Stichwort: Individualisierung

Arbeiter auf Wolkenkratzer
Individualisierung des Arbeitsrisikos – Quelle: WikiImages, Pixabay

Individualisierung ist ein soziologischer Begriff. Er beschreibt also gesellschaftliche Strukturen und nicht psychische Befindlichkeiten. In Bezug auf die Arbeitsmoral heißt das: Das Arbeitsleben wird nicht mehr als Gemeinschaftsleistung wahrgenommen, sondern als Eigenleistung. Das hat dann wiederum Einfluss auf die psychische Verarbeitung von Arbeit beim einzelnen Menschen.
Der negativen Effekt der Individualisierung von Arbeitsbiographien ist: Jeder ist für sein berufliches Scheitern selbst verantwortlich. Wer aus dem Arbeitsprozess aussortiert wird, der sei selbst schuld, heißt es. Die Arbeitspsychologen können nur raten: Die eigenen Leistungsansprüche und Fähigkeiten miteinander abgleichen. Wer die geforderte Leistung nicht erbringt, der soll sich eben einen neuen Job suchen.
So oder ähnlich kann man das zusammenfassen, was über den Wandel der Arbeitsmoral in manchen Ethik-Lehrbüchern steht. Verschwiegen wird dabei, dass diese subjektive Sicht des einzelnen Arbeitnehmers im krassen Missverhältnis steht zur realen Berufswelt.
Der Arbeitnehmer, die Arbeitnehmerin ist doch nicht verantwortlich dafür, dass sein Arbeitgeber im globalen Wettbewerb nicht mithalten kann. Soll sich jeder einzelne Arbeitnehmer etwa dafür verantwortlich fühlen, dass seine Firma Pleite gemacht hat?
Das ist alles viel zu einfach beschrieben.
Der lokale und globale Wettbewerb funktioniert anders. Sobald eine Firma abhängig ist von den Entscheidungen seiner Besitzer, die nur über Aktien mit dem Betrieb verbunden sind, ist der Gewinn wichtiger als die Mitarbeiter.
Selbstverständlich muss eine Firma Gewinn machen. Aber man sollte den einzelnen Mitarbeiter nicht nur als Mittel für den eigenen Gewinn sehen. Der Mitarbeiter ist auch ein Mensch.
An diesem Punkt sind wir dann dabei, auch moralisch zu entscheiden. Manager, die nur an sich denken und nicht auch an die Mitarbeiter ihrer Firma, die den Gewinn und das Gehalt der Firmeninhaber erwirtschaften, behandeln die Mitarbeiter nur als Mittel.
Was sagte Kant dazu? Der Mensch ist nie Mittel, immer nur Zweck.

tmd.

Ein Gedanke zu „Stichwort: Individualisierung“

  1. Präzisierung des Begriffs Individualisierung, so wie ihn Ulrich Beck versteht. Demnach werden Strukturen der Solidarität aufgebrochen. An die Stelle tritt eine Arbeitsmoral, wonach sich der Einzelne Erfolg oder Misserfolg selbst zurechnet. Diese Zurechnung ist aber nicht zwingend.

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