Stichwort: Umweltethik

Der Begriff Bereichsethik wird in einem Ethiklehrbuch im Zusammenhang mit Umweltethik genannt. Der Begriff Bereichsethik ist m.E. irreführend. Es wird der Eindruck erweckt, als ob es eine allgemeine Ethik gäbe, die keinen Bezug auf einen Gegenstandsbereich hat. Dem ist aber nicht so.

Jede moralische Überlegung bezieht sich auf konkretes Handeln. Allerdings wird Moral im Lehrplan an Gymnasien in Bayern – bevor es um Umwelt-, Friedens- und Arbeitsethik geht – mit Anwendungsfeldern in Verbindung gebracht, die keiner weiteren Erklärung bedürfen. Wenn wir uns mit Wahrnehmung, der Gruppe, der Familie oder Freundschaft beschäftigen, dann können wir unser Alltagswissen benutzen. In dieses Alltagswissen ist jedoch schon so viel Fachwissen eingeflossen, dass uns der Bezug zum Fachwissen nicht mehr auffällt. Wissensinhalte aus Psychologie, Soziologie und Pädagogik sind uns einfach schon geläufig. Und wenn wir etwas hinzulernen, dann fügt sich das wenig spektakulär in unser vorhandenes Alltagswissen ein.

Schützenswerte Umwelt
Schutz der Umwelt – Quelle: geralt, Pixabay

Anders ist es beispielsweise bei der Umweltethik. Hier kommt man ohne ein beträchtliches Maß von Spezialwissen einfach nicht aus. Dieses Spezialwissen kommt aus Naturwissenschaft und Technik, aus den Rechtswissenschaften und der Politik. Wer sich mit der Klimaerwärmung beschäftigt, der muss zunächst einmal grundlegende physikalisch-chemische Vorgänge begreifen. Wer sich mit Klimawandel beschäftigt, der muss sich mit Geologie und Meteorologie auseinandersetzen. Wer nach Lösungen für Umweltprobleme sucht, muss die vorhandenen politischen Konzepte kennen und auch deren Umsetzung in Verträgen.

Die rein methodischen Kompetenzen (um deren Erwerb es in der Schule geht) rücken gegenüber den Inhalten in den Hintergrund. Die Auseinandersetzung mit den Inhalten erfordert die gleichen Kompetenzen wie in den Kernfächern (erklären, verstehen, Zusammenhänge herstellen und natürlich lesen, lesen, lesen). Es reicht aber nicht mehr aus, sein Heil in der Darstellungskompetenz zu suchen und ein Poster zu kleben und zu bemalen, wenn man nicht verstanden hat, was man eigentlich vermitteln will. Und es reicht erst recht nicht, ein Rollenspiel einzuüben mit Rollenkarten, die den SuS fremd sind (Politiker, Wissenschaftler, Verwaltungsbeamte). Man braucht grundsätzlich Sachwissen, bevor man moralisch urteilen und handeln will! Das erzeugt bei den meisten SuS, die sich mit Umweltethik beschäftigen, zunächst einmal Erstaunen, wenn nicht Unmut.

Der Wunsch, moralisch zu handeln, wenn es um die Umwelt geht, setzt aber außerdem die Kenntnis der verschiedenen theoretischen Positionen voraus, die sich mit Natur beschäftigen. Wenn es also in den Beiträgen, die hier unregelmäßig folgen werden, um Natur und Umwelt geht, ist diese grundsätzliche Vorbemerkung immer mit zu bedenken.

tmd.

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