Fides quaerens intellectum

Gottvater, Brügge
Gottvater – Quelle: Pixel2013, Pixabay

Etwas größeres als Gott ist nicht denkbar. Anselm von Canterbury hat das geschrieben. Die Idee dazu hatte er von Augustinus entlehnt. Anselm lebte im 11. Jahrhundert und hat die Diskussion um den Gottesbeweis so richtig eröffnet. Seine Argumentation ist aber nur zu verstehen, wenn wir zwei seiner Sätze kennen.

Fides quaerens intellectum – Glaube, der nach Einsicht sucht.
Credo ut intelligam – Ich glaube, damit ich verstehe.

Erkenntnistheoretisch ist dieses Vorgehen hochinteressant. Nicht die Offenbarung oder Spekulation werden bemüht. Die Vernunft ist es, die weiterhelfen kann. Aber sie kann eben nur genutzt werden, weil sie auf dem Glauben ruht. Dennoch: Die Vernunft wird bemüht und ihr wird ein wesentlicher Anteil an der erfolgreichen Suche zugeschrieben. Anselms Argumentation ist einfach und ein Vorgriff auf die Evidenztheorie. Sie sei hier kurz wiedergegeben. Wenn ich mir etwas vorstellen kann, dann gibt es das auch. Denn in meinem Bewusstsein kann nur das sein, was es auch gibt. (Fantasy-Fans können an dieser Stelle schon mal jubeln.)

Gott ist das Größte, das es gibt, was ich mir denken kann. Mein Glaube, dass es nichts größeres als Gott gibt, ist also richtig, weil ich mir etwas Größeres nicht vorstellen kann. Die erfolgreiche Nutzung der Vernunft hat jedoch auch einen Nachteil. Sobald jemand auf die Idee kommt, seine Vernunft ohne den Glauben einzusetzen, ist es um das „fides quaerens intellectum“ und das „credo ut intelligam“ geschehen. Und das ist dann  der Fall, wenn es um die naturwissenschaftlich-technische Erklärung der Welt geht. Dabei kann man selbstverständlich gläubig sein und bleiben, aber die naturwissenschaftlich-technische Methode kennt keine Denkverbote, je erfolgreicher sie ist.

Was in Technik erfolgreich ist, soll auch bei der Suche nach Moral erfolgreich sein. Mit dem Bemühen, Gott zu beweisen, haben Anselm und andere den Startschuss gegeben, Gott als Motor in der Welt abzuschaffen. Ohne Gott braucht es aber eine neue Verortung von Moral.

tmd.

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