Arbeit und Interaktion

Fließband in Autoproduktion
Entfremdete Arbeit – Quelle: MikesPhotos, Pixabay

Das Menschenbild bei Karl Marx ist nicht vollständig erklärt mit den Begriffen Entfremdung und Entäußerung. Es geht auch um Arbeit und Interaktion. Für Marx ist Arbeit immer Interaktion. Produziert wird gemeinsam.
An dieser Stelle sei ein Gedankenexperiment erlaubt. Ist Arbeit auch möglich ohne Interaktion? Selbstverständlich ist es das. Damit wird aber nicht der Zusammenhang von Arbeit und Interaktion, der Marx vorschwebt, hinfällig. Ein einsamer Mensch arbeitet auch. Er stellt Dinge her, die er zum Leben braucht. Aber hat keine Möglichkeit, seine Produkte zu tauschen. Mit wem auch, wenn er nicht in Gesellschaft lebt.
Genau hier ist der Unterschied zwischen dem einsamen Produzenten und den Arbeitern in einer Gesellschaft. Die Arbeiter produzieren Dinge, die später getauscht werden – gegen Geld. Oder einfacher gesagt: Die Produkte werden verkauft. Bei diesem Verkaufen entstehen Gewinne. Wem gehört dieser gesellschaftlich hergestellte Reichtum? Das war die Frage, die sich Marx (und andere zu seiner Zeit) gestellt hat (haben).
Das meiste gehört dem Unternehmer, dem Kapitalisten. Nur ein geringer Teil dem Arbeiter. Das war die Meinung der Vertreter einer freien Marktwirtschaft. Aber Marx hatte ein anderes Menschenbild. Für ihn war Arbeit immer Interaktion.
Wie soll man sich das vorstellen. Ein Vergleich mit Sprache und Kommunikation hilft hier weiter. Sprache ist nicht etwas subjektives, sondern wird von den Menschen gemeinsam hervorgebracht und gelernt. Der Verhaltensforscher Michael Tomasello erklärt es folgendermaßen: Es wird auf einen Gegenstand gedeutet und dabei wird der Name des Gegenstandes gesagt. Dieses Deuten und Erklären ist Sprache lernen. Wo beginnt aber das Lernen. Es beginnt dort, wo Menschen in Gemeinschaft sich über Gegenstände verständigen wollen. Und sie wollen nicht nur, sie müssen es, um in Gemeinschaft sich gegen die Natur durchzusetzen. Arbeit und Interaktion sind also nicht die private Sache von einzelnen Menschen, es ist die Sache von mehreren Menschen. Arbeit ist „intersubjektiv“.
Für Marx ist das die Begründung, dass Arbeit eine Sache der Gesellschaft ist. Kapitalisten können sich also nicht außerhalb dieser Interaktion sehen. Wird diese Interaktion aufgebrochen, dann leiden alle Beteiligten darunter.

tmd.

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