Leben und Arbeiten Teil 1

Im Beitrag „Macht mich meine Arbeit glücklich“ habe ich die Aspekte „leben, um zu arbeiten“ und „arbeiten, um zu (über-)leben“ verglichen. Früher sagte man auch: Beruf oder Job. Daraus habe ich des weiteren abgeleitet, dass sich viele Menschen in ihrer Freizeit die Freiheit schaffen, die sie im Job nicht haben. Damit entfremden sie sich von sich selbst. Dieser Gedanke ist sozusagen eine Überleitung in die 10. Klasse und zu Karl Marx.

Adler im freien FLug
Fühle dich frei – Quelle: geralt, Pixabay

In der 9. Klasse habe ich die Formulierung der „Freizeit-Freiheit“ von Robert Menasse deshalb eingeführt, weil die alleinige Unterscheidung von Freizeit und Arbeit zwar das „Paradox“ der Arbeit anschaulich macht, aber keinerlei Konsequenzen daraus gezogen werden, außer derjenigen, dass einige Menschen als Arbeit empfinden, was andere als Freizeit sehen. Konsequent wäre es aber, zu fragen, warum brauche ich überhaupt Freizeit? Schlaf und Ernährung zählen nicht zur Freizeit. Ich könnte doch auch jeden Tag das machen, was mir sowieso Freude bereitet, und mich dafür von den Menschen bezahlen lassen, die diese Tätigkeiten als Mühe ansehen. Das Gedankenexperiment führt sehr schnell zu der Erkenntnis, dass es so nicht funktioniert. Es gibt Arbeiten, die will niemand gerne machen. Nun könnte man vorschlagen, dass diese ungeliebten Arbeiten gemacht werden müssen und eine Gesellschaft schlicht und einfach beschließt, diese ungeliebten Arbeiten sehr gut bezahlen zu lassen.

Machen wir es konkret: Ein Müllwerker erhält in jedem Fall ein Grundgehalt von 8000 Euro. Auch das funktioniert nicht. Die Arbeitgeber würden bei diesen Löhnen pleite gehen oder die Bürger müssten erheblich mehr für die Entsorgung bezahlen. Einige wollen das nicht, andere können nicht. Außerdem müssten die Müllwerker in unserem Gedankenexperiment in ihrer Freizeit die Freiheit suchen, die sie in der Arbeit nicht haben.

Warum kommen wir mit dem Gedankenexperiment nicht weiter? Das „Paradox der Arbeit“ ist psychologisch hochinteressant, erklärt aber nicht die Verteilungskämpfe um Arbeitsplätze. Die Verteilungskämpfe sind wiederum eine Erklärung für den Leistungsdruck, der in der Schule beginnt und sich bis ins Rentenalter fortsetzt. In Teil 2 von „Leben und Arbeiten“ werde ich mich damit beschäftigen.

tmd.

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