Gesellschaftliche Wertvorstellungen und Medizinethik

Der letzte Beitrag zur Medizinethik vom 14. Februar wurde kritisch gelesen. Da die Kritik nicht in einen Kommentar geflossen ist, kann ich nicht direkt darauf eingehen. Ich werde also versuchen, die Anregungen objektiv aufzunehmen und den kritischen Gedanken weiter zu verfolgen.

Natürlich bleibt der Arzt weiterhin erster Ansprechpartner des Patienten. Aber der Rat suchende Patient befindet sich nicht in einem symmetrischen Verhältnis zum Arzt. Der Arzt kann immer die Wünsche des Patienten ablehnen. Der Patient ist jedoch in seinem Szenario aus Schmerz und Leid gefangen. Natürlich wird er dem Arzt in dessen Bestreben, lebensverlängernde Maßnahmen durchzuführen, folgen, wenn er keine Alternative kennt. Es ist jedoch nur Spekulation, ob der Arzt seinem Patienten die Option eines Behandlungsabbruchs überhaupt anbietet.

In der ZEIT Nr. 6 vom Februar 2017 wird im Beitrag „Sinnlos gelitten“ der Fall eines Mannes geschildert, der auch anders hätte sterben können. Er konnte aber nicht, weil der Arzt es nicht wollte.

Ethik
Moral? Ethik? Wirtschaftliche Interessen! – Quelle: Alexas_Fotos, Pixabay

Den ärztlichen Eid aus der Antike und andere ethische Sinnsprüche kennen wir zwar. Aber das Handeln des Arztes wird doch grundlegend vom Strafgesetzbuch geleitet und – das sollten wir nie vergessen – von wirtschaftlichen Interessen. Schon ist die Diskussion bei der Verteilungsgerechtigkeit. Das hat zwar auch etwas mit Moral zu tun, aber die Kommunikation hat sich vom Leid des Patienten entfernt.

In dem ZEIT-Beitrag wird auch gesagt, was dafür verantwortlich ist, dass solche Entscheidungen oder Nicht-Entscheidungen getroffen werden (müssen). Die Patienten haben keine Patientenverfügung ausgefüllt.
Was ist der Rahmen, an den man sich als Entscheider dann halten soll? Die ZEIT-Autorin Miriam Gebhart gibt die entscheidende aber auch ernüchternde Antwort: Es sind die Wertvorstellungen der Gesellschaft.
Diese Wertvorstellungen sind nicht identisch mit den Vorstellungen der Ethikräte. Es sieht eher so aus, dass die Gerichte und der „normative Druck des Faktischen“ vorangehen und ethische Sinnsprüche der Realität folgen (müssen). Das hören Ethik-Funktionäre aber nicht gerne. Sie wollen doch eher die Alltagswelt nach ihren Wertvorstellungen geprägt wissen.

tmd.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*