschreibt. Bei einer Zuschreibung wird aus Beschreibung und Erklärung plötzlich eine Sache, die es aber so nicht gibt.
Die Frage wird heftig diskutiert.
Wenn es das Böse irgendwo als ein „Etwas“ gibt, dann muss es in irgendeiner Weise das Böse in der Welt bewirken. Beispiele dafür sind zahlreich: Ein Massenmörder beispielsweise, der nicht psychisch krank ist, der vor seiner Tat nicht auffällig war. Wenn es keine Erklärung für eine solche Tat gibt, dann sagt man sehr schnell, dass hier das „Böse“ am Werk war.
In seinem Buch Jenseits von Gut und Böse versucht Michael Schmidt-Salomon das Böse als eine „Wahnidee“ zu entlarven. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt er, dass es in der Natur Verhalten von Tieren gibt, die wir Menschen durchaus als „bösartig“ bezeichnen würden. Detailliert beschreibt Schmidt-Salomon beispielsweise den wissenschaftlich dokumentierten Vernichtungsfeldzug einer Schimpansenhorde. Ein regelrechter Völkermord unter Schimpansen. Das Böse wird naturwissenschaftlich erklärt. Unmoralisches Handeln ist daher als naturgegeben zu bewerten.
Wie soll man dann aber mit denjenigen Menschen verfahren, die sich unmoralisch, also böse verhalten?

tmd.

Stichwort: Vernunft

Vernunft wird als Begriff erst in der Oberstufe näher untersucht. Vorher wird Vernunft etwas unscharf als die Fähigkeit beschrieben,

  • Wahrnehmung und Erfahrung zu kontrollieren und sich dessen bewusst zu sein und
  • Gesetze (Normen, Moral) herzustellen, nach denen Menschen ihr Verhalten selbst steuern.

Bei den Vertragstheoretikern Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant hat die Vernunft genau diese Aufgabe, Normen für das Zusammenleben der Bürger zu ermitteln.

Photo im Spiegel
Selbstreferenz – Quelle: StockSnap, Pixabay

Immanuel Kant ist nun derjenige, der näher untersuchte, wie die Vernunft bei der Herstellung von Moral kontrolliert werden kann. Er stellt dabei zwei Maximalforderungen auf.

  • Der Mensch, der sich selbst die Gesetze gibt, ist immer Zweck, nie das Mittel. Einfach gesagt: Die Moral ist für die Menschen gemacht, nicht etwa der Mensch für (die Befolgung) der moralischen Normen.
  • Die Gesetze, die sich der Mensch macht, müssen einem Gedankenexperiment unterzogen werden. Es muss gefragt werden, ob sich die Gesetze als allgemeine Gesetze verwenden lassen. Verständlicher ist es, wenn man prüft, ob sich die Gesetze nicht selbst widersprechen. Wenn es also ein Gesetzt gibt, dass fordert, Schulden zurückzuzahlen, dann darf es gleichzeitig kein Gesetz geben, dass sagt, dass es in bestimmten Fällen erlaubt sei, die Schulden nicht zurückzuzahlen.

Hier noch die viel zitierte Formel, die man auswendig lernen kann: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Zur Kritik an Kant, siehe auch die „Anmerkungen: der Kategorische Imperativ“ (Teil 1 bis 3) in diesem Blog.

tmd.

Arbeitsmoral: Solidarität statt Konkurrenz

Für einen Betriebswirt in einer Personalabteilung ist ein Firmenmitarbeiter in erster Linie ein Kostenfaktor. Er kostet Geld. Der Lohn, der dem Arbeiter zusteht, ist an die Qualität seiner Arbeit in einer bestimmten Zeit gebunden. Der Arbeiter erbringt die geforderte Leistung und ist reiner Kostenfaktor.
Der Mitarbeiter definiert sich über diese Gleichung. Soziologen sehen in dieser Individualisierung eine versteckte Endsolidarisierung. Der einzelne Arbeiter kämpft um seinen Platz in der Arbeitswelt. Kann er die erforderte Leistung nicht bringen, wird er aussortiert. Nur der Leistungsstarke überlebt.
Arbeitspsychologen versuchen hier gegenzusteuern. Die Mitarbeiter sollen motiviert werden. Sie sollen ihre Grenzen erkennen und ihre Ziele neu finden, wenn sie überfordert sind. Das ändert aber nichts an der fortdauernden Endsolidarisierung, die sich im Konkurrenzkampf widerspiegelt.

