Der Verlust der Freiheit

Texte von Marx lesen, das setzt voraus, die Begriffspaare „Basis-Überbau“, „Sein-Bewusstsein“ sowie den Begriff Entfremdung sicher zu erklären und im Text wiederzufinden. Beiträge dazu hier im Blog. Ein Satz von Marx wird aber allein mit diesem Vorwissen nicht recht verständlich.

Tierisch oder menschlich – Quelle: Alexas-Fotos, Pixabay

Das Tierische wird das Menschliche und das Menschliche das Tierische.

Hier eine Lesehilfe. Zunächst der erste Teil des Satzes: Das Tierische wird das Menschliche. Das Tierische am Menschen sind Essen, Trinken, Schlafen und Kinder zeugen. Marx nennt das auch Reproduktion. Reproduktion schafft nichts, was dem Menschen äußerlich ist, das er als sein Produkt ansehen kann, sieht man einmal von den Kindern ab, in denen man sich selbst auch wiedererkennt. Von der Entfremdung wissen wir, dass der Mensch vom Produkt seiner Arbeit getrennt wird. Das, was ihm das Wichtigste ist, wo er sich als Mensch sieht, geht verloren. In der Arbeit ist der Mensch nicht mehr frei. Marx schlussfolgert nun, dass sich der Mensch einen Ersatz für die in der Arbeit verlorene Freiheit sucht. Es ist die Freizeit, die Zeit der Nicht-Arbeit, die sich der Mensch als Ersatz sucht. In dieser Freizeit spielt sich dann das ab, was das Tierische ist: Essen, Trinken und Schlafen.

Diesen Gedankengang kennen wir vom Philosophen Robert Menasse. Er nennt das die Freizeit-Freiheit. Menschen suchen sich in ihrer Freizeit ihre verlorengegangene Freiheit. Sie arbeiten nur noch für diese Freizeit. Freizeit wird zum Opium des Arbeiters, der nur so die Arbeit erträgt.

Arbeit ist Zweck nicht Mittel

Jetzt den zweiten Teil des Satzes: Das Menschliche wird Tierisch. Das Menschliche ist eigentlich seine Entäußerung in Arbeit. Hier erst erkennt der Mensch, dass er mehr ist als ein Tier. Wird ihm aber die Verfügung über seine Arbeit, also die Arbeitsprodukte, die Arbeitsprozesse und der Gewinn weggenommen, dann ist Arbeit nicht mehr selbstbestimmt und identitätsstiftend. Arbeit wird zur Knechtschaft, wird tierisch. Marx sagt, dass entfremdete Arbeit nicht mehr der Zweck (der Sinn) des Lebens ist, sondern nur noch ein Mittel zum Zweck.

tmd.

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