Ambivalenz und Ambiguität

Ambiguität und Ambivalenz sind ein Thema in der 7. Klasse (G8). In den Lehrbüchern werden die beiden Begriffe nicht erwähnt. Leider wird auch nichts dazu gesagt, was dieses Thema mit Konflikten und ihre Regelung zu tun hat. Und: Was hat das mit Moral zu tun? Auch diese Frage bleibt unbeantwortet. Viele SuS sind deswegen verunsichert, warum sie das lernen sollen. Wenn das Thema psychologisch aufbereitet wird, kommt zumindest Interesse bei den SuS auf.

Ambivalenz ertragen
das innere Hin und Her – Quelle: StockSnap, Pixabay

Zunächst die Ambivalenz: Der Begriff beschreibt einen Zustand der inneren Zerrissenheit. Zwei Wünsche oder Meinungen oder Gefühle beanspruchen Geltung und wollen befolgt werden. An dieser Stelle gleich ein Beispiel, das mit Moral zu tun hat. Du liebst deine Eltern und gleichzeitig gehen sie dir – gerade in der Pubertät – fürchterlich auf die Nerven. Diesen inneren Konflikt gilt es auszuhalten. Dabei wird die Ablösung vom Elternhaus vorangetrieben. Gleichzeitig kannst du ein neues Verhältnis zu deinen Eltern aufbauen. Wenn du bei diesem Ablösungsprozess ein schlechtes Gewissen hast, dann hast du genau dieses Problem, was mit Ambivalenz beschrieben ist. Dieses schlechte Gewissen ist aber überhaupt nicht angebracht. Psychologen und Mediziner sagen, dass der Ablösungsprozess unbedingt nötig ist. Sonst kommst du im Leben nicht zurecht und wirst nie erwachsen. Hier ist also angesagt, dass du lernst, mit der Ambivalenz zurechtzukommen. Das ist nicht leicht, aber da musst du durch. Falsch wäre es, wenn du dein Verhalten als unmoralisch oder falsch bewertest.
Anne Frank hat in ihrem Tagebuch genau diese Prozesse sehr genau und anschaulich beschrieben. Wer das Tagebuch noch nicht gelesen hat, sollte dies bald tun.
Grundsätzlich musst du also lernen, mit Ambivalenz im Leben umzugehen. Wenn du dich nicht entscheiden kannst, ob du lieber eine feste Beziehung mit einem anderen Menschen haben willst oder doch deine Freiheit genießen willst, dann musst du dich eben irgendwann entscheiden. Kurz: Das ganze Leben besteht aus Ambivalenzen.

Nun zur Ambiguität (Mehrdeutigkeit): Das ist ein Spezialfall der Ambivalenz. Du hast wieder den Zustand, dass du dich hin und her gerissen fühlst. Aber das, worum es geht, ist zwar mehrdeutig, aber gleichzeitig auch gleichwertig, sodass du keine Entscheidung mehr treffen kannst. Psychologen sagen, es entsteht eine Patt-Situation, ein sogenanntes Deadlock. Es klemmt bei der Entscheidung. Du kannst überhaupt nicht mehr entscheiden. In einigen Lehrbüchern wird das mit dem Hinweis auf „Buridans Esel“ beschrieben. Buridan war Philosoph und ihm wird das folgende Gedankenexperiment zugeschrieben. Ein Esel zwischen zwei genau gleichen Heuhaufen kann sich nicht entscheiden, welchen er fressen soll. Er verhungert, folgert Buridan. Das funktioniert natürlich nur als rein logisches Experiment.

Anmerkung: Warum diese Geschichte in den Lehrbüchern steht, weiß ich nicht. Es ist nämlich erst in der 10. Klasse (G8) interessant und dann kann darüber diskutiert werden. Es geht da um den freien Willen.

Du kannst und solltest schon in der Pubertät lernen mit Ambivalenzen umzugehen, ambivalente Gefühle und Wünsche zuzulassen und dich selbst besser kennen zu lernen.
Erwachsen werden ist Selbsterkenntnis.

tmd.

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