J.J. Rousseau: Der Gemeinwille und der Gesamtwille

Zunächst bleibt Rousseau bei der bekannten Vorgehensweise, einen Vertrag zwischen den Bürgern zu schließen. Alle Menschen vereinbaren, gemeinsam zu handeln mit einem bestimmten Ziel: Die Freiheit eines jeden einzelnen Menschen zu verteidigen. Die Freiheit heißt hier allerdings auch, dass jeder das tun kann, was er will. Ansonsten wäre er ja nicht frei.

Gemeinsam für eine freie Welt
Gemeinsam

Das kann nicht gut gehen, wissen wir bereits seit Hobbes.
Das kann gut gehen, sagt Rousseau, wenn alle Menschen das Gleiche wollen und dabei keiner irgendwelche Nachteile hat. Kann das sein? Ist so etwas möglich? Nein! Es funktioniert nicht. Rousseau irrte hier. Wagen wir eine kritische Überlegung.
Wenn ich etwas will und ein anderer Mensch will dasselbe, dann ist das nicht ein gemeinsames Wollen, wenn sich das Wollen auf einen Gegenstand oder Zustand bezieht, den es nur einmal gibt. Beispiel: Ich will das letzte Baugrundstück am Rande des Naturschutzgebietes, ein Freund will es auch. Das kann nicht gut gehen. Einer muss nachgeben. Aber Rousseau hält sich nicht mit solchen Überlegungen auf. Er führt einen neuen Begriff ein: den Gesamtwillen. Alle diese vielen Einzelinteressen, die sich auf die gleichen Ziele richten, das nennt er Gesamtwille. Man soll sich das so vorstellen, wie eine Bürgerschaft, die sich in Gruppen zusammentun, weil sie ähnliche Ziele haben.
Doch was ist damit gewonnen? Rousseau sagt dazu: „Es gibt oft einen beträchtlichen Unterschied zwischen dem Gesamtwillen und dem Gemeinwillen; dieser sieht nur auf das Gemeininteresse, jener auf das Privatinteresse und ist nicht anderes als ein Summe von Sonderwillen: Aber nimm von eben diesen das Mehr und das Weniger weg, das sich gegenseitig aufhebt, so bleibt als Summe der Unterschiede der Gemeinwille.“ (Gesellschaftsvertrag, 2. Buch, 3. Kapitel)
Jetzt wird es klarer: Gemeinwille ist gleich Gemeinwohl. Doch was ist dieses Gemeinwohl? Rousseau sieht es wie eine mathematische Aufgabe: Es ist der kleinste gemeinsame Nenner. Und was geschieht mit diesem Gemeinwillen? Er wird von Vertretern der Bürger ausgeführt.
Welchen Willen haben dann diese Vertreter der Bürger? Einen eigenen Willen oder was? Hier irrt Rousseau total.
Damit könnte man Rousseau also in die Philosophische Ablage stecken, wenn seine Gedanken nicht von späteren Zeitgenossen umgesetzt worden wären – mit schrecklichen Folgen.

tmd.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*