Kant: Der freie Wille

Ausgangsüberlegung von Kant: Kant will den Willen des Menschen als autonomen Prozess beweisen. Außerdem will er nachweisen, dass nur der freie Wille ein guter Wille sein kann.

Als Zeitgenosse der Aufklärung (selbst denken, Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit) muss er jegliche Fremdeinwirkung und Fremdsteuerung des Willens ausschließen.
In einem ersten Argumentationsgang erklärt Kant, dass der Wille nicht von Charaktereigenschaften abhängen darf, wenn der Wille ein moralisch guter sein soll.
Im zweiten Argumentationsgang folgert er, dass ein guter Wille nicht von den Folgen des Handelns abhängig sein darf.

Gemälde von Gottlieb Doebler, Kant 1791
Kant, 1791, Gemälde von Gottlieb Doebler – Quelle: Wikimedia

Der moralisch gute Wille muss also anders begründet werden.
Das geht folgendermaßen.

Zuerst erklärt Kant, dass der Wille, wenn er gut sein will, frei sein muss.
Wie sieht diese Freiheit aus?
Zunächst definiert Kant die sogenannte negative Freiheit. Hier ist man frei von etwas.
Was ist damit gemeint?
Kant sagt, dass der Wille unfrei ist, wenn er abhängig ist. Diese Abhängigkeit erklärt er wie die Naturgesetze durch Kausalität. Kausalität ist der Zusammenhang von Ursache und Wirkung.
Wenn der Wille (Wirkung) abhängig ist von einer Ursache, dann ist er nicht frei.
Kant nennt das Heteronomie.

Von solcher Heteronomie muss der Wille also frei sein. Er darf nicht äbhängig sein von beispielsweise den beabsichtigten Folgen oder charakterlichen Eigenschaften des Menschen.
Nochmals: dies ist nur die Freiheit von etwas, negative Freiheit genannt.
Kant will aber mehr.
Er will die Freiheit zu etwas.
Das ist positive Freiheit.

Der freie Wille muss also nicht nur frei von Heteronomie sein, sondern er soll darüberhinaus auch noch autonom sein.
Aber diese Autonomie darf nicht ohne Regeln ablaufen. Sonst wäre der Wille unberechenbar, willkürlich. Es gäbe keine moralische Orientierung.

Die Autonomie des Willens muss also nach Gesetzen ablaufen.
Aber Achtung: diese dürfen nicht heteronom sein.

Kant löst das Problem, indem er die Gesetzmäßigkeit, die den freien Willen ausmacht, als vom Menschen selbst konstruiert behauptet.

Wie entgeht er bei diesem Konstrukt der Willkürlichkeit?

Hierzu stellt Kant zwei Maximalforderungen (bei ihm heißt das Maxime) auf.

  • Der Mensch ist nie Mittel zu etwas, sondern immer Zweck. (Menschenwürde)
  • Die Regeln des Zusammenlebens (Gesellschaftsvertrag/Vergesellschaftung) haben sich am Kategorischen Imperativ zu orientieren, damit der Wille frei und gut ist.

(im Kapitel über den Kategorischen Imperativ wird dieser näher erklärt)

tmd.

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