Wie ein Himmel voller Seehunde

beste freunde
füreinander – Quelle: Olichel, Pixabay

Freundschaften zwischen Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten sind nicht leicht für die Beteiligten. Wenn es sich um eine Liebesbeziehung handelt, wird die Angelegenheit nicht einfacher. Wenn einer aus der Oberschicht kommt, der andere aus der Unterschicht. Familie und Freunde akzeptieren nicht einfach den „Fremden“.
So ergeht es Lollo, Mädchen aus reichem Hause. Mit ihren Eltern macht sie Ferien auf einer Insel vor Schwedens Küste. Der Freund ihres Bruders ist auch dabei. Ein Traumpaar, meinen Lollos Freunde und Freundinnen.
Lollo ist aber in Gedanken bei Anna. Anna macht auch Ferien auf dieser Insel. Aber Anna kommt aus der Unterschicht. Ihr Vater ist Alkoholiker und erwerbsunfähig. Das einzige, was Anna besitzt ist das Ferienhaus, das ihr der Vater bereits vererbt hat, damit das Finanzamt es nicht pfändet. Und Anna ist eine Überlebenskünstlerin. Genau das bewundert Lollo. Und: In Gegenwart von Anna entdeckt sich Lollo neu.
Was Lollo nicht fertigbringt, ist, im entscheidenden Moment sich zu der Freundin zu bekennen.
Nur ein Augenblick entscheidet darüber, dass die gesellschaftlichen Schranken sich schließen. Anna leidet unter dieser Demütigung. Lollo erkennt, dass sie erwachsen werden muss, Verantwortung übernehmen muss. Hier die Aussicht auf das oberflächliche Leben mit einem arroganten Angeber (der Freund ihres Bruders) an ihrer Seite, dort ein Mensch, zu dem sie sich von ganzem Herzen hingezogen fühlt.

Sara Lövestam, Wie ein Himmel voller Seehunde, 2017.

tmd.

Praktischer Syllogismus

abstrakt denken
Ethisch Argumentieren ist eine Aufgabe der Vernunft – Quelle: Anher, Pixabay

Widerspruchsfrei und folgerichtig soll vernünftiges Argumentieren sein. Kohärenz nennt man das. Was kohärent ist, dass soll wahr sein.
Leider können kohärente Aussagen auch in Wirklichkeiten existieren, die nicht die unseren sind. Märchen und Fantasieromane beispielsweise müssen auch in sich widerspruchsfrei sein, damit wir die Geschichten verstehen. Unsere Aussagen müssen also eine „Rückbindung“ an die Wirklichkeit haben. Diese Rückbindung kann ich aber nur dadurch feststellen, dass ich Wahrnehmung mit Wirklichkeit vergleiche. Das ist Aufgabe der Korrespondenztheorie. Von ihr wissen wir, dass sie uns nur bedingt weiterhilft. Wir können die Übereinstimmung von Wahrnehmung und Wirklichkeit nicht endgültig beweisen.
Was bitte, nützt uns dann aber die Forderung nach Kohärenz?

Wir müssen die Argumentation in ein Schema bringen, in dem erkennbar ist, was wir über die Wirklichkeit aussagen (wo wir unter Umständen irren), und was unsere Schlussfolgerungen aus diesen Aussagen sind. In der Logik gibt es dafür die Syllogismen (logische Schlüsse). Meist lernen wir nur den einen bekannten Syllogismus.
Alle Athener sind Griechen (Obersatz)
Sokrates ist Athener (Untersatz)
Sokrates ist ein Grieche (Schlussfolgerung)
Es gibt aber weit mehr Syllogismen.

Mit Moral hat das zunächst einmal wenig zu tun. Aber es gibt eine Ableitung des logischen Syllogismus. Die geht so:
Im Obersatz steht eine moralische Forderung (Du sollst nicht lügen)
Im Untersatz ist eine allgemeine Situation genannt, in der moralisch gehandelt werden soll.
In der Schlussfolgerung steht die Handlungsanweisung für die allgemeine Situation, wobei auf den Obersatz Bezug genommen wird. (Nicht lügen, weil es moralisch nicht erlaubt ist)
Ich habe damit eine in sich widerspruchsfreie Argumentation.
Das nennt man den praktischen Syllogismus.

