Wer hat die richtige Moral?

Wohin? – Quelle: geralt, Pixabay

Immer dann, wenn es um Entscheidungen geht, bei denen man den Menschen nicht traut, dass diese die Entscheidung selbst treffen können, wird ein Ethikrat befragt. Der soll dann entscheiden, was moralisch richtig ist. Wer sich dann mit dieser Entscheidung nicht abfinden will, der wird an den moralischen Pranger gestellt. Diskursethik ist das nicht gerade. Ethik wird dann dazu missbraucht, eine Meta-Moral anzusagen. Aber mit welcher Begründung? Vernunftgründe wie der Kategorische Imperativ sind es nicht. Es geht um Machtverhältnisse. Die müssen offengelegt werden.

Es gibt niemanden, der ein Privileg hat, für die Moral zuständig zu sein. (Otfried Höffe, Philosoph, in einem Interview, fluter, 2005)

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Lektüre für den Ethikunterricht

Buchempfehlung – Quelle: ptra, Pixabay

Es lohnt sich, die Inhalte des Ethikunterrichts durch das Lesen von Romanen und auch Sachbücher zu vertiefen.
Hier eine Liste der Bücher, die ich im letzten Jahr im Blog erwähnt und empfohlen habe:

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Wahrnehmung und Moral

Wahrnehmung und Wirklichkeit – Quelle: ptra, Pixabay

In der gegenständlichen Wahrnehmung von Welt und Wirklichkeit sind sich Menschen grundsätzlich ähnlich. Wir Menschen sind auf das 3-D(imensionale)-Sehen geeicht. Das zeigt sich, wenn wir Fotos oder gemalte/gezeichnete Bilder anschauen und sofort die 3-D-Brille im Kopf einschalten. Wenn wir Zeichnungen, die die Perspektiven nicht berücksichtigen, anschauen, dann erkennen wir das sofort: Da stimmt was nicht und es müsste so und nicht anders aussehen! Die Graphiken von M.C. Escher sind bestens geeignet, um das 3-D-Sehen zu trainieren. Wie verhält es sich aber mit Erfahrungen und Empfindungen, die wir machen? Hier beschäftigen wir uns mit Dingen, die im Bewusstsein auftauchen. Hierbei bewerten wir das Erlebte, die Erfahrungen automatisch. Genauso, wie beim gegenständlichen Sehen, bei dem wir die 3-D-Brille im Kopf einschalten, schalten wir bei der Bewertung von Erfahrungen einen speziellen Betrachtungsmaßstab ein. Schönheit ist zum Beispiel nicht etwas, das „an sich“ so ist, sondern es ist nur „für uns“ so (fachsprachlich: für sich).

In einem neueren Ethikbuch habe ich dazu die Anleitung gefunden für die „Objektivierung“ von solchen Wahrnehmungen. Man solle – wie in den Naturwissenschaften – Maßstäbe finden und verwenden, um Wahrnehmungen zu bewerten. Solche Maßstäbe beruhen aber – auch in den Wissenschaften – auf Konsens. Geht es um Werte, Normen und Sitten, also um Moralen, dann ist die Angelegenheit plötzlich hochbrisant. Wie und nach welchem Maßstab soll ich hier „objektivieren“?

Im erwähnten Ethikbuch heißt es dazu: Informationen sammeln, also einfach gesagt, durch „Mehr-Wissen“ das eigene Urteil absichern. Didaktisch ist das interessant und schon in der 5. Klasse wird in Ethik dieser „Trick“ verwendet, um die eigene Vernunft zu optimieren. Doch diese Methode der Selbstaufklärung funktioniert dann nicht mehr so ohne Weiteres, wenn man erkennt, dass die moralischen Maßstäbe, die man verwendet, nicht objektiv vorgegeben sind, sondern auch einen sehr subjektiven Ursprung haben: Sozialisation und Charakter. Soll ich moralische Standards einhalten, die zwar ehrenvoll und tugendhaft daherkommen, wenn ich gleichzeitig dadurch massive Nachteile im Alltagsleben habe? Die Rückkoppelung von Alltagshandeln an Tugenden setzt ein erhebliches Maß an moralischem Standvermögen voraus.

tmd.

