Moralische Entscheidungsfindung in der Politik

System der Werte – Quelle: Maialisa, Pixabay

Seine Hände in Unschuld waschen, das ist uns bekannt aus der Bibel. Gemeint ist, dass man mit der Entscheidung eigentlich nichts zu tun hat. Das ist unserem heutigen Verständnis von Politik nicht fremd, und das ist keineswegs polemisch gemeint.

Rationalisierung und Verwissenschaftlichung der Verwaltung ist der Grund dafür. Politiker sind immer abhängiger von der Zuarbeit von Fachleuten. Auf diesen Prozess der Verwissenschaftlichung der Politik hat der Soziologe Jürgen Habermas bereits 1963 in einem kleinen Aufsatz: Verwissenschaftlichte Politik und öffentliche Meinung hingewiesen und das Problem analysiert. (Jürgen Habermas, Technik und Wissenschaft als Ideologie, SV 287, 1969)

Der kleine Bereich der politischen Entscheidung, der noch nicht von Wissenschaftlern vorausgedacht wird, schrumpft. Manche sagen, dass dieser Bereich zu Recht schrumpft, weil er sich rationaler Reflexion entzieht. Hier wird eben nicht wissenschaftlich nachprüfbar entschieden.

Warum ist das ein Thema für den Moralunterricht? Wer sich um moralische Entscheidungen bemüht, der sollte wissen, wo er diese noch treffen kann. Wenn eine moralisch wichtige Entscheidung nur noch in den Zirkeln der Wissenschaftler getroffen wird, dann sind die Wissenschaften gefordert, ihre Entscheidungsfindung offenzulegen und nachvollziehbar zu machen. Wenn Entscheidungen in dem schmalen Restbereich der politischen Kommunikation getroffen werden, dann dürfen sie nicht irrational sein (populistisch und dergleichen), vielmehr müssen sie neben der Ratio auch ethische Argumentation beachten. Und vor allem müssen Eigeninteressen offengelegt werden.

Moralisch entscheiden, das heißt auch, ein bestimmtes Wertesystem zu reflektieren, nämlich das Wertesystem, das den von den politischen Entscheidungen Betroffenen eigen ist.

tmd.

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