Naturrecht und Gott – am Vorabend der Aufklärung

Bild Gottes
Urheber des Naturrechts – Quelle: travelspot, Pixabay

Kürzlich bin ich gefragt worden, wie die Philosophen der Aufklärung auf die Idee kamen, dass Freiheit und Gleichheit der Menschen durch das Naturrecht gewährleistet werden.
Die Philosophen vor Jean-Jaques Rousseau und Kant (ich erwähne sie, weil sie aus dem Unterricht bekannt sind) haben ähnliches geschrieben. Auch sie – Augustinus und Thomas von Aquin zum Beispiel – sind von Naturrechten ausgegangen. Aber sie haben Gott als Ursache für das Naturrecht genannt.

Bei Samuel Pufendorf (1632-1694) lesen wir, dass man das Naturrecht am besten durch die Erforschung des Menschen und seiner Veranlagung erkennt. Diese Methode kennen wir von Thomas Hobbes. Pufendorf meint, dass der Mensch auf Selbsterhaltung bedacht ist, aber nicht alleine leben kann. Das kennen wir von Rousseau. Das heißt also, der Mensch muss lernen in der Gemeinschaft zu leben. All das haben die Aufklärer nach ihm auch vertreten. Pufendorf schreibt weiter: „Die Regeln dieses Gemeinschaftslebens oder die Lehren darüber, wie sich ein jeder betragen muss, um ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft zu sein, werden als Naturrecht bezeichnet.“

Er präzisiert das, indem er schreibt: „Jeder muss die Gemeinschaft nach Kräften schützen und fördern.“ Dabei soll der Mensch alles dafür tun, was für das Leben in der Gemeinschaft nützlich ist. Und: „Alle übrigen Vorschriften, deren Richtigkeit im Lichte der natürlichen Vernunft, die dem Menschen gegeben ist, unmittelbar einleuchtet, sind nur Folgesätze dieses obersten Grundsatzes.“ Diese Argumentation kennen wir ebenfalls. Thomas Hobbes hat Naturgesetze aus dem Naturrecht abgeleitet..

Die Frage ist: Woher weiß der Mensch von den Naturrechten. Pufendorf meint, dass der Mensch die Naturrechte durch seine Vernunft erkennt, bzw. dass die Naturrechte so klar und eindeutig sind, dass ihnen jeder zustimmt. Eine Form von Evidenz ist das.

Das klingt alles schon sehr aufgeklärt, wenn Pufendorf nicht andererseits darauf besteht, dass Gott der Urheber des Naturrechts ist. „Wenn auch der Nutzen dieser Gebote offensichtlich ist, so ist doch für ihre Geltung als Gesetz notwendige Voraussetzung, dass es einen Gott gibt, der in seiner Vorsehung alles lenkt.“

Aber die Tür zur Aufklärung ist schon mehr als offen. Wenn es um das Zusammenleben der Menschen in Gemeinschaft geht, dann finden wir bei Pufendorf Hinweise auf frühe soziologische Erkenntnisse. Er schreibt: „Grundsätzlich können die Regeln des Naturrechts, die sich auf das Verhalten zu anderen Menschen beziehen, unmittelbar aus dem Prinzip des Lebens in der Gemeinschaft abgeleitet werden, das wir hier als obersten Grundsatz angenommen haben.“
Damit wird aber der Weg der Argumentation umgedreht!
Das ist doch nichts anderes, als das Zusammenleben der Menschen beobachten und daraus Gesetze abzuleiten. Das ist empirische Soziologie. Die Ergebnisse müssen nicht mehr mit oder durch Gott erklärt werden.
(Zitate aus: Über die Pflicht des Menschen und des Bürgers nach dem Gesetz der Natur.)

tmd.

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