Meta-Ethik

Die Goldene Regel ist als Handlungsanweisung in kleinen Gruppen mit gleicher moralischer Ausrichtung durchaus anwendbar. Doch Menschen sind nun mal verschieden. Insbesondere, wenn sie aus verschiedenen Kulturkreisen kommen oder verschiedene Religionen haben. Für sie müssen also moralische Regeln aufgestellt werden, die über dem sehr subjektiven Geltungsbereich der Goldenen Regel angesiedelt sind, wenn man Konflikte beim Zusammenleben vermeiden will.

Vorarbeit leistet dazu die deskriptive Ethik, die unterschiedliche Moralen beschreibt. Der Vergleich ist dann die nächste Stufe, auf der Suche nach universellen Regeln.

Regeln sind wichtig – Quelle: Didgeman, Pixabay

An dieser Stelle ist jedoch Vorsicht geboten. Der Vergleich auf einer Meta-Ebene hat schnell das Merkmal der Höherwertigkeit. Das ist aber nur dann der Fall, wenn die Aussagen einer Meta-Ethik universalisierbare Handlungsanweisungen produzieren. Aber diese Methode hat Grenzen. Wenn ich alle unterschiedlichen Moralen auf ihren kleinsten gemeinsamen Nenner hin überprüfe, dann haben die resultierenden Handlungsanweisungen nur noch den Wert von Allgemeinplätzen. Sie sind beliebig.

Von Kant wissen wir, dass er einen anderen Weg gegangen ist. Er hat nicht empirisch gearbeitet, sondern epistemisch. Er hat seine Vernunft eingesetzt. Sein kategorischer Imperativ ist zwar nicht konsequent einsetzbar, aber er hat zumindest die Richtung vorgegeben: Normen und Gesetze herstellen, die es unterschiedlichen Menschen erlauben, konfliktfrei miteinander zusammenzuleben. Wenn das nicht funktioniert, dann sollte man zunächst fragen: Wer stört hier den Frieden und warum?

tmd.

Stichwort: Determinimus

Denken
Ursache & Wirkung – Quelle: geralt, Pixabay

Determinismus ist eine Lehre. Die Aussage dieser Lehre ist, dass es keine Wirkung ohne eine Ursache gibt. Moralisch ist das von Bedeutung, weil es nach Meinung der Deterministen keinen freien Willen gibt. Der Wille ist abhängig von irgendwelchen Ursachen. Das können zum Beispiel physikalisch-chemische Prozesse im Gehirn sein. Diese Gründe liegen zeitlich vor dem (moralischen) Handeln.

Diejenigen Philosophen, die den Willen als frei bezeichnen, behaupten das Gegenteil. Sie sagen, dass der Wille des Menschen unabhängig ist von irgendwelchen Beweggründen. Sie müssen dann aber nachweisen, wo sich der Wille befindet und wie es möglich ist, dass er voraussetzungslos funktioniert.

Die Deterministen haben dagegen das Problem, die Kausalketten des Handelns sinnvoll zu verknüpfen. Eine Handlung hat schließlich irgendeine Ursache. Diese Ursache ist aber die Wirkung einer wiederum vorausgenden Ursache. Dieses rein erkenntnistheoretische Problem hat erhebliche Folgen für das moralische Handeln.

Gibt es einen freien Willen, dann gibt es die volle Verantwortung für das Handeln. Ist der Wille abhängig – in welcher Form auch immer – , dann ist der Handelnde auch nur beschränkt verantwortlich für sein Handeln.
Beides hat Einfluss auf die juristische Praxis, die Sozialgesetzgebung, die Sozialpolitik, Medizin und die Sozialpsychologie. Abweichendes Verhalten kann durch die deterministische Betrachtungsweise als Krankheit eingeordnet werden. Bezieht man einen Standpunkt, der den freien Willen betont, dann kann abweichendes Verhalten auch als kriminelle Handlung bezeichnet werden.

tmd.

Kinder an die Macht

Kinder an die Macht? – Quelle: PublicDomainPictures, Pixabay

Immer wieder hört man von Kinderlobbyisten markige Sprüche wie: Kinder an die Macht. Das klingt einfach gut. Sollen doch die Kleinen entscheiden! Dann wird alles gut! Die Anbiederung an die Jugend ist nicht mehr zu überbieten.

