Friedensethik ist Rechtfertigung

Die Fragen,  mit denen sich die Friedensethik beschäftigt:

  • Sind Menschen wirklich von Natur aus friedlich?
  • Wie soll man mit Konflikten umgehen?
Ist Frieden möglich? – Quelle: photoshopper24, Pixabay

Je nachdem, wie wir diese beiden Fragen beantworten, ergeben sich vier unterschiedliche Aufgabenfelder der Friedensethik.

  • Menschen sind grundsätzlich friedlich. Was ist Ursache und Anlass, dass sie gewalttätig werden?
  • Menschen sind von Natur aus gewaltbereit. Wie kann man sie zur Friedfertigkeit erziehen?
  • Konflikte sind das Ergebnis von falscher Sozialisation. Wie wird „richtig“ sozialisiert?
  • Konflikte gehören zum Leben dazu, sind unvermeidlich. Wie kann ich mit Konflikten umgehen, damit sie nicht in Gewalt münden?

Es geht also um die Friedenserziehung. Viele Pädagogen gehen davon aus, dass Friedenserziehung – beispielsweise in der Gruppe – auf das Konfliktverhalten zwischen Interessensystemen übertragen werden kann. Konfliktmanagement in Gruppe und Familie oder zwischen Partnern soll auf das Konfliktverhalten im Krieg angewendet werden. Ein Irrtum.

Die Konfliktlösungsmuster in Partnerschaft und Gruppe lassen sich nicht in Konflikten der internationalen Politik anwenden.

Nun gibt es Menschen, die sich von akademischen Diskussionen zum Thema Frieden in keiner Weise beeindrucken lassen. Ein islamistischer Terrorist kann alle die aufgelisteten Fragen mit reinem Herzen beantworten und im nächsten Atemzug seinen Gesprächspartner umbringen. Er würde sein Handeln folgendermaßen erklären und rechtfertigen: Von Natur sei er ein friedliebender Mensch und in keiner Weise an Konflikten interessiert. Aber die anderen Menschen, die nicht an seinen Gott glauben, die seien für die Konflikte verantwortlich. Als gläubiger Mensch habe er zudem die Pflicht, die Konflikte in dieser – sicherlich brutalen – Art und Weise zu lösen. Das Lösungsschema stehe schließlich so in seiner Heiligen Schrift.

Was lernen wir daraus?
Friedensethik ist zunächst eine große Rechtfertigung von allen an Konflikten Beteiligten für ihr eigenes Handeln.

Dennoch gilt es, den Frieden „irgendwie “ herzustellen. Das setzt Aufklärung voraus. Beispielhaft das sehr differenzierte Interview von Herlinde Koelbl mit dem israelischen Scharfschützen Nadav Wymann (DIE ZEIT, Nr. 49, 2016). Lesenswert!

tmd.

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