Freiheit und Versuchung

Sünde ist unmoralisches Verhalten bei Gläubigen. Verantwortlich dafür ist der Teufel, der den Menschen vom rechten Weg abbringen will. Die Menschen wiederum sind frei in ihrer Entscheidung, eine Sünde zu begehen oder nicht.

Engel
himmlische Versuchung – Quelle: 5arah, Pixabay

Papst Franziskus hat mit einem kleinen Interview eine Diskussion angestoßen. Es geht um die Übersetzung des Vaterunser (ein Gebet). Darin bitten die Gläubigen Gott, dass er sie nicht „in Versuchung“ führt. Es kann nicht sein, dass Gott den Menschen in Versuchung führt, meinte Franziscus. Denn das ist Sache des Teufels.

Das Problem, das damit angesprochen wird, finden wir in der Theodizee wieder. Gott ist allgütig, heißt es dort. Wenn er aber die Menschen in Versuchung führt, dann ist er nicht mehr allgütig.
Von einem deutschen Kardinal, Walter Kasper, gibt es hierzu eine Deutung, die ich kürzlich in DIE ZEIT (Nr. 52, 2017), gelesen habe. Er meinte: „Gott aber will unsere Freiheit und begrenzt seine Allmacht durch unsere Freiheit.“ Nebenbei wird damit auch die Allmacht Gottes hinfällig.
Wir müssen uns also von dem Gottesbild verabschieden, dass Gott mit menschlichen Wunsch-Eigenschaften (Allmacht, Allgüte, Allwissenheit) beschreibt.

Bleibt noch zu klären, welchen Stellenwert nun die Freiheit des Menschen hat. Wenn Gott die Freiheit des Menschen will, dann gibt er ihm auch die Freiheit zur Sünde. Ist das nicht Versuchung pur?

tmd.

Ein Gedanke zu „Freiheit und Versuchung“

  1. Dieser Beitrag muss näher präzisiert werden. Die passendere Übersetzung der problematischen Zeile des Vaterunser müsste heißen: „und führe uns in der Versuchung“. Damit ist gemeint, dass Gott den Menschen durch die Versuchung sicher hindurch geleitet. Damit ist natürlich nicht das Problem gelöst, dass der Mensch eigentlich frei sein soll und demnach Gott nicht wissen dürfte, wie er sich entscheidet. Wenn Gott allerdings allwissend ist, dann hat der Mensch keine freie Entscheidung. Denn die Entscheidung ist (wegen der Allwissenheit Gottes) bereits getroffen. Das Handeln des Menschen wäre determiniert.
    Gläubige Christen können und werden dieser Argumentation natürlich nicht zustimmen. Damit wird entweder die Logik der schlüssigen Argumentation außer Kraft gesetzt oder Gott wird in einen nicht erfahrbaren Bereich verschoben, wobei er die Merkmale Allwissenheit, Allmacht und Allgüte verliert. Fundamentalisten werden letzteres nicht akzeptieren wollen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*