Der Kompetenzzuwachs nähert sich dem Erdmittelpunkt

Rollenspiel als Methode im Ethikunterricht ist grundsätzlich ungeeignet.

War das Thema Sinnsuche schon sperrig und privat, so ist das Thema „verfehlte“ Sinnfindung um so sperriger wie privater es ist. Ich habe in einem Ethikbuch den Vorschlag gefunden, dass die SuS gemeinsam Beispiele zusammentragen sollen für verfehlte Sinnfindung. Anschließend sollen dann in Rollenspielen die Probleme exemplarisch gelöst werden.

Zwei Dinge muss man vorab klarstellen.

Erstens: Die Merkmalsausprägungen von verfehlter Sinnfindung lassen sich nur schwer in wenige Gruppen ordnen. Es gibt Depression, Sucht in allen nur denkbaren Formen, Neurosen, psychosomatische Erscheinungen (Körper reagiert mit Krankheit auf seelische Schmerzen), soziale Vereinsamung bis zu sozialem Absturz. Die Kategorien lassen sich leicht erweitern und differenzieren. Erschwerend kommt hier noch hinzu, dass beispielsweise das Merkmal Depression eine Folge von verfehlter Sinnfindung, aber auch die medizinische Ursache dafür sein kann.

Zweitens: Ursache der verfehlten Sinnfindung sind Störungen im Prozess des Erwachsenwerdens (Identitätsbildung). Natürlich gibt es diese Identitätsprobleme auch bei älteren Menschen, aber das ist hier nicht unser Thema. Kinder und Jugendliche reagieren besonders empfindlich auf Themen dieser Art. Deshalb nenne ich sie sperrig und privat. Im Klartext: Das geht niemanden was an! Zu Recht sind die Gespräche von Psychologen (auch an Schulen) mit ihren Klienten (hier Kinder und Jugendliche) top secret.

Heft mit Geheimnissen
Top Secret – Quelle: PeteLindforth, Pixabay

Vor diesem Hintergrund soll also dieses sehr spezielle Thema abgehandelt und erklärt werden. Vor diesem Hintergrund sollen also Kinder ein Rollenspiel planen und aufführen, in dem es um sehr private Dinge geht.

Und wozu das ganze? Um Empathie (Mitgefühl) und Perspektivwechsel einzuüben. Auch hier wieder Klartext: „Wie geht es mir, wenn ich süchtig bin“, soll erlebt und nachempfunden  werden. Natürlich nur im Spiel.
Die Ernsthaftigkeit dieses Unternehmens seitens der Kinder geht gegen Null. Der Kompetenzzuwachs nähert sich dem Erdmittelpunkt.

Was wäre die Alternative? Bücher lesen! Die Literatur ist voll von Beispielen der verfehlten Sinnfindung. Deutschlehrer/innen können aus dem Stegreif ein Dutzend Bücher nennen mit passenden Themen.
Statt dessen sollen Kinder ohne viel Input zum Thema einen Output produzieren in Form eines Rollenspiels.

tmd.

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