Moral lernen einmal anders – der Tierthriller: Silberflügel

Geschichten, in denen Tiere die Hauptrolle spielen, sind immer etwas Besonderes. Sind es die klassischen Fabeln, dann ist der pädagogisch-moralische Anstrich meist so dick, dass wenig Freude beim Lesen aufkommt, von Spannung ganz zu schweigen. Sind es Fantasy Tierthriller, dann muss der Autor die Vermenschlichung seiner Akteure äußerst behutsam angehen. Mit „Silberflügel“ ist das dem kanadischen Autor Kenneth Oppel vor einigen Jahren erstaunlich gut gelungen. Das gelingt ihm auch deshalb so gut, weil er die Helden seiner Geschichte – es sind Fledermäuse – in ihrer Biosphäre belässt. Genial ist dabei, den Tieren ihre sinnlichen Fähigkeiten zu belassen: Sehen, hören und kommunizieren mit Klangteppichen.

Fledermaus vor dem Mond
Fledermaus Tierthriller – Quelle: Alexa, Pixabay

Buchbesprechungen sind nicht das eigentliche Thema dieses Blogs. Es muss also einen Grund haben, dass ich „Silberflügel“ hier rezensiere.
Das schmale Buch ist ein wahrer Steinbruch fürs Moral-lernen. Hier wird so gut wie alles zusammengetragen, was in einem sinnvollen Ethikunterricht gesagt werden sollte. Und die Geschichte ist mega-spannend geschrieben. Die 350 Seiten vergehen wie im Flug. Die Spannung lässt den Leser das Buch spätestens ab Seite 62 nicht mehr aus der Hand legen.

Denn an dieser Stelle beginnt Kennth Oppel die großen moralischen Fragen auszupacken, aber nicht mit diesem langweilenden pädagogischen Zeigefinger der Lehrbücher. Es ist eine reine Abenteuergeschichte, mit allem was dazu gehört.

Eine Abenteuergeschichte, die das Erwachsen werden in allen Formen wiedergibt: Freunden beizustehen, den Außenseiter nicht allein zu lassen, den Freund um seiner selbst willen zu mögen, Suche nach Wahrheit und Erkenntnis, Widersprüche zu benennen, Zusammenhalt in der Gruppe, Ideologien als solche zu enttarnen und natürlich auch stärker zu werden und die Sehnsucht nach Macht und Zuneigung. Denn auch das gehört zum Erwachsen werden. Wenn ziemlich zum Ende der Geschichte der Dialog auftaucht: „du bist die erste (…), die mich um meiner selbst willen mag“, dann wirkt diese Vermenschlichung keineswegs lächerlich. Aber das Happyend ist noch lange nicht erreicht und die beiden Helden entgehen mehr als einmal nur knapp dem Tode.

tmd.

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