Anmerkungen: Der kategorische Imperativ (Teil 1)

Unentschlossen
Möge, täte, wolle… – Quelle: Buecherwurm_65, Pixabay

Der Philosoph Günther Patzig hat in dem Aufsatz „Der kategorische Imperativ in der Ethik-Diskussion“ (erstmals erschienen 1978) einige interessante Präzisierungen zum Thema vorgenommen, die ich hier kurz in drei aufeinanderfolgenden Beiträgen zusammenfassen will.

Die Unterscheidung von kategorisch und hypothetisch wird mit hypothetischen Imperativen erklärt, die in wenn, dann-Sätzen verpackt sind. Beispiel: Wenn ich perfekt Klavier spielen will, dann muss ich fleißig üben. Dieser Imperativ richtet sich also nur an ehrgeizige Musiker. Der Imperativ richtet sich an die Bedürfnisse und Absichten der Menschen.

Kategorische Imperative haben jedoch die Verallgemeinerungsfähigkeit ihrer Handlungsanweisungen im Blick. Diese Handlungen muss jeder wollen können. Es gibt aber auch wenn, dann-Sätze, die kategorisch sind. Beispiel: Wenn du eine Familie hast, so sorge für ihren Unterhalt“ (Beispiel von Patzig). Dies ist nicht hypothetisch gemeint. Es geht hier nicht um Wünsche und Absichten, sondern um eine Situation. Jeder, der in diese Situation gerät, soll sich an die Maxime „Sorge für deine Familie“ halten – sofern er in der Situation ist.

Verallgemeinerungsfähige Maxime sollen ihre Trägfähigkeit erweisen, indem sie mit einem Gedankenexperiment getestet werden. Handlungsanweisungen dürfen nicht in sich widersprüchlich sein. Wenn ich eine Handlungsanweisung dulde, die das Lügen in bestimmten für mich vorteilhaften Situationen erlaubt, dann schaffe ich damit Vertrauen in der Gesellschaft ab. Niemand wird mehr Vertrauen aufbringen, wenn Vertrauensbruch erlaubt ist. Also: Ich kann nur lügen, weil die Anderen sich darauf verlassen, dass ich nicht lüge.

tmd.

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