Kann man eine Gesellschaft moralisch erziehen?

Männchen
Kann man „die Gesellschaft“ erziehen? – Quelle: 3dman_eu, Pixabay

In „Der Selbstmord“ entwickelte Emile Durkheim vor über 100 Jahren eine grundlegend neue Sicht auf dieses Problem. Abweichendes Verhalten, Verbrechen und auch Selbstmord sind Erscheinungen, die wir in allen Gesellschaften antreffen. Interessanterweise werden in allen Gesellschaften diese Erscheinungen moralisch beurteilt – nicht immer negativ. Zum Beispiel wird Selbstmord auch als gesamtgesellschaftlich notwendig verteidigt. Wir kennen das auch aus Literatur und insbesondere dramatischen Filmen, wenn der Held/die Heldin sich opfert, um die Menschheit zu retten.

Für den Moralunterricht hat die Sichtweise von Durkheim – und allen Soziologen, die seiner Methode seither folgen – enorme Bedeutung.
Moral ist relativ zur jeweiligen Gesellschaft zu denken. Ethischer Relativismus mal nicht philosophisch, sondern modern und wissenschaftlich unterlegt.

Durkheim geht sogar noch weiter. Er hält eine moralische Erziehung für unmöglich: Erziehung ist „nur Abbild und Widerschein der Gesellschaft, die sie nachahmt und zusammengedrängt wiedergibt, aber nicht neu schafft“, schreibt er. (S. 440 ff., Emile Durkheim: Der Selbstmord, stw 431, 1973).

Wie ist dann aber sozialer Wandel möglich?

tmd.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*