Erwachsenwerden einüben

Bildung und Konstruktion einer eigenen, noch dazu unverwechselbaren Identität bereitet große Schwierigkeiten. Das zeigen die Diskussionen und Fragen zum Thema.
Identitätsbildung und Identitätskonstruktion sind ein wesentlicher Bestandteil im Prozess beim Erwachsenwerden. Man lernt – oder sollte lernen – über sich selbst nachzudenken. Im Lehrbuch heißt es dazu: Stärken und Schwächen erkennen. Das ist auch in dem Satz: Erkenne dich selbst, enthalten. Das Fachwort dazu heißt Reflexion.

Ballet
Identität macht den Unterschied – Quelle: sobima, Pixabay

Wer im Prozess des Erwachsenwerdens drinnen steckt, dem hilft das zunächst mal wenig. Wenn man nicht angefangen hat mit dem „sich selbst erkennen“, wie soll man wissen, wie das geht? Außerdem besteht die Gefahr, dass man etwas über sich herausfindet, was man nun gar nicht gerne wissen will.

Was also tun?, werde ich gefragt. Gibt es nicht irgendeine Methode, eine Technik, die man anwenden kann? So ähnlich, wie man in der Schule Fremdsprachen lernt.

Die Antwort ist einfach und doch gleichzeitig kompliziert. Orientiere dich an Älteren und versuche sie nachzuahmen. Klingt ziemlich banal, ist es aber nicht. Denn um eine soziale Rolle zu spielen, dazu gehört eine ganze Menge Mut und Selbstbewusstsein. Identitätskonstruktion ist wie die Aufführung eines Theaterstücks ohne längere Proben. Aber es ist eben kein Spiel. Wenn es nicht funktioniert – dann ist das oft eher peinlich. Du willst dich im Sport geben wie die Profis – doch es endet nur in einem lächerlichen Auftritt.

Also versuchen viele Kinder in der Gruppe erst mal das dort typische Gruppenverhalten zu kopieren.
Das ist doch keine individuelle Identitätskonstruktion!, sagen dazu die SuS.
Richtig! Aber damit ist zumindest mal ein Anfang gemacht zum Einüben neuer Rollen und neuer Bausteine für deine Identität. Wenn du erst mal an kleinen Rollen geübt hast, den Jugendlichen zu spielen, dann kannst du so weitermachen.

Wird man damit nicht zum Abziehbild seiner Freunde?
Klar, das wirst du – aber nur auf den ersten Blick. Äußerliche Merkmale wie Mode und dergleichen, musst du nicht überbewerten. Jede Altersgruppe schafft sich ihre eigene Kultur in Musik und Mode. Du kannst dir schließlich ab sofort auch neue Mosaiksteine für deine individuelle Identität heraussuchen, die zu dir passen. Und nach einigen Versuchen erkennst du selbst, dass du dich verändert hast. Das ist es auch, was Anne Frank in ihrem Tagebuch dazu schreibt.

tmd.

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