Gewaltfreie Kommunikation im Alltag

Sprache, das sind nicht nur Aussagesätze. Aussagesätze, die auf ihre logische Korrektheit untersucht werden können. Aussagesätze, die kohärent sein sollen, damit sie Wahrheit belegen. Sprache ist auch Kommunikation ohne ständige Reflexion des Gesagten. Freundschaft und Liebe funktioniert so. Professionellen Kommunikationstheoretikern gefällt das natürlich nicht. Bei ihnen soll Kommunikation immer so ablaufen, dass sich der Sprecher der vier Ebenen bewusst ist, auf denen er kommuniziert. Das ist die Sachebene, die Apellebene, die Beziehungsebene und die Selbstkundgabeebene. Wer diesen Blog kennt, der weiß, dass der Autor diese Art von Kommunikation kritisch sieht.

Kommunikation, gewaltfrei
Gewaltfreie Kommunikation – Quelle: cherylholt, Pixabay

Umso erstaunter wird der Leser sein, dass hier auf eine kleine Anleitung zu einer einfühlsamen Kommunikation hingewiesen wird: „Wenn die Giraffe mit dem Wolf tanzt“ von Serena Rust. Es ist in dem typischen Stil geschrieben, wie diese Ratgeber geschrieben sind. Darüber muss man hinwegsehen. Aber es hat eine Botschaft, die interessiert: gewaltfreie Kommunikation im Alltag. Ohne ein Schema kommt auch diese Anleitung nicht aus. Es handelt sich hier um:

  • Beobachten statt bewerten
  • Fühlen statt Interpretation (Deutung)
  • Bedürfnisse (was brauche ich) statt Strategien (wie setze ich die Bedürfnisse durch)
  • Bitten statt fordern

Die Beispiele sind zum Teil amüsant und wirken befremdlich, ein wenig wie die Anleitungen zur aggressionsfreien Kommunikation vor 40 Jahren. Aber die SuS von heute stören sich nicht daran. Und von denen kam auch der Hinweis, dieses kleine Buch zu lesen. Im Vergleich zu der professionellen „vier-Ebenen-Kommunikation“ setzt dieses Modell allerdings ein erhebliches Maß an Selbstbewusstsein und Courage voraus. Kurz gesagt: Mut.

  • Jemanden um etwas bitten statt zu fordern, das heißt: die Zurückweisung einkalkulieren.
  • Bedürfnisse zu äußern heißt: Enttäuschungen hinzunehmen.
  • Fühlen statt bewerten heißt: auf sich selbst zurückgeworfen werden. Hier sind Ausreden nicht mehr möglich.

Wenn also SuS mit diesem Büchlein gewaltfreie Kommunikation im Alltag kennenlernen und einüben können, dann ist eigentlich nichts falsch gemacht. Sie lernen Sozialkompetenz.

tmd.

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