Das Leben ist kein Spiel

Roulette – nichts geht mehr
Rien ne va plus – Quelle: stux, Pixabay

NICHTS GEHT MEHR!
oh, schade, das Spiel ist aus?
NEIN! DAS WAR KEIN SPIEL. ES IST AUS. ENDE!

Grenzsituationen beschreiben, das ist nur möglich mit Vergleichen. Mit Vergleichen jedoch, die nie an die Wirklichkeit heran reichen. Grenzsituationen sind letztlich Todeserfahrungen, Erfahrungen absoluter Schuld, unabwendbaren Leides. Aber ihnen – diesen Erfahrungen – folgt nicht die Rettung. Es folgt der Tod, das Leiden, die immer währende Schuld.

Paolo Giordano hat das Problem in „Die Einsamkeit der Primzahlen“ literarisch umgesetzt. In seinem Buch gibt es nicht einmal die Andeutung eines happy end. Der Film dazu – überwiegend eindrucksvoll beklemmend – will einen aber nicht ohne einen Funken Hoffnung entlassen. Das ist aber nicht die Realität.

Viele verwechseln Grenzsituationen auch mit Grenzerfahrungen. Das sind beispielsweise die Erfahrungen, die ein Marathonläufer macht. Er geht an seine Grenzen. Er spürt die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Aber er ist nicht am Ende.

Grenzsituationen, das sind Leid, Tod, Schuld. Karl Jaspers nennt sie die „tragische Trias“. In diesen Grenzsituationen fühlt sich der Mensch ohnmächtig. Ohnmächtig, das meint „ohne Macht“. NICHTS GEHT MEHR.

Was tun in solchen Situationen? Victor Frankl, Fachmann für solche Fragen, verweist auf die Pflicht jedes Menschen in solchen Situationen nicht zu verdrängen, aufzugeben. Jaspers sagt, man dürfe nicht die Situation verschleiern oder ihr ausweichen. Frankl zitiert in diesem Zusammenhang einen Aphorismus von Hölderlin: Wer auf sein Leid tritt, tritt höher. Aus der Erkenntnis von Schuld folgt Verantwortung.
Doch das setzt absolute moralische Haltung voraus. Die wird gerade in unseren Zeiten nicht hochgehalten. Bob Dylan – er hat in diesem Jahr den Literaturnobelpreis erhalten – verdichtete den Gedanken der Verantwortung – auch gegen den Widerstand der Mehrheit – in „All Along The Watchtower“.

„No reason to get excited, “ the thief, he kindly spoke, „There are many here among us, who feel that life is but a joke. But you and I, we’ve been through that, and this is not our fate, So let us not talk falsely now, the hour is getting late.“ (Bob Dylan, 1967)
(Hervorhebungen von mir)

Dem Leben einen Sinn geben, das ist in Grenzsituationen hoch problematisch. Wir neigen dazu, den Sinn zu „konstruieren“. Das birgt aber gerade die Gefahr in sich, dass wir die Situation irgendwie verschleiern. Frankl tut sich dabei in der Lösungssuche einfach. Er sagt, dass „Sinn“ gefunden werden muss. Das lässt an Offenbarung oder Erleuchtung denken. Das widerspricht aber dem rational denkenden, aufgeklärten Menschen.

Manchmal muss es einfach ausreichen, Gedankengänge nachzuvollziehen und Lösungswege kennenzulernen ohne sofort eine praktische Handlungsanweisung daraus abzuleiten.

tmd.

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