Merkzettel: Kant – der gute Wille

Nur der gute Wille ist gut, so Immanuel Kant. Was meint er damit?
Mit dem „ist gut“ meint Kant die moralische Bewertung einer Handlung. Nur unter der Bedingung, dass der Wille gut ist, ist es auch die Handlung.
Das ist doch klar! Was sonst!

der gute Wille
nur der gute Wille zählt – Quelle: StockSnap, Pixabay

Falsch gefolgert! Denn wir wissen noch nicht, was Kant mit dem „guten Willen“ meint.
Gut ist ein Wille dann, wenn er frei und autonom ist. Er braucht also bei seiner Verwirklichung die negative und positive Freiheit. Also keine Einflüsse von außen wie Gefühle, Neigungen und politische Zensur. Außerdem muss er Regeln und Gesetze machen, die dem Kategorischen Imperativ genügen. Die Regeln dürfen in sich nicht widersprüchlich sein. Und sie dürfen nicht pflichtgemäß und hypothetisch sein.
Hypothetisch sind „wenn – dann“ Regeln. Pflichtgemäßes Handeln hat das Ergebnis im Blick. (Beispiele: Klavierspielen als Profi; Arbeit als Kaufmann)

Das ergibt sich aber nicht automatisch. Der Maxime des Kategorischen Imperativ folgen, ist eine Aufgabe, der sich der freie, aufgeklärte Bürger freiwillig unterzieht. Dafür gibt es aber keinen anderen Anlass als die Pflicht. (Ein anderer Grund oder Anlass würde wiederum bedeuten, das diese Umsetzung nicht autonom ist.)

Sittliches Verhalten ist also eine Pflicht. Der freie und aufgeklärte Bürger unterzieht sich also freiwillig dieser Pflicht.
Genau das, dieses „sich in die Pflicht“ nehmen, ist der gute Wille.

Kant verhindert damit, dass sich subjektive Interessen und Neigungen in den guten Willen einschleichen. Der gute Wille ist objektiv. Er arbeitet nach selbstgesetzten Regeln, die dem Kategorischen Imperativ genügen.

tmd.

Merkzettel: Kant – der freie Wille

Kant gründet seine Version eines Gesellschaftsvertrags auf die Vernunft und den autonomen Willen. Die Vernunft steht nicht zur Diskussion. Der Mensch ist vernünftig! Daran gibt es nichts zu zweifeln. Die Vernunft kann und muss eingesetzt werden. Sie kann eingesetzt werden, wenn die politischen Verhältnisse den Gebrauch der Vernunft erlauben. Die Vernunft muss eingesetzt werden, um aus der Unmündigkeit herauszukommen. Die Autonomie wird ebenfalls nicht bezweifelt. Autonomie ist eine Grundannahme des aufgeklärten Bürgers.

Merke: Die Leistungsfähigkeit der Vernunft wird nicht weiter diskutiert. Das hat Kant in seinen Hauptwerken bereits erledigt. Die Autonomie des Willens ist keine Frage des Könnens, sondern eine Frage des Wollens. Der aufgeklärte Bürger kann und will autonom und vernünftig handeln.

Freiheit
Freiheit – Quelle: sasint, Pixabay

Der autonome Wille soll Gesetze herstellen, denen die Bürger gehorchen wollen und können. Moral ist also Menschenwerk. Nun muss also geklärt werden, wie der autonome Wille mittels der Vernunft Gesetze macht, aber dennoch nicht willkürlich handelt. Denn: Natürlich kann sich der autonome Wille Gesetze geben, die er selbst befolgen will. Aber ungeklärt ist doch, ob alle Menschen diese Gesetze wollen. Der Wille soll also autonom Gesetze finden, denen alle Bürger freiwillig folgen.

Merke: Der freie Wille soll autonom Gesetze machen, denen alle Bürger freiwillig ohne Zwang Folgen können.