Grubenarbeiter
Bergarbeiter – Quelle: WikiImages, Pixabay

Vergleicht man dieses Bild von Arbeit mit dem von Lebensbeschreibungen von Arbeitern vor hundert Jahren, dann fällt einem die eigentümliche Solidarität der Arbeiter auf. Ausgerechnet bei den Arbeitern in Kohlebergwerken – eine schwere und gefährliche Tätigkeit – zeigte sich eine erstaunliche Solidarität unter den Männern.
Der Arbeiter war stolz. Nicht nur auf seinen Lohn. Nicht unbedingt auf seine Stellung im Grubenbetrieb. Er war stolz auf seine Arbeit.
Das wird man heute vergeblich in der Arbeitswelt finden. Stolz auf ihre Arbeit sind die Selbstständigen. Die andern müssen sich vorhalten lassen: Sei froh, dass du einen Job hast. Sei froh, dass du genug Geld verdienst – um deine Freizeit zu finanzieren.
Eine neue Arbeitsmoral kann man aber nicht in der Vergangenheit finden. Dennoch: Ein Merkmal der heutigen Arbeitsmoral sollte sofort ausgetauscht werden: Konkurrenz. Wofür? Solidarität!

tmd.

Kategorischer Imperativ und Goldene Regel

Fotografin
nicht subjektiv soll es sein – Quelle: brenkee, Pixabay

Die Goldene Regel gibt es in unterschiedlichen Kulturen. Deshalb meinen viele Menschen, diese Regel ist ein ausreichendes Fundament für moralisches Handeln.
Oft wird die Goldene Regel auch mit dem Kategorischen Imperativ gleichgesetzt. Das ist aber grundfalsch.

Die Goldene Regel ist nur eine nicht mehrheitsfähige Kollektivnorm.
Die Goldene Regel widerspricht sogar dem Kategorischen Imperativ.

Der Kategorische Imperativ ist eine objektive Maxime. Maxime ist hier eine oberste Regel, eine Bestimmungsgrund.
Die Goldene Regel ist aber eine subjektive Maxime, vergleichbar mit dem pflichtgemäßen Handeln. Hierzu ein Beispiel: Wenn ich beschließe nicht zu stehlen, damit ich auch von den anderen Menschen nicht bestohlen werde, dann handele ich aus Eigennutz und eigentlich rein egoistisch.
Der Kategorische Imperativ schließt die subjektiven und egoistischen Beweggründe jedoch ausdrücklich aus. Die Maxime des Kategorischen Imperativs ist also objektiv. Er schließt damit die Goldene Regel als Maxime aus.

tmd.

Merkzettel: Kant – der gute Wille

Nur der gute Wille ist gut, so Immanuel Kant. Was meint er damit?
Mit dem „ist gut“ meint Kant die moralische Bewertung einer Handlung. Nur unter der Bedingung, dass der Wille gut ist, ist es auch die Handlung.
Das ist doch klar! Was sonst!

der gute Wille
nur der gute Wille zählt – Quelle: StockSnap, Pixabay

Falsch gefolgert! Denn wir wissen noch nicht, was Kant mit dem „guten Willen“ meint.
Gut ist ein Wille dann, wenn er frei und autonom ist. Er braucht also bei seiner Verwirklichung die negative und positive Freiheit. Also keine Einflüsse von außen wie Gefühle, Neigungen und politische Zensur. Außerdem muss er Regeln und Gesetze machen, die dem Kategorischen Imperativ genügen. Die Regeln dürfen in sich nicht widersprüchlich sein. Und sie dürfen nicht pflichtgemäß und hypothetisch sein.
Hypothetisch sind „wenn – dann“ Regeln. Pflichtgemäßes Handeln hat das Ergebnis im Blick. (Beispiele: Klavierspielen als Profi; Arbeit als Kaufmann)

Das ergibt sich aber nicht automatisch. Der Maxime des Kategorischen Imperativ folgen, ist eine Aufgabe, der sich der freie, aufgeklärte Bürger freiwillig unterzieht. Dafür gibt es aber keinen anderen Anlass als die Pflicht. (Ein anderer Grund oder Anlass würde wiederum bedeuten, das diese Umsetzung nicht autonom ist.)

Sittliches Verhalten ist also eine Pflicht. Der freie und aufgeklärte Bürger unterzieht sich also freiwillig dieser Pflicht.
Genau das, dieses „sich in die Pflicht“ nehmen, ist der gute Wille.

Kant verhindert damit, dass sich subjektive Interessen und Neigungen in den guten Willen einschleichen. Der gute Wille ist objektiv. Er arbeitet nach selbstgesetzten Regeln, die dem Kategorischen Imperativ genügen.

tmd.