Nicht mehr kindisch sein

Mit dem Übergang von der Kindheit ins Jugendalter wird Moral erst so richtig wichtig. Moralisches Handeln war vorher antrainiertes Verhalten. Mit dem Erwachsenwerden ist Moral endgültig eigenverantwortliches Handeln. Jetzt kann man nicht mehr „kindisch sein“. Man muss zwischen unterschiedlichen Regeln (Vorzugsregeln) unterscheiden und die passenden Regeln für die entsprechende Situation wählen. Nicht ganz einfach, weil alle Regeln, Normen und Werte zunächst gleiche Wertigkeit für sich beanspruchen.

Kein Kind mehr sein
Kein Kind mehr sein – Quelle: cgordon8527, Pixabay

Wie lernt man in dieser „neuen Unübersichtlichkeit“ die richtigen Entscheidungen zu treffen? Normalerweise durch Orientierung an denen, die es schon geschafft haben, erwachsen geworden zu sein, also an den Vorbildern. Aber welches sind die richtigen Vorbilder?

Lebensgeschichten – fiktive oder auch reale – können diese Frage beantworten. Sind es Geschichten, die leicht verfremdet eigene Erfahrungen des Geschichtenerzählers wiedergeben, umso besser.
Henning Mankell hat 1992 mit seinem kurzen Roman „Der Hund, der unterwegs zu einem Stern war“ eine autobiographische Geschichte des Übergangs von der Kindheit zum Jugendalter vorgelegt, das die damit verbundenen Probleme aufgreift: Mobbing, falsche Vorbilder und Identitätsfindung.

Die Hauptperson, der elfjährige Joel, löst sich aus der vom Vater bestimmten Vater-Sohn-Beziehung. Viele Eltern fürchten diese Prozesse. Sie werden als Entfremdung wahrgenommen. Für Joel und auch den Vater ist das aber kein Verlust. In Mankells Jugendbuch ist es eine Win-win-Situation. Der Roman ersetzt spielend vier Lehrbuchseiten mit Textschnipseln und Wimmelbildern zum Thema erwachsen werden.

tmd.

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