Kant diskutiert zunächst negative und positive Freiheit. Negative Freiheit ist Freiheit von äußeren Zwängen. Diese politische Freiheit ist die Forderung der Bürger, ihre Meinung frei äußern zu können. Positive Freiheit ist, sich Gesetze zu geben, denen man freiwillig folgt.
Nun muss noch ausgeschlossen werden, dass nicht mehrheitsfähige Kollektivmeinungen zu Gesetzen werden. Der autonome, freie Wille muss vor Willkür geschützt werden. Die Regeln, nach denen der freie Wille funktioniert, dürfen daher nicht fremd-gesetzlich (hetoronom) sein. Ein Wille, der heteronom funktioniert, ist nicht autonom. Die Autonomie zeigt sich darin, dass sich der freie Wille Gesetze gibt, denen alle Bürger zustimmen können. Nur dann kann ein freier Wille auch ein guter Wille sein.

Merke: Der aufgeklärte Bürger braucht negative und positive Freiheit. Negative Freiheit erlaubt die autonome politische Meinungsäußerung. Positive Freiheit schafft Gesetze, die von allen Bürgern akzeptiert werden.

Nun muss noch erklärt werden, wie der freie Wille die Gesetze herstellt. Das geht nur mit einem Gedankenexperiment. Die Gesetze, die hergestellt werden, müssen getestet werden, ob sie nicht in sich widersprüchlich sind. Beispiel: Wer sich Geld leiht, der muss es auch zurückzahlen. Es kann also nicht sein, dass jemand sich Geld leiht und gleichzeitig weiß, dass er das Geld nicht zurückzahlen wird. Jede Moral, jedes Gesetz muss sich an diesen Anforderungen messen. Kant nennt das den kategorischen Imperativ.

Merke: Normen, Gesetze müssen getestet werden und dem kategorischen Imperativ genügen.

Der autonome Wille handelt aber nicht automatisch. Der Bürger handelt vielmehr aus Pflicht. Kant unterscheidet hier das pflichtgemäße Handeln und das Handeln aus Pflicht. Außerdem macht er einen Unterschied zwischen dem kategorischen und dem hypothetischen Imperativ.
Pflichtgemäßes Handeln orientiert sich an den Folgen des Handelns. Beispiel: Ein Kaufmann betrügt seine Kunden nur deshalb nicht, weil er die negativen Folgen befürchtet. Aus Pflicht handelt er aber, weil er sich ungeachtet der Folgen so entscheidet, weil sein Handeln dem kategorischen Imperativ entspricht.
Hypothetische Imperative bestimmen zwar unser Leben, aber wir müssen ihnen nur bedingt folgen. Beispiel: Wenn ich professioneller Pianist sein will, dann muss ich täglich üben. Diesem Wenn-Dann-Befehl muss ich nur dann folgen, wenn ich professioneller Pianist sein will.

Merke: Moralisch handeln ist immer Handeln aus Pflicht und folgt freiwillig den Forderungen des kategorischen Imperativs.

Kant sichert moralisches Handeln aber noch zusätzlich ab. Neben der Maxime (oberste Regel) des kategorischen Imperativs gibt es noch die Maxime: Der Mensch ist immer Zweck des Handelns, er ist nie das Mittel.

tmd.

Trivialisierung des Moralunterrichts

Ohne Erkenntnistheorie ist jeder Moralunterricht beliebig und gerät zur Ansammlung von Aphorismen und Deutungen philosophischer, soziologischer und psychologischer Fragen. Erkenntnistheorie heißt, sich mit der Leistungsfähigkeit menschlicher Erkenntniskraft auseinanderzusetzen. Gelegenheit dazu bietet sich bei den Themen Freiheit und Verantwortung sowie Vernunft und freier Wille.