Doch Vorsicht!
Damit rechtfertige ich nicht die moralische Aussage im Obersatz. Wer dieser Aussage nicht zustimmt, der braucht der Argumentation nicht zu folgen.
Was habe ich damit gewonnen?
Ich habe meine Argumentation offengelegt. Sie ist „wahr“. Aber man muss mir nicht zustimmen. Ich könnte, was durchaus möglich und denkbar ist, auch sagen, dass die moralische Forderung im Obersatz nicht einzuhalten ist. Ich könnte sagen, die moralische Forderung sollte lauten: Grundsätzlich ist lügen verboten, aber es gibt Ausnahmen.

Genau das ist ethisch Argumentieren: Schlussfolgerungen ziehen aus selbst gesetzten moralischen Forderungen.

tmd.

Stichwort: Korrespondenztheorie

Infiniter Regress
Infiniter Regress – Quelle: nataliekoroshchenko, Pixabay

Die Frage: „Ist das wirklich wahr?“, ist philosophisch grundlegend. Bei der Antwort können wir uns an dem alltäglichen Wahrheitsbegriff orientieren. Ich deute auf einen Baum und sage: Das ist ein Baum. Meine Aussage stimmt überein mit der Sache, die ich benenne. Das ist eigentlich schon Philosophie pur. Wahrheit ist die Übereinstimmung zwischen dem denkenden Bewusstsein und der Sache. Thomas von Aquin hat das geschrieben. Veritas est adaequatio intellectus et rei. Meine Aussage entspricht hier dem denkenden Bewusstsein.
Woher weiß ich, dass die Aussage wahr ist? Ich nehme es an, ich glaube es, solange nicht irgendein Grund sich findet, dass ich mich irre. Irrtum ist also immer möglich. Denn der Nachweis meiner wahren Aussage kann wieder nur durch eine Aussage über die Sache und meine Aussage nachgewiesen werden. Das geht so weiter bis in die Unendlichkeit. Es ist ein infiniter Regress.
Das muss uns im Alltag aber nicht stören. Wir können uns auf die Wahrheitstheorie des Alltags verlassen. Erst dann, wenn wir uns einbilden, im Werkzeugkoffer sitzt eine Fee, sollten wir innehalten und kritisch unsere Annahme überprüfen.

tmd.

Stichwort: Kohärenz

Widerspruchsfreies Denken
Widerspruchsfreies Denken – Quelle: geralt, Pixabay
  • Kohärenz ist ein Thema in Ethik in der 8. Klasse (G8). Hier geht es um das ethische Argumentieren. Argumentieren heißt, einen Standpunkt beziehen und diesen begründen. Dies geschieht meist mit einer Behauptung oder Meinung, die mit Beispielen bekräftigt wird. Hier können Kompetenzen aus dem Deutschunterricht genutzt werden.
  • Diese Art der Begründung darf in sich keine Widersprüche haben, sie muss schlüssig sein und nachvollziehbar sein. Wenn es keine Widersprüche gibt, dann können Aussagen „wahr“ sein. Ethische Argumentation soll also das Merkmal der Wahrheit haben.
  • In einigen Lehrbüchern wird das auch „Konsistenz“ genannt.
  • Ethisch ist das Argumentieren dann, wenn es von moralischen Forderungen ausgeht. Beispiel: Du sollst nicht töten. Alle weiteren Meinungen und Behauptungen orientieren sich an dieser Vorschrift.
  • Kohärentes Argumentieren bezieht sich auf Aussagen über die Wirklichkeit. Geprüft wird aber nicht die Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Das wäre die Aufgabe der Korrespondenztheorie. Geprüft wird die Übereinstimmung einer Aussage mit anderen Aussagen. Hier dürfen sich keine Widersprüche ergeben.
  • Auf diese Weise können komplexe Aussagesysteme entstehen, die in sich widerspruchsfrei sind, aber nicht unbedingt in der Wirklichkeit existieren müssen. Beispiele sind Märchen. Sie sind nicht in der Wirklichkeit vorhanden, aber dennoch in sich widerspruchsfrei.

tmd.

Merkzettel: Ethisch argumentieren

widerspruchsfreie Rede
Sag die Wahrheit – Quelle: Gallila-Photo, Pixabay

Hier eine Checkliste von Punkten, die beim ethischen Argumentieren beachtet werden müssen.

  • Argumentiren kann und muss man einüben.
  • Meinungen, Behauptungen und Standpunkte müssen nachvollziehbar sein und müssen begründet werden.
  • Die Begründungen müssen logisch sein.
  • Ohne Fachwissen kann man nicht argumentieren. Auch wenn es um Moral geht, muss man die Probleme kennen.
  • Ethische Argumentation ist nicht Alltagskommunikation. Der gesunde Menschenverstand reicht nicht aus. Man argumentiert immer vor dem Hintergrund einer Theorie. Beispiel: Handeln aus Pflicht, Handeln mit Blick auf das Ergebnis.

tmd.

