Stichwort: Unsichtbare Hand

Die unsichtbare Hand ist beinahe untrennbar verbunden mit dem Werk des schottischen Moralphilosophen Adam Smith. Sucht man in seiner zum Klassiker gewordenen Schrift Wohlstand der Nationen nach dem Begriff, dann ist man wohl erstaunt, ihn auf den über 1000 Seiten nur einmal zu finden. Zeitgenossen von Adam Smith kannten den Begriff aus anderen Schriften. Prediger nutzten ihn, um damit auf Gottes Schaffen in der Welt hinzuweisen. Smith war aber ein Kritiker der Kirchen. Die britische Wirtschaftshistorikerin Emma Rothschild meint, dass Smith die Redewendung ironisch verwendet hat.

Hände schützen
Schutz – Quelle: geralt, Pixabay

Der moralische Aspekt der unsichtbaren Hand ist ebenfalls umstritten. Einige Wirtschaftshistoriker meinen, dass Smith nicht der Vertreter eines ungebändigten Kapitalismus war. Smith hielt nur solche vom Eigeninteresse geleitete Handlungen für das Allgemeinwohl nützlich, wenn sie langfristig angelegt sind.

Was ist nun das moralische an der unsichtbaren Hand? Der Mensch soll seine Eigeninteressen vertreten, ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben. Denn er kann – wenn der Markt nicht vom Staat beeinflusst wird – mit Sicherheit davon ausgehen, dass seine egoistischen Interessen vom Markt zum Guten und zum Allgemeinwohl sortiert werden.

Lässt sich das beweisen? Roland Kirstein und Dieter Schmidtchen von der Universität Saarland haben 1998 in einem Experiment nachgewiesen, dass es funktioniert. In kleinen Gruppen kann das Experiment im Unterricht nachgestellt werden. Die SuS werden in gleiche große Gruppen von Anbietern und Nachfragern geteilt. Dann werden Produkte von den Anbietern auf den Markt „gebracht“. Den Anbietern werden jedoch Vorgaben gemacht hinsichtlich des Verkaufspreises. Der darf für die angebotenen Produkte eine bestimmt Grenze nicht unterschreiten. Gleiches gilt für die Käufer. Sie kaufen nur bis zu einem vorgegebenen Höchstpreis. (Der Kursleiter legt die Grenzwerte für jeden Teilnehmer vorab fest.)

Allerdings kennen die Anbieter nicht den Höchstpreis, den die Käufer zahlen würden. Umgekehrt wissen die Käufer nicht, wieweit sie die Anbieter herunterhandeln können. Außerdem sind die Grenzen von Ankauf und Verkauf bei den „Marktteilnehmern“ unterschiedlich. Das Experiment läuft so ab: Die Anbieter machen ihr Angebot, die Käufer können kaufen oder auch nicht und selbst Preisvorstellungen ansagen. Angebote und Nachfrage werden vom Kursleiter notiert.
Bildet man die Angebots- und Nachfragedaten auf einem Koordinatensystem ab, dann entstehen die aus der Volkswirtschaft bekannten Kennlinien. Das Experiment funktioniert aber nur, wenn der Kursleiter die Preisgrenzen von Angebot und Nachfrage für die „Marktteilnehmer“ vorab so festlegt, dass ein Kauf auch möglich ist.

tmd.

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