Auf der gleichen dümmlichen Argumentationswolke sind auch die Forderungen nach einem Wahlrecht für Jugendliche ab 16 angesiedelt. Wer das fordert, kennt Kinder und Jugendliche nur aus den Medien.

Fragen wir jemanden, der mit praktischer Philosophie bewandert war und dessen Beratung auch Folgen hatte: Aristoteles. Wer zu seiner Zeit politische Entscheidungen zu treffen hatte, der lebte nicht in einer Wohlfühldemokratie, wie sie heute unseren Kindern vorgemacht wird. Die Entscheidungen mussten verantwortet werden. Versager wurden abgestraft.

Junge Menschen, so urteilt Aristoteles, folgen noch den Leidenschaften und sind unerfahren in politischen Entscheidungen. Kann man sie „fordern und fördern“? Nein! Auch hier sagt Aristoteles, dass es eben seine Zeit braucht, bis jemand den Ratschlägen eines erfahrenen Menschen folgen kann und will – ihm überhaupt zuhört.

Das ist ein hartes Urteil. Sind die Bemühungen des Morallehrers deshalb grundsätzlich zum Scheitern verurteilt?

Nein! Moralisches und politisches Handeln lässt sich schon im Klassenverband einüben. Diejenigen, die noch nicht den Nutzen und den Zweck dieser Übungen erkennen können, sind noch nicht reif für die moralische Praxis. Sie brauchen weiterhin strenge moralische Leitplanken als Ersatz für ihre fehlenden Kompetenzen. Aber keinesfalls brauchen sie die Lizenz zum politischen Handeln. Da hatte Aristoteles eben doch Recht.

tmd.

Fides quaerens intellectum

Gottvater, Brügge
Gottvater – Quelle: Pixel2013, Pixabay

Etwas größeres als Gott ist nicht denkbar. Anselm von Canterbury hat das geschrieben. Die Idee dazu hatte er von Augustinus entlehnt. Anselm lebte im 11. Jahrhundert und hat die Diskussion um den Gottesbeweis so richtig eröffnet. Seine Argumentation ist aber nur zu verstehen, wenn wir zwei seiner Sätze kennen.

Fides quaerens intellectum – Glaube, der nach Einsicht sucht.
Credo ut intelligam – Ich glaube, damit ich verstehe.

Erkenntnistheoretisch ist dieses Vorgehen hochinteressant. Nicht die Offenbarung oder Spekulation werden bemüht. Die Vernunft ist es, die weiterhelfen kann. Aber sie kann eben nur genutzt werden, weil sie auf dem Glauben ruht. Dennoch: Die Vernunft wird bemüht und ihr wird ein wesentlicher Anteil an der erfolgreichen Suche zugeschrieben. Anselms Argumentation ist einfach und ein Vorgriff auf die Evidenztheorie. Sie sei hier kurz wiedergegeben. Wenn ich mir etwas vorstellen kann, dann gibt es das auch. Denn in meinem Bewusstsein kann nur das sein, was es auch gibt. (Fantasy-Fans können an dieser Stelle schon mal jubeln.)

Gott ist das Größte, das es gibt, was ich mir denken kann. Mein Glaube, dass es nichts größeres als Gott gibt, ist also richtig, weil ich mir etwas Größeres nicht vorstellen kann. Die erfolgreiche Nutzung der Vernunft hat jedoch auch einen Nachteil. Sobald jemand auf die Idee kommt, seine Vernunft ohne den Glauben einzusetzen, ist es um das „fides quaerens intellectum“ und das „credo ut intelligam“ geschehen. Und das ist dann  der Fall, wenn es um die naturwissenschaftlich-technische Erklärung der Welt geht. Dabei kann man selbstverständlich gläubig sein und bleiben, aber die naturwissenschaftlich-technische Methode kennt keine Denkverbote, je erfolgreicher sie ist.

Was in Technik erfolgreich ist, soll auch bei der Suche nach Moral erfolgreich sein. Mit dem Bemühen, Gott zu beweisen, haben Anselm und andere den Startschuss gegeben, Gott als Motor in der Welt abzuschaffen. Ohne Gott braucht es aber eine neue Verortung von Moral.

tmd.

Kann man eine Gesellschaft moralisch erziehen?

