Die Person in der Medizinethik

Der Begriff der Person ist in der Medizinethik der wichtigste und umstrittenste. Es geht hier um die Unterscheidung des substanzialistischen und qualitativ-aktualistischen Begriffs der Person.

Versuchsmaus
Sind wir im Gegensatz zu Tieren etwas Besonderes? – Quelle: tiburi, Pixabay

Der substanzialistische Begriff der Person geht davon aus, dass der Mensch als körperlich-geistiges (seelisches) Wesen immer eine Sonderstellung unter den Lebewesen einnimmt. Der Mensch hat also Rechte als Embryo und auch als dementer alter Mensch oder als Hirntoter. Ursprünglich wurde dieser Personenbegriff mit intellektuellen und moralischen Fähigkeiten verbunden. Das steht jedoch im Widerspruch dazu, dass der Mensch als Embryo und Hirntoter keine intellektuellen Fähigkeiten hat.
Substanzialisten müssen also immer zusätzliche Begründungen bemühen, um die Sonderstellung des Menschen nachzuweisen. Dabei wird meist so argumentiert (bzw. es wird ein Zusammenhang suggeriert), dass ein Hirntoter früher einmal intellektuelle Fähigkeiten hatte. Oder es wird unterstellt, dass ein Embryo einmal intellektuelle Fähigkeiten haben wird. Sie schließen damit Menschen, die von Geburt an geistig behindert sind, vom substanzialistischen Begriff der Person aus. Diese haben keine nachweisbaren intellektuellen Fähigkeiten. Übrig bleibt also nur die leibliche Existenz, der eine Sonderstellung gegenüber anderen Lebewesen eingeräumt wird.

Der qualitativ-aktualistische Begriff der Person kann diese Ungereimtheiten nutzen für seine Kritik am Substanzialismus. Nur derjenige, der intellektuelle und moralische Fähigkeiten vorweisen kann, kann auch die Sonderstellung Mensch für sich beanspruchen. Eine Kritik, die aber sehr schnell in sich zusammenfällt, wenn man die Entstehung des so definierten Personenbegriffs verfolgt. Intellektuelle Fähigkeit ist eine Sache der Zuschreibung. Ungeklärt ist dabei auch, welche intellektuellen Fähigkeiten jemand vorweisen muss, um als vollwertiger Mensch zu gelten. Kinder mit noch nicht vollständig entwickelter Identität und moralischer Urteilsfähigkeit (siehe die Studien von Lawrence Kohlberg) sind demnach nicht vollwertige Menschen. Rechtlich wird dem übrigens Rechnung getragen. Kinder haben in vielen Bereichen noch keine Urteilsfähigkeit und sind nicht fähig zur Einsicht. Beispiel: die Nutzung von Internet-Medien.

Beide Begriffe sind stark von religiösen bzw. nicht-religiösen Standpunkten und Interessen geleitet. Die Untersuchung der jeweiligen Interessen bei Diskussionen um Sterbehilfe, Organentnahme, Schwangerschaftsabbruch und embryonaler Stammzellen- und Genforschung kann also weiter führen und die von den Vertretern der jeweiligen Standpunkte meist gewollte Unübersichtlichkeit aufhellen und in manchen Fällen sogar beseitigen. Die Diskussionen um sinnlose lebensverlängernde Maßnahmen sind in diesem Blog schon mehrmals erwähnt worden.

Dennoch ist eine Diskussion, die sich grundsätzlich mit den beiden Begriffen der Person beschäftigt, nicht verzichtbar. Nur so werden Interessen und soziale Kommunikation zum Thema offengelegt. Nur so wird der Mensch mündig.

tmd.

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