SMS FÜR DICH von Sofie Cramer

Mehrere SuS haben mich gefragt, ob ich eine Inhaltsangabe und Bewertung zum Roman von Sofie Cramer für den Ethik-Blog schreibe. Ich komme dem Wunsch gerne nach, weil ich hoffe, dass auf diese Weise das Interesse geweckt wird, im Ethikunterricht Bücher (und nicht nur Textschnipsel) zu lesen.

Sofie Cramer erzählt in ihrem Roman „SMS FÜR DICH“ die Geschichte von Clara und Sven. Die beiden lernen sich eher durch einen technischen Irrtum kennen. Nach einigen Irrungen und Verwirrungen kommt es dann doch zum Happy-End für die beiden.

sad, girl
Vertrauen – Quelle: nastya_gepp, Pixabay

Die Geschichte: Clara hat ihren Freund Ben bei einem tragischen Unfall verloren. Ben ist – vermutlich im Drogenrausch – vom Balkon gefallen. Clara tröstet sich damit, SMS-Nachrichten an die Handy-Nummer von Ben zu schicken. Was sie nicht weiß: Die Nummer von Ben wurde durch einen technischen Fehler neu vergeben. An Sven. Der erhält die sehr romantischen und traurigen SMS-Nachrichten von Clara. Anfangs will er sofort antworten, die Verwechslung aufklären und die Angelegenheit beenden.
Doch dann entscheidet er sich anders und will den Absender kennenlernen. Seine Suche ist erfolgreich. Er lernt Clara kennen und verliebt sich in sie. Er erzählt aber Clara nichts von den SMS-Nachrichten, die er von ihr (an Ben‘s Nummer) erhalten hat. Als er ihr die Wahrheit erzählen will, stellt er sich so plump an, dass Clara sich von ihm hintergangen fühlt. Sie meint, er hat ihr Vertrauen missbraucht. Sven will die Sache in Ordnung bringen und Clara um Verzeihung bitten. Er schreibt ihr eine SMS von der ehemaligen Nummer von Ben. Praktisch auf der letzten Seite des Romans finden die beiden wieder zusammen.

Meine Beurteilung:
Ben nannte Clara „Lilime“. Das wusste außer den beiden niemand. Sven erwähnt den Namen und es kommt zum Zerwürfnis (S. 227). Über 200 Seiten wird Sven als eine Person beschrieben, die sehr bedacht handelt. Dass er in einer so wichtigen Sache einfach so drauflos plaudert, das passt nicht.
Sven erwirb das Vertrauen von Clara. Er selbst spielt aber nicht mit offenen Karten. Auch als er sich wieder mit ihr versöhnen will, spielt er den „wissenden“ Beobachter. Clara ist wieder in der Position, dass sie von seinen taktischen Zügen abhängig ist.

Moralisch ist das Verhalten von Sven nicht hinnehmbar.
Vertrauen funktioniert nur auf Augenhöhe.

Sven ist immer einen Zug voraus und kann mit den Entscheidungen von Clara spielen. Das macht ihn eigentlich zu einem eher fiesen Charakter.

Das Buch eignet sich als negatives Beispiel für gelebtes Vertrauen. Bis zur letzten Zeile schenkt Clara Vertrauen. Sven ist Lichtjahre entfernt von einem solchen Wesenszug.
Der letzte Satz im Roman will nahelegen, dass es so etwas wie ein Schicksal gibt. „Vielleicht war es ja gar kein Zufall.“ (S. 239) Clara will damit auch noch die letzten Zweifel an das Verhalten von Sven tilgen. In der Rückschau hilft das dem Leser wenig. Sven hat – einfach gesprochen – verantwortungslos gehandelt. Fazit: Eine geeignete Geschichte, um zu zeigen, was Vertrauen und Verantwortung NICHT sind.

tmd.

Was ist eigentlich Wahrheit? Teil 2

Ein wichtiger Teil unserer Wahrnehmung läuft über Kommunikation. Wann ist eine Kommunikation „wahr“? Hier hilft nur, zu prüfen, ob das Gesagte nachvollziehbar und in sich widerspruchsfrei ist. Eine Sache, z.B. ein Baum, kann nicht wahr oder falsch sein. Entweder es gibt den Baum oder es gibt ihn nicht.
Die Problematik mit der Korrespondenztheorie bleibt hier unbeachtet, bzw. alle, die an der Kommunikation beteiligt sind, meinen, das es den Baum tatsächlich gibt.