Männchen
Kann man „die Gesellschaft“ erziehen? – Quelle: 3dman_eu, Pixabay

In „Der Selbstmord“ entwickelte Emile Durkheim vor über 100 Jahren eine grundlegend neue Sicht auf dieses Problem. Abweichendes Verhalten, Verbrechen und auch Selbstmord sind Erscheinungen, die wir in allen Gesellschaften antreffen. Interessanterweise werden in allen Gesellschaften diese Erscheinungen moralisch beurteilt – nicht immer negativ. Zum Beispiel wird Selbstmord auch als gesamtgesellschaftlich notwendig verteidigt. Wir kennen das auch aus Literatur und insbesondere dramatischen Filmen, wenn der Held/die Heldin sich opfert, um die Menschheit zu retten.

Für den Moralunterricht hat die Sichtweise von Durkheim – und allen Soziologen, die seiner Methode seither folgen – enorme Bedeutung.
Moral ist relativ zur jeweiligen Gesellschaft zu denken. Ethischer Relativismus mal nicht philosophisch, sondern modern und wissenschaftlich unterlegt.

Durkheim geht sogar noch weiter. Er hält eine moralische Erziehung für unmöglich: Erziehung ist „nur Abbild und Widerschein der Gesellschaft, die sie nachahmt und zusammengedrängt wiedergibt, aber nicht neu schafft“, schreibt er. (S. 440 ff., Emile Durkheim: Der Selbstmord, stw 431, 1973).

Wie ist dann aber sozialer Wandel möglich?

tmd.

Populismus ist der Feind kritisch rationaler Wahrheitsfindung

Populismus
Populismus – Quelle: geralt, Pixabay

Kürzlich bin ich zu einer Fortbildung eingeladen worden. Thema: Populismus. Wer sich mit Moral beschäftigt, der wird aufmerken. Der Unterschied von Gut und Böse werde durch Populismus unkenntlich gemacht, heißt es im Texttrailer.

Der sokratisch-platonische Gedanke des universell Guten ist also immer noch aktuell. Das macht Hoffnung in einer Zeit, in der das moralisch richtige Handeln von Beliebigkeit okkupiert wird. Schuld daran seien unter anderem evidente Erzählungen. Evidenz ist aber eine der Wahrheitskriterien, die dem epistemischen Ansatz zur Verfügung stehen, um Wahrheit zu benennen.

Konsens, ein weiteres epistemisches Wahrheitskriterium, sei vom Populismus ebenso betroffen. Denn die Mehrheit, die unaufgeklärte, sei ebenfalls vom Populismus ins Visier genommen worden. Letzterer wüte dort und lasse das politische Kompetenzniveau auf Null sinken. Bleibt also nur die letzte Bastion kritisch rationaler Wahrheitsfindung: die Kohärenz, das schlüssige widerspruchsfreie Argumentieren. Die Waffe der wissenschaftlichen Aufklärung muss allerdings bedient werden. Das geht nur durch Übung. Also: Lesen, schreiben, reden.

tmd.

Grundwissen: Wahrnehmung

Das Grundwissen zum Thema: Wahrnehmung und Erkenntnis, wird schon in der fünften Klasse erarbeitet. Für Quereinsteiger in den Ethikunterricht der Mittelstufe gibt es hier eine kurze Zusammenfassung zum Thema Wahrnehmung.

Die menschliche Wahrnehmung ist zunächst auf die Sinne angewiesen. Die Sinne sind das Sehen, das Hören, das Riechen, das Schmecken und das Tasten (Fühlen). Diese Sinne können einzeln oder auch insgesamt getäuscht werden. Die Graphiken von M.C. Escher (Maurits Cornelis Escher, 1898-1972) sind gute Beispiele für die Täuschung des Sehsinnes. An diesen Bildern kann jedoch auch das Sehen trainiert werden, um die Täuschung zu erkennen. Aus diesem Beispiel kann aber auch abgeleitet werden, dass Menschen in Bezug auf ihre Sinne grundsätzlich manipulierbar sind. Die Möglichkeit der Täuschung wird dabei von anderen Menschen ausgenützt. Denkbar ist natürlich auch, dass Menschen aufgrund von Krankheit ihre Sinne nicht voll einsetzen können.

