Macht mich meine Arbeit glücklich?

Den Unterschied von „arbeiten, um zu überleben“ oder „leben, um sich selbst zu verwirklichen, um tätig zu sein“, kennen wir bereits aus den Beiträgen „Den Sinn des Lebens gibt es nicht auf Rezept“ und „„Sinnsuche und Moral“. In diesen Beiträgen habe ich mich damit beschäftigt, dass Arbeit den Sinn des Lebens beeinflusst, sogar ein wichtiger Faktor ist bei der Frage „Wie wollen wir leben“. Die Frage nach dem „Wie“ ist dabei die philosophische Frage nach dem guten, glücklichen Leben.

Hier in diesem Beitrag werde ich Arbeit soziologisch und psychologisch näher erklären. Beginnen wir mit der Psychologie. Arbeit ist der Gegensatz zur Freizeit. Diese Unterscheidung klingt zunächst einfach, ist es aber nicht. Schnell stellen wir fest, dass unterschiedliche Menschen Arbeit und Freizeit unterschiedlich bewerten. Das geht soweit, dass einige Menschen als Freizeit ansehen, was andere als Arbeit sehen. In der Freizeit im eigenen Garten zu arbeiten ist demnach für den Hobbygärtner etwas anderes als für den Landschaftsgärtner, der damit sein Geld verdient. Objektiv gesehen ist die Arbeit aber dieselbe.

Damit verliert die Unterscheidung von „tätig sein“ und „arbeiten, um zu überleben“ aber die nötige Trennschärfe. Wann ist Arbeit etwas, was mein Leben zu einem guten und glücklichen macht? Die Frage nach der richtigen Arbeitsmoral ist damit noch schwerer zu beantworten.

Es gibt nun weitere Merkmale von Arbeit: Macht, Leistungsdruck, Lohn, Zugang zu Arbeit, Recht auf Arbeit. Diese Merkmale werden oft abgehandelt, ohne die Leitfrage nach dem „Glücklichsein“ zu stellen.
Die Antwort auf die Frage „Bin ich in meinem Job glücklich?“ braucht eine soziologische Fragestellung: Wer fühlt sich in welchem Job unter welchen Bedingungen glücklich. Das ist die zentrale Frage. Es gibt also nicht mehr eine oder zwei Wege durch und mit Arbeit ein gutes/glückliches Leben zu führen, sondern mehrere, die auch unterschiedliche Arbeitsmoralen voraussetzen.

Ein glücklicher Bauer
Ist dieser Bauer glücklich? – Quelle: rottonara, Pixabay

Ist hier noch eine Bewertung möglich? Es gibt einen Ansatz, der in der Diskussion um Arbeitsmoral immer wieder auftaucht und eine Bewertung nahelegt. Wer sein Leben als Herausforderung sieht, tätig zu sein und sich selbst zu verwirklichen, der wird seiner Arbeit gegenüber eher eine Haltung entwickeln, die mit dem alten Wort „Berufung“ beschrieben werden kann.

Wer seine Arbeit als Gelderwerb sieht, um sich damit das einzukaufen, was ihm als Person fehlt – Macht, sicherer Arbeitsplatz, Freizeit – wird seine Arbeit eher als Job bezeichnen. Für ihn ist der Gelderwerb dazu da, beispielsweise in der Freizeit sich die Freiheit einzukaufen, die ihm im Job fehlt.

Meine Merkformel dazu ist: Entweder Freiheit im Beruf oder eine Ersatz-Freiheit in der Freizeit. Der Philosoph Robert Menasse hat diese Formulierung in einem lesbaren Interview im fluter-Heft Arbeit der Bundeszentrale für Politische Bildung verwendet. Sie ist aber auch bei anderen Philosophen zu lesen.

Warum sind diese Überlegungen moralische Überlegungen?, werde ich immer wieder gefragt. Antwort: Es ist eine grundsätzlich moralische Frage, ob ich im Leben glücklich sein will oder kann. Arbeit bestimmt mein Leben. Also sollte ich unbedingt etwas dafür tun, dass ich in der Arbeit zufrieden bin und mich wohl fühle, damit ich daraus „Glücklichsein“ ableiten kann.

Viele Firmen geben heutzutage viel Geld aus, damit sich ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz wohl fühlen. Soll man das glauben, dass es den Vorständen von Weltkonzernen um das Glück der Menschen geht?

tmd.

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