Waldsterben
Waldsterben – Quelle: Boke9a, Pixabay

Die Aussage: „Der Baum dort ist krank“, kann allerdings wahr oder falsch sein. Ich muss die Aussage also mit anderen Aussagen vergleichen, mit Aussagen also über den Krankheitszustand von Bäumen. Vielleicht muss ich noch weiteres Wissen heranziehen. Insgesamt müssen aber alle Aussagen zueinander widerspruchsfrei sein.
Gleiches gilt bei Kommunikation vor Gericht und in den Wissenschaften.
Natürlich kann ich mich gewaltig irren, wenn ich Aussagen heranziehe, die teilweise falsch sind, oder auf einem Irrtum beruhen. Lange Zeit z.B. galt es als wahre Aussage, dass Spinat viel Eisen enthält. Es handelte sich aber um einen Messfehler!

Diese Art der Wahrheitsprüfung, die Aussagen daraufhin untersucht, ob sie nachvollziehbar, schlüssig und widerspruchsfrei sind, wird Kohärenztheorie genannt. Sie unterstützt die Korrespondenztheorie.
Widerspruchsfreie Aussagen über die Welt und Wirklichkeit sollten außerdem unmittelbar einleuchtend sein. „Ein Stück eines Kuchens ist kleiner als der ganze Kuchen.“ Das ist unmittelbar verstehbar. Diese Theorie nennt man Evidenztheorie. Dabei muss beachtet werden, dass der empirische Sachverhalt (die Erfahrung) gar nicht zur Urteilsbildung herangezogen werden muss. Die Evidenz ergibt sich in unserer inneren Wahrnehmung. „Ein Teil einer Menge ist weniger, als das Ganze.“
Die genannten Wahrheitstheorien verlieren ihre Beweiskraft, wenn unter den Menschen, die sie anwenden, kein Konsens herrscht. Die Konsenstheorie ist sicher die wirkungsmächtigste Theorie zur Klärung von Wahrheit. Wahrheit ist das, was die meisten Menschen für wahr halten. Damit ist sie aber auch empfindlich für Täuschung. Menschen lassen sich gerne täuschen. Psychologen wissen das. Politiker wissen das. Kaufleute auch. Schnell entstehen „Wahrheiten“, die keine sind. Fake News.
Gegen solche Täuschungen kann man nur die Kohärenztheorie in Stellung bringen: Widersprüche enthüllen und aufdecken.
Die Korrespondenztheorie ist eine reine empirische Theorie. Sie arbeitet mit der Erfahrung. Die drei anderen Theorien arbeiten mit der Vernunft. Sie nennt man epistemisch, sie beziehen sich auf Wissen, das man hat.

bewusstsein
epistemische Wahrheit – Quelle: sciencefreak, Pixabay

Wissen wir jetzt, was Wahrheit ist?
Nein!
Aber wir haben einen Koffer voller Werkzeuge, mit denen wir feststellen können, ob uns jemand täuschen will.
Also: Wenden wir die Werkzeuge an. Lernen wir argumentieren.

tmd.

Was ist eigentlich Wahrheit? Teil 1

Zuerst die schlechte Nachricht. Wir wissen es nicht genau. Wer sich mit Moral beschäftigt, der kennt das Problem. Wir wissen eben nicht genau, welche Moral die richtige ist. Und auch die Ethiker, die verschiedene Moralen beschreiben und vergleichen, sind nicht im Besitzt der Wahrheit. Ganz zu schweigen von den vielen Fundamentalisten, die es in jeder Religion gibt.

Es gibt aber eine gute Nachricht. Unser Alltag, der noch nicht von Wissenschaft besetzt ist, ist voll von Wahrheiten. Wenn wir uns nämlich ständig Gedanken darüber machen würden, was nun „Wahr“ oder „Falsch“ ist, dann würden wir im Leben nicht voran kommen. Wir verlassen uns auf Gewohnheiten nach dem Motto: Jeden Tag geht die Sonne wieder auf. Wir meinen sehr viel zu wissen, aber das meiste haben wir nicht nachgeprüft, wir werden es nicht nachprüfen oder können es nicht – wir glauben es einfach. Ein philosophischer Blick auf die Welt und Wirklichkeit würde uns mehr als verunsichern.

Dreieck
Illusion – Quelle: ptra, Pixabay

Woher wissen wir, dass es die Welt, die wir sehen, überhaupt gibt?

