Keine Kausalität: Atman und Brahman

Weltbild
Was ist unser Weltbild? – Quelle: geralt, Pixabay

Die Vorstellung von Totalität, der allumfassenden Welt und Wirklichkeit, ist schwer verständlich für Menschen, die ein christlich geprägtes Weltbild haben. Nur durch die Gedankenfigur der Transzendenz, die aber selbst wieder Verstehenshürden aufbaut, kommt man der Totalität nahe.
Im Hinduismus/Buddhismus ist das Problem noch radikaler. Sobald man nach einer Ursache oder einem Grund der Welt fragt, verschließt sich das Gedankengebäude der hindustisch-buddhistischen Religion, produziert unlogische Elemete und widersprüchliche Aussagen.

Das Weltgesetz, der Motor der Welt und Wirklichkeit ist bei den Hinduisten das Zusammenspiel von Atman und Brahman. Mit Vergleichen versucht man dieses Weltgesetz anschaulich zu machen. Das gelingt eigentlich nie vollkommen. Das liegt daran, dass bei jeder Veranschaulichung die Allumfassenheit sofort aufgehoben wird. Man stellt sich als Betrachter gleichsam außerhalb dessen, was beschriebenen werden soll und schon ist die Totalität durchbrochen.

Eine Beschreibung, die ein wenig an die Erklärungen für das Nirvana erinnert, ist diese. Stell dir ein Meer vor. Ein Meer ohne Ufer hinter dem Horizont. Also grenzenlos in der Ausdehnung. Dieses Meer ist Brahman. Meer besteht aus Wasser. Betrachte nun einen Tropfen des Wassers. Dieser Tropfen ist ein Teil des Meeres. Der Tropfen ist Atman. Ohne die vielen Atman gibt es kein Brahman. Ohne Brahman gibt es kein Atman.
In einem Ethikbuch habe ich diesen Satz aus den Schriften der Hindus gefunden: aham brahman asmi/tat twan asi. „ich bin Brahman/das bis du.“

Das ist also reziprok (wechselseitig, aufeinander bezogen) und reflexiv (rückbezüglich) in einem. Beide Elemente ziehen das jeweils andere zur Erklärung heran. Man kann es auch als Individualisierung des Allgemeinen betrachten, das dann so weit geht, Atman mit dem Einzelwesen/den Erscheinungen in der Welt und Brahman mit dem Universum gleichzusetzen. Ungeklärt bleibt jedoch, wie dieses Modell zum Laufen gebracht wird. Warum kommt es zur Individualisierung und warum in dieser Form? Keine Frage, die sich ein gläubiger Hindu stellt. Es läuft doch und ist damit ein Beweis dafür, dass das Weltgesetz aus Atman und Brahman existiert. Die Suche nach einem Grund oder einer Ursache passt nicht in dieses Modell.

Eine Art Urknall ist vorstellbar und würde, so heißt es, von Hindus nicht abgelehnt. Die könnten sich ohne Weiteres mit dieser Vorstellung anfreunden. Insgesamt sei dieses Modell von Welterklärung sehr materialistisch und eigentlich atheistisch. Das widerspräche zwar den vielen Göttern im Hinduismus, aber die sind schließlich auch aus dem Wechselspiel von Atman und Brahman hervorgegangen. An diesem Punkt jedoch melden sich die Widersprüche und die Ungereimtheiten. Sind die Gottheiten eigen- oder fremdgesteuert? Beides geht aber nur im Einklang mit dem allumfassenden Atman/Brahman.

Ein wenig sieht es so aus, dass, sobald man sich mit dieser Weltanschauung beschäftigt, zwangsläufig Teile davon in einem blinden Fleck verschwinden.

tmd.

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