Moralische Feldvermessung

Ein kleines erkenntnistheoretisches Problem beschäftigt Philosophen schon immer und sie können es nicht lösen: Die Beschreibung der Welt – und zwar umfassend und in ihrer Totalität, so nannten es zuletzt die Soziologen der Kritischen Theorie.

Welt in der Hand
Beschreibung der Welt – Quelle: sweetlouise, Pixabay

In dem Moment, in dem ich die Welt beschreibe, muss ich in Rechnung stellen, dass ich mich, der die Welt beschreibt, nicht unterschlagen kann – bei der Beschreibung. Wenn ich mich also in die Beschreibung der Welt mit einbeziehe, dann stehe ich für einen Augenblick außerhalb der Welt, die beschrieben wird und muss sogleich erkennen, dass ich mich wiederum in die Beschreibung einbeziehen muss, und so weiter.

Vor einigen Jahren hat der Philosophieprofessor Markus Gabriel einen Lösungsvorschlag gemacht, der soziologische Aspekte hervorhebt. Die Welt in ihrer Totalität können wir nicht beschreiben, weil es sie so und in dieser Art nicht gibt. Das heißt, wir haben die Frage falsch gestellt, bzw. wir suchen nach etwas, was es so nicht gibt.

Gabriel arbeitet mit „Sinnfeldern“. Sinnfelder konstruieren wir nach Bedarf. Das können x-beliebige Gegenstände sein. Sie müssen nur eines, andere Gegenstände, die unter Umständen ähnlich sind, ausschließen. Ein Beispiel: Eine Cola-Dose kann ich nur als solche auch wahrnehmen, weil ich alle anderen Dosen, die keine Cola enthalten, ausgrenze. „Man macht einen Unterschied“, so nannte das der Soziologe Niklas Luhmann.

Hilft uns das weiter, moralische Entscheidungen zu treffen? Zunächst wird der Standpunkt, dass es viele unterschiedliche Moralen gibt, mit einem wissenschaftlichen Argument gestützt. Das kennen wir. Moral ist Menschenwerk. Ein Sinnfeld einer Moral setzt voraus, dass es da noch andere Moralen gibt. Sonst wäre ja eine Unterscheidung nicht möglich. Dann aber wird ausgeschlossen, dass es so etwas wie eine weltumfassende Moral gibt, die alle anderen Moralen umfasst. Das schließt sowohl die Sinnfeldtheorie als auch unsere grundsätzliche Unfähigkeit, die Welt in Gänze zu beschreiben, aus.

Was sagt das nun aber aus, wenn wir versuchen, moralisch zu urteilen?
Selbstreflexion ist angesagt! Wer die Meinung vertritt, dass es universelle Regeln gibt, der hat ein Problem. Zumindest macht er sich verdächtig, seine Moral als alleinig Seeligmachende zu empfehlen. Das ist philosophisch nicht brauchbar.

tmd.

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