Ludwig Feuerbach

Bereits in der Antike gab es die Vermutung, dass die Menschen sich ihre Götter nach ihrem eigenen Bilde machen. Feuerbach will diesen Ansatz systematisieren. Dazu verwendet er eine psychologische Erklärung. Untersucht man die Merkmale, die Gott näher bestimmen, sieht man, dass es Aussagen sind, die menschliche Defizite in ihr Gegenteil verkehren. Menschen sind sterblich, wissen nicht alles, sind schwach und missgünstig. Gott dagegen ist stark, allwissend, mächtig und gütig.
Bei Feuerbach heißt es dann: die Prädikate, die Gott näher bestimmen sind nicht göttlicher Natur (gehen von Gott aus), es sind vielmehr menschliche Zuschreibungen. Sie haben ihren Ursprung im Menschen. In der Sprache der Religion: Nicht Gott teilt dem Menschen durch Offenbarung mit, dass er (Gott) das Pradikat gut sein hervorbringt.

Gut zu sein ist ein Prädikat, dass der Mensch gerne hätte und in Gott idealisiert. Das wird Projektionstheorie genannt.

Ludwig Feuerbach
Ludwig Feuerbach – Quelle: Wikimedia

Wie kommt Feuerbach auf diese Idee, dass der Mensch eigentlich gut sein will, es nicht ist und deshalb ein Idealbild schafft, um sich an diesem Ideal zu orientieren?
Feuerbach stand in Tradition von Georg Wilhelm Hegel. Bei Hegel entwickelt sich das Bewusstsein des Menschen in Schritten von zunehmender Selbsterkenntnis (sehr einfach ausgedrückt, er nennt das Dialektik, dazu gibt es einen eigenen Beitrag). Das, was das Bewusstsein als sein Selbst erkennt, sind aber die kulturellen Leistungen der Menschheit. Dazu gehören auch die Religionen. Der Mensch erkennt also in der Religion sein eigenes Produkt. Heute würde man sagen: Religion ist das Ergebnis kommunikativen Handelns oder verdinglichte Kommunikation. Feuerbach argumentierte auch in Tradition der Sophisten. Die Erkenntnisfähigkeit ist abhängig vom Menschen. Der Mensch schafft sich also seine Erkenntnisse mittels zunehmender Selbsterkenntnis.

Feuerbach legt damit die Grundlagen für die Religionskritik von Marx. Er wird aber auch von modernen Theologen instrumentalisiert, die seine psychologische Erklärung in einen Gottesbeweis ummünzen wollen. Die Geschöpfe Gottes erkennen in ihren eigenen Kulturleistungen die Handschrift ihres Herrn.

Kritik wird gelegentlich auch an seiner Projektionstheorie geübt. Sie berücksichtige nicht, dass Gott im alten Testament andere, negative Prädikate besitzt. Dabei wird jedoch übersehen, dass sich das Bewusstsein in Schritten weiterentwickelt. Die kulturelle Leistung des Menschen war zur Zeit des Alten Testaments eine andere als im 19. Jahrhundert.

Anmerkung:
Vergleiche zwischen den einzelnen Religionskritikern sind mit Vorsicht zu genießen. (Ebenso sind natürlich auch Rollenspiele, bei denen sich SuS als Religionskritiker in Diskussion befinden, wenig zielführend.) Nur Feuerbach und Marx haben Anknüpfungspunkte. Marx bezieht sich ausdrücklich in seinen Schriften auf Feuerbach. Nietzsche und Freud beispielsweise gehen von grundsätzlich anderen Vorüberlegungen aus.

Feuerbachs Ansatz wird auch anthropologisch genannt. Er will die positiven Prädikate für den Menschen zurückerobern. Wir müssen unsere Sehnsucht nach einer menschenfreundlichen Gesellschaft nicht ins Jenseits und auf Gott projizieren. Genau hier kann moralisches Handeln ansetzen.

tmd.

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