Freiheit und Verantwortung sind aneinander gekoppelt durch Normen und Werte, wobei die Normen von einem autonomen Bewusstsein hergestellt werden. Vernunft und freier Wille sind gekoppelt durch die Einsicht, dass nur ein freier Wille ein guter sein kann (aber nicht muss), aber ohne Einsatz der Vernunft moralisch bedeutungslos bleibt.

einfach
Vereinfachung – Quelle: counselling, Pixabay

Diese sehr komprimierte Darstellung des Zugangs zur Erkenntnistheorie überfordert jeden Anfänger im moralischen Diskurs. Deshalb müssen die komplexen Inhalte von Ethik trivialisiert werden, vereinfacht werden.

Die Beschäftigung mit den Vertragstheoretikern Thomas Hobbes, Jean-Jacques Rousseau und Immanuel Kant sind Beispiel dafür. Schwerpunkt sind dabei der Vergleich von Naturzustand und Regierungsbildung bei den Theoretikern. Aber bereits bei J.J.R. wird klar, dass die Vernunft – allein auf sich gestellt und unkontrolliert – ein unauflösbares Spannungsverhältnis von Freiheit und Gleichheit hervorbringt.

Erst Kant zieht die Konsequenzen aus den Grenzen der Erkenntniskraft der Vernunft.
Das sind jedoch die Inhalte, die nicht behandelt, nicht diskutiert werden. Begründung: zu komplex – deshalb vereinfachen, trivialisieren.

Die SuS durchschauen diese Trivialisierung, reagieren aber nicht mit Nachfragen. Die derart trivialisierten Lehrinhalte sind nämlich abfragbar. Mit diesem Wissen können Noten gemacht werden. Die erkenntnistheoretischen Schlussfolgerungen jedoch münden in die Erkenntnis (wenn sie denn erfolgt), dass unsere Moral auf einem sehr dünnem Fundament steht. Oder, wie es die Soziologen Peter Berger und Thomas Luckmann beschrieben haben: Man versucht einen Bus anzuschieben, in dem man gleichzeitig sitzt.

tmd.

Thomas Hobbes: Architekt der Gesellschaft

Kritik an Thomas Hobbes ist leicht. Man nehme seine Beschreibung des Naturzustandes und seine Forderung nach Sicherheit und schon kann man kritisieren und polemisieren. Das zeigt aber nur, dass man sich nicht genauer mit dem genialen Polit-Philosophen auseinandersetzen will.

Naturzustand: Hobbes beobachtet die Gesellschaft in der er lebt. Er sieht, dass die Menschen nur deswegen einigermaßen friedlich miteinander umgehen, weil es einen Staat, also Herrschaft gibt, der für Ordnung sorgt. Hobbes überlegt. Was wäre, wenn es diesen Staat mit seiner Macht nicht gäbe. Und hier beginnt er zu spekulieren, wie es ohne Staat im Naturzustand aussähe. Ganz schlimm!
Er beschreibt, wie sich Menschen verhalten, wenn es niemanden gibt, der für Ordnung sorgt. „Krieg aller gegen alle.“ Die Schlussfolgerung ist einfach. Es muss jemanden geben, der für Ordnung sorgt. Ein Gedanke, den heute viele Politiker, die sich mit internationalen Konflikten und „faild states“ (gescheiterte Staaten) beschäftigen, auch haben. Wer in Krisengebieten lebt, der denkt zuerst an Sicherheit, dann an Freiheit.

Staatsmacht
Sicherheit herstellen – Quelle: Pexels, Pixabay

Sicherheit: Thomas Hobbes geht von Naturrechten (Freiheit und Gleichheit) aus, die der Mensch hat. Dazu gehört auch, sich zu verteidigen, wenn man in Gefahr ist. Hobbes gehört zu denjenigen, die meinen, dass der Mensch in der Lage ist, durch Vernunft Gesetze zu erkennen – die Naturgesetze -, die angeben, wie man eine Gesellschaft so organisiert, dass es friedlich zugeht.

Diese Naturgesetze sind nach seiner Meinung geeignet, die Naturrechte des Menschen zu sichern.

Der Staat: Vollkommen schlüssig ist es also, dass Hobbes fordert: Jemand muss die durch Vernunft erkannten Naturgesetze umsetzen, damit die Naturrechte des Menschen gewahrt bleiben. Das ist der Staat. Der ist verpflichtet, für die Sicherheit der Bürger zu sorgen.