Maßstab
Sind Werte messbar? – Quelle: arielrobin, Pixabay

Aus dieser Erkenntnis, dass Menschen grundsätzlich in ihrer Wahrnehmung getäuscht werden können, wird der Wunsch abgeleitet, unsere Wahrnehmung zu kontrollieren und zu prüfen. Menschen suchen nach Methoden (Wege), die Täuschungen zu erkennen und zu vermeiden.

Da es in Ethik um Moral, Normen (Regeln und Gesetze) und Werte geht, werden also mögliche Täuschungen im Wertesystem und in Moralvorstellungen unter die Lupe genommen. Ich brauche also einen Bewertungsmaßstab dafür, zu entscheiden, ob eine Moral brauchbar ist oder nicht.

Vorausgesetzt wird dabei im Weiteren ein moralisches System, das sich an den Menschenrechten und der Menschenwürde orientiert. Und: Moral und Werte müssen universell sein. Jeder muss sie anwenden können wollen. Hier wird Immamuel Kant (10. Klasse) bereits kennengelernt. Das Moral- und Wertesystem wird also nicht von der Basis her aufgebaut, sondern Alltagssituationen werden vor dem Hintergrund der herrschenden Moralvorstellungen gespiegelt. Gerade das bereitet die größten Schwierigkeiten, weil man nicht voraussetzungslos eine Moral aufbauen kann.

Beispiel: Einen Menschen allgemein und individuell wahrzunehmen, setzt voraus, dass ich bei der allgemeinen Wahrnehmung die Menschenrechte und -würde als Maßstab nehme: Alle Menschen sind gleich! Die reine Beobachtung ergibt jedoch das Gegenteil: Wir sind alle sehr individuell!
Ich muss also auch den Maßstab meiner Wertungen ständig reflektieren. Das erfolgt in meinen Erfahrungen und Erlebnissen. Das ist meine gleichsam innere, geistige Wahrnehmung. An dieser Stelle wird Verstand und Vernunft eingesetzt. Das wird aber in dieser ausdrücklichen Weise erst in der 10. Klasse thematisiert. In der Unterstufe werden Erkenntnisse aus Soziologie und Psychologie eingesetzt, um Allgemeines und Individuelles zu erklären. Beispiele sind Selbst- und Fremdwahrnehmung und die soziale Rolle.

Auf diese Weise kann man auch Regeln, Bedürfnisse und Glücksvorstellungen untersuchen und allgemeine und individuelle Maßstäbe aufstellen für Freiheit, soziales Handeln und Entscheiden.
An dieser Stelle wird zur Wahrnehmung von Regeln, Normen und so weiter immer ein vorwissenschaftliches Alltagswissen über Moral verwendet, also das, was wir über Moral schon erfahren haben (geistige Wahrnehmung). Beispiel: In sogenannten Dilemmageschichten lernt man, dass sich in Handlungssituationen Regeln widersprechen können. Bestenfalls kann man dann die eine Regel der anderen vorziehen (Vorzugsregeln). Meist ist jedoch der Konflikt zwischen sich widersprechenden Regeln nicht aufzuheben. Die eine Regel besagt: Du sollst nicht lügen. Was tun, wenn ich damit (mit Lügen) Menschenleben rette?

In der Mittelstufe wird dieses Problem dann nochmals aufgegriffen und präzisiert. Moral wird als ein System von wahren Aussagen behandelt. Aufgabe ist es nun, festzustellen, was Wahrheit ist. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: empirisch und epistemisch. Die epistemische Feststellung von Wahrheit ist vernunftorientiert. Entweder ist wahr, was in sich widerspruchsfrei ist, was von allen so gesehen wird oder was einfach offensichtlich ist. Hierzu gibt es mehrere Beiträge im Blog, ebenso zur empirischen Feststellung von Wahrheit. Hier geht es um die Übereinstimmung von Wahrnehmung und Wirklichkeit.

In jedem Fall ist der moralische Maßstab, der angewendet wird, Menschenwerk und auch die Ergebnisse moralischer Betrachtungen sind es. Offenbarung und Erleuchtung müssen sich ebenfalls einer kritischen Untersuchung unterwerfen und sind nicht von sich aus wahr.

tmd.