Karl Marx als Religionskritiker

Denkmal, Marx
Marx-Denkmal in Chemnitz – Quelle: diema, Pixabay

Zwei Begriffspaare und einen Schlüsselbegriff soll man kennen und anwenden können, wenn man die Religionskritik von Karl Marx erklären will. Es geht um das falsche Bewusstsein und das Begriffspaar Basis und Überbau, sowie das Begriffspaar Sein und Bewusstsein. Die Basis ist der Alltag der Menschen mit ihrer Arbeit und Freizeit. Der Überbau ist das Wissen und die Kenntnisse dieser Menschen. Es sind die kulturellen Leistungen, die Menschen hervorgebracht haben. Es ist auch der Sinn, den die Menschen in ihrem Leben suchen und finden. Es ist die Religion.

Das Sein entspricht der Basis. Das Bewusstsein entspricht dem Überbau. Warum hat Marx zwei Begriffspaare für ein und dieselbe Sache verwendet? Die meisten Philosophen vor Marx (insbesondere Feuerbach und Hegel) waren der Meinung, dass die Menschen durch ihr Bewusstsein das Sein (Dasein) beeinflussen und lenken. Bei Hegel klingt das sogar sehr dramatisch, wenn er schreibt, dass der Geist (der Weltgeist) das Sein herstellt und sich selbst darin erkennt!

Marx dreht den Zusammenhang um. Nicht das Bewusstsein stellt das Sein her, sondern das Dasein der Menschen, die Verhältnisse in denen sie leben, ist ausschlaggebend für ihr jeweiliges Bewusstsein. Speziell die Arbeiter, die durch die Industrialisierung immer ärmer werden und die Kapitalisten, die durch den selben Prozess immer reicher werden, entwickeln durch die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie leben ein bestimmtes Bewusstsein (den Überbau).
Die Strukturen Basis und Überbau bleiben erhalten. Die Funktion Sein und Bewusstsein dreht Marx um. Wichtig dabei ist, dass sowohl die Arbeiter als auch die Kapitalisten ein falsches Bewusstsein entwickeln. Beide Gruppen täuschen sich über die wahren gesellschaftlichen Verhältnisse hinweg.

Geht es um die Religionskritik, dann interessieren hier besonders die Arbeiter und ihr falsches Bewusstsein. Die Kapitalisten haben zwar auch ein falsches Bewusstsein, aber bei denen ist eher wichtig zu wissen, dass sie nicht sehen, wie ihr Kapitalismus langsam an die Wand gefahren wird und dass sie selbst daran Schuld haben.

Bei den ausgebeuteten Fabrikarbeitern, die langsam verelenden, weil sie immer weniger verdienen, hat das falsche Bewusstsein und der Überbau eine wichtige Funktion: Er sorgt dafür, dass die Arbeiter ihre Lage nicht durchschauen. Warum? Weil sie gleichsam als gesamtgesellschaftliche Droge die Religion haben. Ein Spruch von Marx dazu: Religion ist Opium fürs Volk.
Die Religion täuscht die Arbeiter darüber hinweg, dass sie in einer hoffnungslosen Lage sind, wenn es so weiter geht. Die Religion macht den Ausgebeuteten der Erde vor, dass es im Jenseits eine Erlösung gibt und dass vor allem alles so Rechtens ist, wie es ist.

Wie können die Arbeiter ihr falsches Bewusstsein ablegen, wie können sie erkennen, dass sie getäuscht werden? Nun, sie müssen die Täuschung nicht durchschauen. Denn die Rettung naht in Form einer historischen Dialektik. Gemeint ist, dass die gesellschaftlichen Widersprüche (die zwischen Arbeitern und Kapitalisten; die zwischen Kapital und Arbeit) sich zwangsläufig in einer Revolution auflösen werden. Es wird zum Showdown kommen zwischen den Kapitalisten, die immer weniger Gewinne machen mit ihren Investitionen, und den Arbeitern, die von ihrer Hände Arbeit nicht mehr leben können.
Der Kapitalismus wandelt sich in den Sozialismus, in dem die Arbeiter den Besitz der Produktionsmittel haben. Am Ende entsteht der Kommunismus, in dem alle Menschen glücklich zusammen leben und das produzieren, was die Kommune zum Leben braucht.
Religion wird in dieser Gesellschaftsform nicht mehr gebraucht. Die Arbeiter, die im Kommunismus die Produktionsmittel besitzen, haben kein falsches Bewusstsein mehr. Sie haben ein von Religion befreites Klassenbewusstsein.

tmd.

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