Stichwort: Arbeitsmoral

„Leben, um zu arbeiten“ und „Arbeiten, um zu leben“ sind die beiden Grundformen von Arbeitsmoral.

Bilder malen
Selbstverwirklichung oder … – Quelle: bridgesward, Pixabay

Im ersten Fall geht es um das Arbeiten in Form von „Tätigsein“. Damit ist nicht nur kreatives Arbeiten gemeint. Arbeit wird hierbei nicht als Last empfunden. Arbeit ist Selbstverwirklichung.

Im zweiten Fall geht es darum, mit Arbeiten den Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Arbeit ist hier nur Mittel zum Zweck. Hier gibt es noch eine weitere Untergliederung.

  • Arbeit dient nur dazu, den Lebensunterhalt zu sichern. Keinerlei Geld bleibt für die Freizeit.
  • Arbeit soll die Freizeit finanzieren. In diesem Fall kann die Freizeit ein Ersatz für die verlorene Freiheit im Arbeitsleben sein. Der Philosoph Robert Menasse hat dazu die Formel geprägt der „Freizeit-Freiheit“.

Selbstverständlich ist es auch möglich, dass jemand seine Arbeit als „Tätigsein“ begreift, nicht als Last, und dennoch seine Freizeit nutzt zur Selbstverwirklichung.

harte Arbeit
Arbeiten, um zu leben – Quelle: skeeze, Pixabay

Die verschiedenen Formen von Arbeitsmoral sind abhängig von Erziehung und sozialem Umfeld. Sie sind also ein sozialer Faktor.
Wir bezeichnen gleiche Tätigkeiten als anstrengend und kompliziert (Arbeit), aber auch als Hobby und Entspannung (Freizeit). Den Unterschied machen wir. Er liegt nicht in der Tätigkeit. Es ist eine paradoxe Zuschreibung.

tmd.

Stichwort: Wandel des Arbeitsethos

Handwerker in der Werkstatt
Was ist Arbeit? – Quelle: Pexels, Pixabay

Die Beschäftigung mit dem sich wandelnden Arbeitsethos dient der Hinführung zu den beiden Klassiker der Wirtschaftsethik Adam Smith und Karl Marx.

Unter Arbeitsethos ist hier die gesamtgesellschaftliche Einstellung zur Arbeit zu verstehen, also das, was große Teile der arbeitenden Bevölkerung über ihr Tun denken und wie sie es bewerten. Der Wandel des Arbeitsethos von der Antike über das Mittelalter in die Neuzeit und in die Industrialisierung/Globalisierung ist schnell gelernt.

Antike: Arbeit ist etwas für die Sklaven.
Mittelalter: Arbeit hilft der christlichen Lebensführung und ist Dienst an Gott.
Neuzeit: Arbeit ist, wenn mit Erfolg (Reichtum) verbunden, ein sicheres Zeichen des Segens Gottes (protestantische Ethik).
Industrialisierung: Arbeit ist ein Produktionsfaktor.

Durch die Entfremdung des Arbeiters von seiner Tätigkeit und dem Produkt (Marx) bleibt ein entfremdetes Arbeitsethos übrig. Man arbeitet, um zu überleben (Knechtschaft) oder um mit dem Lohn seine Freizeit zu finanzieren (Freizeit-Freiheit – Robert Menasse). Letzteres ist schon aus der 8. Klasse bekannt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die wissenschaftliche Leistung von Adam Smith. Ihm wird ein eigener Beitrag gewidmet. Marx ebenso. Smith hat Arbeit nicht mehr nur moralisch definiert, sondern nach Marktgesetzen. Damit war die Tür aufgemacht, Wirtschaft abstrakt zu untersuchen. Der Wandel ist zwar nicht umkehrbar, aber nicht endgültig. Arbeit als Ausdruck von Identität und Selbstwertgefühl gibt es, wenn auch nur schichtenspezifisch.

tmd.