Der Vertrag: Darüber sollen die Bürger einen Vertrag machen und den Staat herstellen. Damit wird auch klar, dass Hobbes Gesellschaft als Produkt des Menschen sieht. Gesellschaft und Herrschaft ist nicht von Gottes Gnaden. Gesellschaft ist Menschenwerk. Das sollt man nicht vergessen.

tmd.

Anmerkung zu Moral und Wahrheit

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wir machen die Regeln – Quelle: Maialisa, Pixabay

Die grundlegende erkenntnistheoretische Problematik ist: Die Übereinstimmung von Wahrnehmung und Wirklichkeit ist nicht zu beweisen. Das heißt: Wahrheit ist abhängig von Konsens, Evidenz und Kohärenz. Letzteres ist die schlüssige, widerspruchsfreie Argumentation.

In den Naturwissenschaften hat diese Erkenntnis Forschung und Wissenschaft enorm vorangebracht. Was der Logik widerspricht und nicht funktioniert, das ist zunächst einmal falsch.

Die Wahrheitssuche in den Humanwissenschaften ist ungleich schwieriger, insbesondere in Ethik. Was klug, gerecht, maßvoll und tapfer ist, das darf grundsätzlich nicht beliebig sein. Es gibt hierzu aber keinen Konsens.

Was tun?
Minimalkonsens sei: Moralisch handeln heißt, Normen und Werte beachten, die das Zusammenleben konfliktfrei machen. Dabei gehe ich davon aus, dass die Normen und Werte von Menschen gemacht sind und nicht etwa von Gott offenbart wurden. In unserem Bestreben, Konflikte zu vermeiden, müssen wir lernfähig sein.

tmd.

Jahresrückblick 2017

Girl, Night
Blick zurück ins Jahr – Quelle: ptksgc, Pixabay

Jeden zweiten Tag wurde im Jahr 2017 ein neuer Beitrag auf moralisch-handeln.de veröffentlicht. Es waren Anmerkungen, Stichworte, Merkzettel und kleine Essays.
Zwei Themen wurden besonders häufig aufgerufen: Beiträge zur Korrespondenz-Theorie und Kohärenz-Theorie, also Wahrheitstheorien, sowie Jean-Jacques Rousseau und seine Vertragstheorie. Der deutsche Großmeister in Sachen Philosophie – Immanuel Kant – kam auf Rang zwei.

Die Vertragstheoretiker Thomas Hobbes, Rousseau und Kant sind in einem Ethik-Unterricht, der mehr sein will als nur unverbindliche Handlungsempfehlungen abzugeben, unverzichtbar. Ethik ist hier politische Philosophie, die sich mit der Erkenntniskraft und Erkenntnisleistung der Menschen auseinandersetzt.

Ethik ohne Wahrheitstheorien ist machtlos. In einer medialen Welt, in der Lüge nicht mehr zweifelsfrei zu erkennen ist, muss Wahrheit methodisch festgestellt werden.

tmd.

Kant und die Aufklärung: Wer traut sich, vernünftig zu sein?

Unter Aufklärung versteht Immanuel Kant, den eigenen Verstand ohne Anleitung von anderen zu nutzen. Den Grund dafür, dass die Bürger nicht selbst denken, sieht er in Feigheit und Faulheit. Abhilfe schaffen soll die Freiheit, öffentlich seine Meinung zu sagen. Hier sagt Kant, dass Aufklärung abhängig ist von der Freiheit, die Vernunft öffentlich zu gebrauchen.

die freie Meinung
die freie Meinung – Quelle: PaliGraficas, Pixabay

Kant verwendet hier die Begriffe Verstand und Vernunft, ohne näher zu unterscheiden, was er damit meint. Einen Fahrplan für die Umsetzung seiner Aufklärung gibt er nicht. Er richtet lediglich eine Forderung an den Monarchen, öffentliche Meinungsäußerungen zuzulassen.

