Diktatur der Philosophen

Die Beiträge zu Platon haben einen Aspekt nicht ausführlich behandelt. Dank einer E-Mail kann ich diesen wichtigen Punkt nachliefern. Es geht um die Frage, ob Bildung für alle möglich ist und ob der Platonische Staat demokratisch gedacht war.

Platons Staat ist eine Klassengesellschaft. Die Philosophen herrschen. Handwerker und Kaufleute sind dazu da, das Gemeinwesen ökonomisch am Leben zu halten. Krieger sollen den Staat militärisch nach außen schützen. Sie alle aber haben in Platons Staat keine demokratischen Mitspracherechte, denn nur die Philosophen oder Herrscher mit Philosophen-Diplom führen den Staat.

Wie ist die Verteilung auf die einzelnen Positionen der Gesellschaft organisiert? Gibt es eine Verteilungsgerechtigkeit? Nicht in dem Sinne, wie wir uns das vorstellen. Die Besetzung der Positionen ist abhängig von Bildung. Bildung ist bei Platon aber ein Ausleseprozess. Nur die wirklich Guten kommen an die Spitze.

Aber halt!, sagt der kundige Leser. Bei Platons Lehrer, dem alten Sokrates, da war das doch irgendwie anders. Genau! Der war der Meinung, dass jeder gebildet werden kann, wenn man ihm nur dabei durch geschicktes Fragen hilft. Platon passt das nun wirklich nicht in seine politische Philosophie. Er will die Herrschaft nicht demokratisch teilen. Er will die Diktatur der Wissenden.

Bücher - Wissen
Wissen ist Macht? – Quelle: Alexa, Pixabay

Vor diesem Hintergrund lässt sich auch leicht die Frage beantworten, ob man sich unbedingt diesen mühsamen Bildungsprozess zumuten muss. Hat man nicht ein Recht auf „dumm bleiben“, wie manche Schüler das einwenden. Das Recht hat man nicht, man hat höchstens das Schicksal, „ganz unten“ zu bleiben.

Für Platon gibt es Menschen, die einfach nicht zum Philosophen taugen. Nicht jeder kann Häuptling sein. Es braucht auch Indianer. Und die Indianer können „dumm“ bleiben, wenn es um Herrschaft geht. Insofern ist das eine Art von Gerechtigkeit, die sich an den Fähigkeiten des Menschen orientiert. Wenn man es vorsichtig formuliert, dann hat Platon Bildung eng mit Elite verknüpft.

Soziologen sehen das heute sehr kritisch. Wir wissen, dass Bildung abhängig von der sozialen Schicht ist, aus der man kommt. Kinder von Elite-Eltern haben es einfach leichter, im Bildungssystem „nach oben“ zu kommen. Anders herum ist es aber auch so, dass dem Wunsch von Schülern, sich nicht mit Bildung auseinander zu setzen, in der Oberschicht nicht nachgegeben wird. Schon in der oberen Mittelschicht wissen die Eltern, dass soziale Teilhabe auch bildungsabhängig ist.

Geht es um politische Teilhabe, dann ist der Vorsprung der Bildungsgewinner noch größer. Im Deutschen Bundestag sind die Beamten und die Bildungsgewinner überrepräsentiert im Verhältnis zur Bevölkerung der Republik. Allerdings ist in unserer politischen Kultur der Weg an die Spitze nicht so unmöglich wie in Platons Staat für Bildungsverlierer. Auch ohne Abitur kann man beispielsweise in Deutschland Außenminister werden.

tmd.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*