Kant: Der Begriff der Freiheit ist der Schlüssel zur Erklärung der Autonomie des Willens

Es hilft, Kant zu verstehen, wenn man Original-Texte liest.
Hier ein Ausschnitt aus der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten.

Der Begriff der Freiheit ist der Schlüssel zur Erklärung der Autonomie des Willens.

Der Wille ist eine Art von Kausalität lebender Wesen, sofern sie vernünftig sind, und Freiheit würde diejenige Eigenschaft dieser Kausalität sein, da sie unabhängig von fremden sie bestimmenden Ursachen wirkend sein kann; so wie Naturnotwendigkeit die Eigenschaft der Kausalität aller vernunftlosen Wesen, durch den Einfluss fremder Ursachen zur Tätigkeit bestimmt zu werden.

Leben, Mut, Frieden – Inspirationsweg
Philosophie, Inspirationsweg Zeillern – Quelle: haderer17, Pixabay

Die angeführte Erklärung der Freiheit ist negativ, und daher, um ihr Wesen einzusehen, unfruchtbar; allein es fließt aus ihr ein positiver Begriff derselben, der desto reichhaltiger und fruchtbarer ist. Da der Begriff einer Kausalität den von Gesetzen bei sich führt, nach welchen durch etwas, was wir Ursache nennen, etwas anderes, nämlich die Folge, gesetzt werden muss; so ist die Freiheit, ob sie zwar nicht eine Eigenschaft des Willens nach Naturgesetzen ist, darum doch nicht gar gesetzlos, sondern muss vielmehr eine Kausalität nach unwandelbaren Gesetzen, aber von besonderer Art, sein; denn sonst wäre ein freier Wille ein Unding.

Die Naturnotwendigkeit war eine Heteronomie (Fremdgesetzlichkeit) der wirkenden Ursachen;denn jede Wirkung war nur nach dem Gesetze möglich, dass etwas anderes die wirkende Ursache zur Kausalität bestimmte; was kann denn wohl die Freiheit des Willens sonst sein, als Autonomie, das ist die Eigenschaft des Willens, sich selbst ein Gesetz zu sein? Der Satz aber: der Wille ist in allen Handlungen sich selbst ein Gesetz, bezeichnet nur das Prinzip, nach keiner andern Maxime zu handeln, als die sich selbst auch als ein allgemeines Gesetz zu Gegenstande haben kann. Die ist aber gerade die Formel des kategorischen Imperativs und das Prinzip der Sittlichkeit: also ist ein freier Wille und ein Wille unter sittlichen Gesetzen einerlei (Anm.: gleichzusetzen).

Hier die Text-Erklärungen dazu.

  • Der menschliche Wille funktioniert nicht wie bei Tieren. Tiere werden vom Instinkt (angeborenes Verhalten) geleitet. Sie sind abhängig von festgelegten Verhaltensmöglichkeiten. Der menschliche Wille dagegen arbeitet nicht fremdgesteuert, er ist frei. Freiheit ist die wichtigste Eigenschaft des Willens.
  • Der Wille ist also nicht abhängig. Dieses „frei-sein“ von etwas ist zunächst nur „negative Freiheit“. Ist der Wille dadurch „gesetzlos“. Nein! Der freie Wille läuft nach anderen Gesetzen ab.
  • Das Gesetz ist Autonomie. Die Autonomie muss sittlich sein. Sittlich ist sie dann, wenn sie sich Gesetze macht, die dem kategorischen Imperativ genügen.

tmd.

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