Kant und die Aufklärung: Wer traut sich, vernünftig zu sein?

Unter Aufklärung versteht Immanuel Kant, den eigenen Verstand ohne Anleitung von anderen zu nutzen. Den Grund dafür, dass die Bürger nicht selbst denken, sieht er in Feigheit und Faulheit. Abhilfe schaffen soll die Freiheit, öffentlich seine Meinung zu sagen. Hier sagt Kant, dass Aufklärung abhängig ist von der Freiheit, die Vernunft öffentlich zu gebrauchen.

die freie Meinung
die freie Meinung – Quelle: PaliGraficas, Pixabay

Kant verwendet hier die Begriffe Verstand und Vernunft, ohne näher zu unterscheiden, was er damit meint. Einen Fahrplan für die Umsetzung seiner Aufklärung gibt er nicht. Er richtet lediglich eine Forderung an den Monarchen, öffentliche Meinungsäußerungen zuzulassen.

Deshalb ist verständlich, dass Kant die Gesellschaft als noch nicht aufgeklärt bezeichnet. Eine Revolution schließt Kant als möglichen Weg aus, die Aufklärung voranzubringen.

Den einzig möglichen Weg sieht er in Kommunikation. Kommunikation zwischen Bürgern, die öffentlich ihre Meinung sagen können, das ist sein Vorschlag für den Weg in eine aufgeklärte Gesellschaft.

Wer traut sich, vernünftig zu sein?

In einer Gesellschaft, in der Meinungsfreiheit möglich ist, muss es aber dennoch irgendwann einmal einen Bürger geben, der seine Meinung öffentlich macht. Das ist aber in erster Linie der, der die Meinungsfreiheit durchgesetzt hat.
Hier äußert sich Kant vorsichtig. Die Möglichkeit, dass es zur freien Meinungsäußerung kommt, ist dann gegeben, wenn mehrere Bürger miteinander Kommunikation haben. Kant meint also, dass der Gebrauch von Vernunft durch Gesellschaft gefördert wird.
Das kann so sein, muss es aber nicht.

tmd.

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