Kann man Moral durch Rollenspiele lernen? Szenen aus dem Unterricht

Dies ist eine fiktive Geschichte. Etwaige Übereinstimmungen mit der Wirklichkeit sind rein zufällig und waren nicht beabsichtigt.

Thema Mobbing in der 7. Klasse. Das Thema soll, nachdem es theoretisch erarbeitet worden war (Kommentar der Kinder: gähn, das wissen wir doch schon alles, ich hab da einen Film gesehen, können wir den Film anschauen), kompetent umgesetzt werden und Empathie soll eingeübt werden.

Trauriger Junge in der Schule
Mobbing in der Schule – Quelle: Patrice_Audet, Pixabay

Teil eins: Gruppen bilden und Rollenkarten schreiben. In der Klasse (24 Kinder) sind nur 4 Jungs. Die vier wollen nicht auf die Mädchengruppen verteilt werden. Der Lehrer macht ein Angebot. Er hilft beim Texten der Rollenkarten. Funktioniert immer.

Teil zwei: Rollen verteilen. Die Mädels: „Wir wollen Opfer spielen.“ Es gibt aber je Gruppe nur ein Opfer. Streiterei. Da hilft nur eine Entscheidung von oben herab. Die Jungs (hä?!?) müssen Opfer spielen, wenn sich die Mädels nicht einigen. Konflikt beseitigt. Die Jungs als Opfer, das wollen die Mädels nicht. Weiter geht es.

Teil drei: Rollenkarten schreiben. Harry: „Was soll ich schreiben?“ Antwort: Deinen Text und deine Rolle, du bist Täter! „Was macht ein Täter?“ Antwort: Frag die Svenja, die hat im Unterricht aufgepasst. Ronald: „Können wir das Rollenspiel filmen und ins Netz stellen? Ich hab ’ne Lumina. Hat ’ne starke Auflösung.“ Antwort: Ist verboten, das weißt du doch! Crissy: „Können wir nicht was anderes machen?“ Ronald: „Das sagst du nur, weil du nicht das Opfer sein darfst.“

Teil vier: Rollenspiel. Harry: „Kann ich den Text von der Karte ablesen? Ich kann mir das nicht merken, was die Svenja da aufgeschrieben hat.“ Crissy: „Stell dich als unbeteiligter Täter, der nicht hilft, an die Seite. Dann musst du gar nichts sagen.“ Ronald: „Das war mein Text! Das wollte ich sagen! Die hat meinen Text geklaut!“ Crissy: „Können wir nicht was anderes machen?“ Svenja: „Ich kann die Rollen von Täter und Opfer auch alleine spielen, wenn ihr ständig stört!“ Paula: „Nein! das Opfer bin ich, ich lasse mir die Rolle nicht wegnehmen.“

Teil fünf: Perspektivwechsel abfragen. Wie fühlt man sich als Opfer und Täter? Crissy: „Das nächste Mal will ich das Opfer sein.“ Antwort: Es gibt kein nächstes Mal. Wir haben das Thema abgeschlossen. Ronald: „Können wir einen Film anschauen …“ Svenja: „Du weißt doch, dass er keinen Film zeigen will.“ Crissy: „Können wir nicht was anderes machen?“

Teil sechs: Unterricht ist zu Ende. Kinder aus dem Religions-Unterricht kommen ins Klassenzimmer. Paula: „Wir haben heute Rollenspiel gemacht. Mobbing. Ich war das Opfer.“

tmd.

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