Auf der Suche nach dem schlechten Karma

Karma, Harmonie, Stille
Karma – Quelle: Rainer_Maiores, Pixabay

Das Verhältnis von Atman und Brahman war reziprok und reflexiv in einem nicht kausalen Prozess. Keiner der beiden Elemente ist der Taktgeber. Anders ist es beim Modell von Karma und Samsara.

Samsara benennt den Prozess des Sterbens und der Wiedergeburt. Wiedergeboren wird die Seele – also das Atman. Grundsätzlich verantwortlich für die Wiedergeburt ist das Karma des Atman. Gemeint ist, dass die Seele sich nach der Wiedergeburt in einem Körper befindet – das können Menschen oder Tiere, aber auch Götter oder andere Wesen sein.

Die Art und Weise, wie sich die Seele im jeweiligen Leben und im jeweiligen Körper verhält, verändert das Karma des Atman. Schlechtes Karma steht für schlechte Taten. Gutes Karma steht für gute Taten. Wer immer ein gutes Karma anstrebt, der hat Chancen, irgendwann als Mensch (und nicht als Wurm) wiedergeboren zu werden und in dieser Existenzform nach Erleuchtung zu streben. Wer ein schlechtes Karma ansammelt durch schlechte Taten, der wird als minderwertiges Wesen wiedergeboren.

Karma ist der Motor des Samsara

Ziel ist es also, irgendwann nach entsprechender Erleuchtung nicht mehr wiedergeboren zu werden. Wie dieser Zustand dann aussieht, dass wird unterschiedlich erzählt: Vermengen mit dem Brahman, individuelles erleuchtetes Dasein, gleichmäßiges bewusstes Sein oder einfach bei Gott sein. Soweit also die Struktur des Modells von Samsara und Karma. Motor ist das Karma, es hält das Modell am Laufen.

Jetzt zur Kritik. Wenn sich das Atman durch gutes oder schlechtes Karma verändert, dann muss dies auch Auswirkungen auf das Brahman haben. Brahman ist die Summe der Atman. Unklar ist, ob es sich um eine qualitative oder eine quantitative Veränderung handelt. Ist es eine quantitative Veränderung, dann ist das Brahman nicht mehr grenzenlos. Es muss sich in einen Bereich erweitern, der vorher noch nicht belegt war. Oder das Brahman schrumpft, dann bilden sich leere Räume.

Wenn alle Atman nicht mehr wiedergeboren werden und im Brahman aufgehen, wo ist das schlechte Karma geblieben?

Ändert sich Atman qualitativ, dann verändert sich auch Brahman qualitativ. Das ist natürlich viel bedenklicher. Brahman ist schließlich ewig und allumfassend. Es muss also alles schon in sich enthalten, was möglich und denkbar ist. Brahman enthält in dieser Sicht alles an möglichem Karma – gutes und schlechtes. Unter diesen Voraussetzung ist es nicht möglich, dass alle Atman je durch gutes Karma nicht mehr wiedergeboren werden. Denn: Wo ist dann das schlechte Karma, bzw. die Atman mit schlechtem Karma. Wenn also Brahman nur die Summe aller Atman mit gutem Karma ist, wo befindet sich dann in diesem Modell der Ort für das schlechte Karma?

tmd.

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