Die reflexartige Kommunikation der Gegner des selbstbestimmten Sterbens

Krankenhaus, Betten
Selbstbestimmt leben? – Quelle: SilasCamargo, Pixabay

Selbstbestimmtes Sterben und das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hat die üblichen Reaktionen hervorgerufen. Das Urteil wird abgelehnt, weil es „nicht umsetzbar ist“, so ein Mediziner in einem Bericht in den Nürnberger Nachrichten vom 8.3.17. Das Urteil wird mit aktiver Sterbehilfe in Zusammenhang gebracht. Zudem sei eine Behörde nicht in der Lage, zu entscheiden, was eine unerträgliche Lebenssituation sei. Das BVG hat in keinem Satz behauptet, dem Betroffenen die Entscheidung abzunehmen.

Die reflexartige Kommunikation der Gegner des selbstbestimmten Sterbens ist schon auffällig. Das zentrale Problem, autonom zu entscheiden, wird mit Verweis auf die heutzutage hervorragende Schmerztherapie gekontert. Die Existenz eines Hospizes wird als Lösung für alle genannt, obwohl die Zahl der Hospize nicht ausreicht.
Völlig unverständlich bleibt jedoch der Vorschlag, dass betroffene Patienten jederzeit auf künstliche Ernährung verzichten können (Was ist damit wohl gemeint? Warum wird die Angelegenheit nicht beim Namen genannt?) oder dass die künstliche Beatmung abgestellt werden könne.

Die Ethikfunktionäre wollen nicht verstehen, worum es geht. Menschen (Mediziner, Politiker, Theologen, Meinungsmacher) nehmen sich das Recht, über das Sterben anderer Menschen zu entscheiden. Klartext: Du sollst so sterben, wie ich (der Arzt usw.) es will. Und wenn du (Patient) dabei nicht mitmachst, dann sterbe, aber nicht nach deinen, sondern nach meinen Regeln.
Der Mediziner in dem zitierten Zeitungsbeitrag befürchtet einen Paradigmenwechsel in der Medizin. Die Betroffenen, die außerhalb von Deutschland Hilfe suchen, fürchten ihn nicht. Sie hoffen ihn herbei. Für viele wird er aber zu spät kommen.

tmd.

In diesem Blog zum Thema:
Nachtrag Sterbehilfe
Medizinethik und Person: Oberstes Ziel ist der Schutz der Menschenwürde
Die Person in der Medizinethik
Leben verlängern – um jeden Preis?
Gesellschaftliche Wertvorstellungen und Medizinethik
Das magische Viereck der Medizinethik: moralischer Nachholbedarf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*