Platon revisited – der Mensch als bildungsfähiges Wesen

Der Mensch erlangt Erkenntnis durch Bildung. Nicht die Erfahrung, sondern die Vernunft ist Motor der Erkenntnis.

Das Menschenbild bei Platon hat sokratische und vorsokratische Elemente in sich aufgehoben. Es ist ein komplexes Menschenbild. Einzelnen Elemente werde ich hier nochmal auflisten.

Jeder Mensch hat eine unsterbliche Seele. Die Seele existiert vor der Geburt und nach dem Tod. Bei der Geburt kommt die Seele also in einen Körper. In diesem Moment vergisst die Seele fast alles, was sie weiß.

Die unsterbliche Seele
Seele – Quelle: geralt, Pixabay

Was weiß die Seele? Sie hat umfassendes Wissen über die Ideenwelt. In dieser Ideenwelt sind alle moralischen Begriffe, aber auch alle Objekte der Welt, die wir als Menschen sehen, in ihrer Idealform vorhanden.
In der Ideenwelt gibt es also die Tugend der Gerechtigkeit, Tapferkeit usw. in Reinform. In der Ideenwelt gibt es aber auch die Originale zu den Objekten, die in der von uns wahrnehmbaren Welt vorhanden sind.

Die Seele muss sich an das umfassende Wissen, das sie hatte, erinnern. Erkenntnis ist also ein Prozess der Erinnerung. Dieses Erinnern kann durch geschickte Fragestellungen gefördert werden. Das Werkzeug der Erinnerung ist die Vernunft, nicht etwa die Erfahrung.
Die Vernunft hat bei entsprechender Schulung Zugang zu den Ideen in der Ideenwelt. Die Inhalte der Ideenwelt sind keine Konstrukte des Menschen. Sie sind objektiv vorhanden. In der Welt, in der wir leben, existieren die Abbilder dieser Objekte in der Ideenwelt als Schatten.

Der sinnlichen Wahrnehmung des Menschen traut Platon nichts zu. Die sinnliche Wahrnehmung kann leicht getäuscht werden und ist abhängig von der Situation, in der sich der Mensch befindet. Platon vermeidet es, die Vernunft nur für die Erkenntnis der Tugenden in der Ideenwelt heranzuziehen. Denn dann wäre sein Ansatz nicht systematisch. Er weitet die Erkenntnisfähigkeit der Vernunft auch auf die Objekte der Lebenswelt aus. Diese Systematik führt zu den Unklarheiten und Fragen wie: gibt es das Böse, das Ungerechte, die Krankheit usw. in der Ideenwelt.

Der Mensch muss sich durch Erinnerung die Sicht auf die Objekte in der Ideenwelt erschließen. Das geht nur durch Bildung. Bildung ist zunächst das Gespräch. Mathematik erschließt sich nach Platon durch das rechte Gespräch mit dem Schüler, der alles selbst erkennen bzw. eigentlich erinnern kann.
Das ist die Begründung dafür, das der Mensch fähig zur Bildung ist. Seine Erkenntniskraft ist auf Bildung durch Vernunft ausgelegt.

Der Mensch braucht also einen Lehrer, der den Prozess der Bildung am Laufen hält. Wer diesen Bildungsweg nicht durchläuft, der ist nicht nur ungebildet, er ist auch unfähig zur Führung eines Staatswesens.
Begründung: Der Staat soll ein guter Staat sein. Um den Staat so zu führen, dass er ein guter ist, muss man wissen, was das Gute ist. Das Gute kann man aber nicht empirisch (durch Erfahrung) ermitteln, sondern nur durch Erinnern der Idealform des Guten. Dazu braucht es die Vernunft.
Wenn also ein Staat ein guter sein will, muss er sich Herrscher suchen, die gebildet sind, wie Platon es will. Oder man nimmt als Herrscher der Einfachheit halber gleich einen Philosophen.

tmd.

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