Zunächst einmal speichern wir die Wahrnehmung als etwas Sinnliches (sehen, hören usw.) ab und meinen, dass es die Welt da draußen tatsächlich gibt. Optische Täuschungen können wir durch Erfahrung und Übung schnell ausschließen. Vollkommene Sicherheit haben wir jedoch nicht, weil wir die gemachten Wahrnehmungen – das Bild in unserem Kopf – von der Wirklichkeit nicht mit der Wirklichkeit vergleichen können. Denn dabei sind wir immer wieder auf unsere Wahrnehmung angewiesen. Wir müssten dafür „außerhalb“ von uns stehen. Das geht aber nicht.

Wir sind Gefangene unserer sinnlichen Wahrnehmung.

Dennoch hat diese Art der Wahrheitskontrolle keineswegs zur Verunsicherung geführt. Das liegt an dem recht „pragmatischen Umgang“ mit unserem „Weltwissen“. Solange unser Wissen von Welt und Wirklichkeit uns keine Probleme verursacht, reicht uns diese eigentlich unvollkommene Wahrheit. In der Philosophie wird die Art der Wahrheitstheorie „Korrespondenztheorie“ genannt. Wir gehen davon aus, dass es eine „Korrespondenz“ von Welt und Wahrnehmung gibt. Korrespondenz ist hierbei die veraltete Bezeichnung für Übereinstimmung. Im Ethikunterricht lernen wir dazu den Satz „Wahrheit ist die Übereinstimmung von urteilendem Denken und Wirklichkeit“. Veritas est adaequatio intellectus et rei. Thomas von Aquin hat das geschrieben. Diese Theorie wird auch „empirisch“ genannt, weil sie über die Erfahrung (Empirie) ermittelt wird.
Wir müssen also unsere Wahrnehmung (das urteilende Denken) an die Wirklichkeit anpassen.
Leider hilft uns diese Theorie allein nicht recht weiter.
Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag.

tmd.

Was fehlt, wenn ich verschwunden bin

Im Ethikunterricht der 8. Klasse (G8) gehört das Thema Magersucht in das Modul: Verantwortung. Und dort wird es in den Lehrbüchern voyeuristisch in Textschnipseln abgehandelt.
Lilly Lindners Jugendbuch ist ein Gegenentwurf zu dieser zur Schau Stellung einer Krankheit.

magersucht
Magersucht, strecosa/ Pixabay

Es geht um April (englisch gesprochen) und Phoebe. April ist 16 Jahre alt. Phoebe ist 9 Jahre alt. Sie sind Schwestern. Sie sind sprachgewaltig. Ihre Umwelt ist es nicht. Ausnahme: Phoebes Freundin Hazel hat einen Vater, der April und Phoebe versteht.
Phoebe und April kämpfen gegen Lieblosigkeit in ihrer Familie, in unserer Gesellschaft. Die beiden Schwestern und Phoebes Freundinnen Paula und Hazel leben Mitgefühl. Die Erwachsenen (Ausnahme ist Hazels Vater) sind unfähig dazu.

Über Magersucht zu reden, setzt ein Buch wie Was fehlt, wenn ich verschwunden bin voraus, wenn man keinerlei Erfahrung hat und sich nicht in abstrakten Definitionen von Magersucht ergehen will. Lilly Lindner hat ein Buch geschrieben, das im Unterricht gelesen werden kann und sollte.

Es macht wenig Sinn, das Buch wie im Deutschunterricht zu analysieren. Das Buch muss man lesen und die Emphatie spüren.

„Du bist der Grundstein in meinem Wortschatz, für einen glücklichen Satz. Ohne dich habe ich keine Wortgemeinschaften. Ohne dich steht jedes Wort alleine in einem fremden Raum. So wie ich.“ (S. 191)

April stirbt. Das kann man vorab schon erzählen. Auch erzählen kann man, dass das Buch nur aus Briefen besteht. Zuerst sind es Briefe von Phoebe an April, dann die von April an Phoebe.

Was fehlt, wenn ich verschwunden bin, Lilly Lindner, 2015, Fischer.

tmd.

Lektüre für den Ethikunterricht

Buchempfehlung – Quelle: ptra, Pixabay

Es lohnt sich, die Inhalte des Ethikunterrichts durch das Lesen von Romanen und auch Sachbücher zu vertiefen.
Hier eine Liste der Bücher, die ich im letzten Jahr im Blog erwähnt und empfohlen habe:

tmd.