Merkzettel: Soziale Rolle

Herde Schafe
Soziales Verhalten – Quelle: marybettiniblank, Pixabay

Eine soziale Rolle bündelt Leistungen und Erwartungen. Leistungen, die der Inhaber einer Rolle gegenüber anderen Menschen zu erbringen hat und Erwartungen, die von anderen Menschen an ihn gestellt werden.
Leistungen und Erwartungen sind also wechselseitig: Das, was von mir erwartet wird, das leiste ich. Das, was ich von anderen Menschen erwarte, das leisten sie mir gegenüber. Die Summe aller Leistungen, die ich erbringe, und die Summe aller Erwartungen, die ich stelle, das nennt man Leistungs- und Erwartungsbündel.

Merksatz: Eine soziale Rolle, das ist ein Bündel von Leistungen und Erwartungen.

Erwartungen, die an mich gestellt werden, erbringe ich, weil ich Sanktionen (Bestrafungen) fürchte. Gratifikationen (Belohnungen) erwarten mich, wenn ich die Erwartungen mit Leistungen bediene. Die Gratifikationen sind oft minimal, die Sanktionen erheblich. Leistungen, die ich erbringen muss, erbringe ich, weil ich Gratifikationen erwarte.

Merksatz: Gratifikationen und Sanktionen stabilisieren soziale Rollen.

Primäre und sekundäre Sozialisation (Erziehung) sorgen dafür, dass die Rollen unverändert bleiben. Dennoch verändern sich Rollen. Wer Sanktionen ertragen kann oder auf Gratifikationen verzichten kann, der kann soziale Rollen verändern. Man nennt das abweichendes Verhalten. Das abweichende Verhalten setzt voraus, das trotzt Verletzung der Erwartungen, der Handelnde von einigen Menschen keine Sanktionen oder sogar Gratifikationen zu erwarten hat.

Merksatz: Nicht angepasstes Verhalten kann soziale Rollen verändern.

Wer mit seiner Rolle in der Gesellschaft nicht zurecht kommt, der leidet an der Gesellschaft. Das wird nur verhindert, wenn man verantwortlich Distanz zu seiner Rolle herstellen kann. Distanz heißt: Erkennen, dass Rollen zwar übernommen werden (role taking) aber auch gemacht werden (role making). Role making sorgt für den Wandel sozialer Rollen.

Merksatz: Moralisch Handeln heißt auch: Soziale Rollen verändern, wenn Menschen unter der Rollenzuschreibung leiden. Diese Veränderung setzt allerdings auch Eigenverantwortung voraus.

Das Leiden an der Gesellschaft, das sind die Symptome gesellschaftlichen Leidens. Moralisch Handeln heißt, dieses Leiden beenden.

tmd.

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