Stichwort: Anthropozentrische Wende

Hierbei geht es in erster Linie um Erkenntnistheorie. Im Unterricht wird es unter dem Begriff „Menschenbild“ behandelt. Es geht nicht um das Bild, das ich mir von einem Menschen mache, sondern um die Fähigkeiten des Menschen, die Welt und Wirklichkeit zu erkennen (deshalb auch Erkenntnistheorie). Anthropozentrisch heißt hier: auf den Menschen (anthropos, griechisch) bezogen (centrum, lateinisch).

Mensch, Mittelpunkt
Mittelpunkt Mensch – Quelle: geralt, Pixabay

Die Multiplikatoren dieser Wende im Denken und Erkennen waren die Sophisten. Hierzu wird der Name des Sophisten Protagoras gelernt und sein Merksatz: Der Mensch ist das Maß aller Dinge (homo-mensura-Satz). Daraus wird abgeleitet, dass unterschiedliche Menschen eine Sache/einen Sachverhalt unterschiedlich erkennen und bewerten. Den Sophisten war jedoch die Anwendung wichtiger als die Theorie. Sie wollten unter anderem nachweisen, dass für bestimmte Menschen eher die Diktatur als Herrschaftsform geeignet sei, für andere wieder eher die Oligarchie oder Demokratie. Das ist praktischer Relativismus. Geht es um Moral, wird daraus ein ethischer Relativismus abgeleitet.

Der Begriff „ethischer Relativismus“ ist hier eigentlich inkonsequent angewendet, weil es doch um die Beliebigkeit von unterschiedlichen Moralen geht. Die Beschäftigung mit unterschiedlichen Moralen ist eigentlich Ethik. Ethischer Relativismus ist dann eine weitere Meta-Reflexion. Im Unterricht wird das jedoch nicht thematisiert.

Um eine Wende handelt es sich deshalb, weil vor den Sophisten die Vorsokratiker (die Philosophen vor Sokrates, der eigentlich ein Sophist war) das Problem der Erkenntnis nicht subjektiv – vom Menschen her – sondern in Bezug auf die objektive Welt (das Seiende, das, was ist – das Nicht-Seiende, das, was nicht ist) lösen wollten.

Sieh auch den neuen Beitrag zur Anthropozentrischen Wende.

tmd.

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