Politik und Moral

Ein Mensch, der immer nur das Gute möchte, wird zwangsläufig zugrunde gehen inmitten von so vielen Menschen, die nicht gut sind.
(Niccolò Machiavelli, aus: Der Fürst)

Kant, der in diesem Blog eine nicht unwichtige Rolle spielt, hatte da eine andere Meinung. Der gute Wille ist bei Kant allein ausschlaggebend für moralisches Handeln. Freilich hat Kant vor das Wollen die Vernunft gesetzt. Sie, die Vernunft, macht die Regeln, die für ein friedliches Zusammenleben der Menschheit notwendig sind. Es sind Regeln, die dem Gedankenexperiment des Kategorischen Imperativs genügen und der Maxime, dass der Mensch immer Zweck, nie Mittel ist. Nur so kann der freie Bürger auch Verantwortung übernehmen. Moralisch Handeln, das heißt, Verantwortung übernehmen für das eigene Handeln. Und das muss in Freiheit geschehen. Wenn also jemand nicht die Wahrheit sagt und das mit widrigen Umständen begründen will, dann setzt er seinen Verstand nicht ein und missachtet die Kantschen Maxime. Ein konfliktfreies Zusammenleben sei so nicht möglich, folgert Kant.

Reichstag in Berlin
Reichstag, Berlin – Quelle: Hans, Pixabay

Lässt sich das auch auf die Politik anwenden? Der Fachmann in diesem Thema, Machiavelli, ist da skeptisch.

Jeder sieht ein, wie lobenswert es für einen Herrscher ist, wenn er sein Wort hält und ehrlich, ohne Verschlagenheit seinen Weg geht. Trotzdem sagt uns die Erfahrung unserer Tage, daß gerade jene Herrscher Bedeutendes geleistet haben, die nur wenig von der Treue gehalten und es verstanden haben, mit Verschlagenheit die Köpfe der Menschen zu verdrehen; und schließlich haben sie über die die Oberhand gewonnen, die Verhalten auf Ehrlichkeit gegründet haben.
(Niccolò Machiavelli, aus: Der Fürst. Alte Rechtschreibung)

Soll man daraus folgern, dass Moral in der Politik nicht funktioniert? NEIN! Zunächst kennen wir die Einschränkung: Moral funktioniere in … nicht, aus allen kommunikativ vermittelten gesellschaftlichen Bereichen. Insbesondere aus der Ökonomie kennen wir diese skeptische Haltung: Wallstreet funktioniere nur unmoralisch.

Moralisch Handeln bleibt eine Herausforderung für den Menschen.

Moral ist kein System, das für uns fremdgesetztlich abläuft. Moral ist selbstbestimmtes Menschenwerk. Gibt man freilich diesen Gedanken auf, dann bleibt uns nur die Rolle von umher irrenden Figuren in Dystopien oder Endzeitszenarien, wie in Hollywood-Filmen.

tmd.

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