Deshalb ist verständlich, dass Kant die Gesellschaft als noch nicht aufgeklärt bezeichnet. Eine Revolution schließt Kant als möglichen Weg aus, die Aufklärung voranzubringen.

Den einzig möglichen Weg sieht er in Kommunikation. Kommunikation zwischen Bürgern, die öffentlich ihre Meinung sagen können, das ist sein Vorschlag für den Weg in eine aufgeklärte Gesellschaft.

Wer traut sich, vernünftig zu sein?

In einer Gesellschaft, in der Meinungsfreiheit möglich ist, muss es aber dennoch irgendwann einmal einen Bürger geben, der seine Meinung öffentlich macht. Das ist aber in erster Linie der, der die Meinungsfreiheit durchgesetzt hat.
Hier äußert sich Kant vorsichtig. Die Möglichkeit, dass es zur freien Meinungsäußerung kommt, ist dann gegeben, wenn mehrere Bürger miteinander Kommunikation haben. Kant meint also, dass der Gebrauch von Vernunft durch Gesellschaft gefördert wird.
Das kann so sein, muss es aber nicht.

tmd.

Vergesellschaftung und Moral

Ich bin gefragt worden, was Vergesellschaftung und Gesellschaftstheorie mit Ethik zu tun haben. Die Frage ist berechtigt. Die Beschäftigung mit den verschiedenen Vertragstheorien von Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau lässt das Ziel der Aufgabe in den Hintergrund rücken. Zuweilen vergisst man, weshalb und warum man sich mit den Theorien beschäftigt. Außerdem gibt es etliche Literatur zum Thema, in der genau der moralisch Aspekt ausgeblendet ist.
Deshalb hier eine kurze Anmerkung zu Vergesellschaftung und Moral.

Rousseau und Hobbes sind der Meinung, dass die Menschen eine politische Ordnung nur mittels eines Vertrages herstellen können. Dazu gebrauchen sie außerdem ihre Vernunft. Ohne Vernunft geht also gar nichts bei den Vertragstheoretikern. Ohne Vertrag würden die Menschen im sogenannten Naturzustand weiterleben oder in einem Zustand, der sich „naturwüchsig“ aus den vorhandenen Menschenrechten (Freiheit und Gleichheit) entwickeln würde.
Hier zeigt sich, dass Hobbes und Rousseau nicht mehr die antike Vorstellung hatten, dass sich die Menschen als „politische“ Wesen ohne eigenes Zutun zu einem Staat zusammenschließen würden.

Fotomontage, Gesichter
Aspekt Menschenbild – Quelle: geralt, Pixabay

Also: Die antiken Menschen haben immer in politischen Verhältnissen gelebt, meinten sie. Sie mussten sich nur noch darum kümmern, dass es die „richtige“ politische Ordnung sei. Richtig war die politische Ordnung dann, wenn es eine „gute“ Ordnung war. Die Probleme, die sich dadurch ergaben, sind hier im Blog bei Platon, Sokrates und den Sophisten beschrieben.

Die politische Philosophie der Neuzeit hatte also ein doppeltes Problem.

  • Erstens: Sie musste eine politische Ordnung herstellen durch Vertrag und dabei auf das jeweilige Menschenbild achten bzw. es beim Vertragsentwurf berücksichtigen.
  • Zweitens: Sie mussten beim Vertragsentwurf darauf achten, dass die politische Ordnung eine „gute“ Ordnung sei.

Bei Hobbes ist die Ordnung die richtige, die Sicherheit herstellt. Bei Rousseau ist das Kennzeichen der guten Ordnung, die Freiheit und (!) die Gleichheit der Bürger herzustellen.

Nicht vergessen darf man, dass alles von der Vernunft des Menschen abhängig war. Nicht bedacht wurde dabei, dass sich die Vernunft auch recht willkürlich verhalten kann. Erst Immanuel Kant hat sich Gedanken gemacht, wie man die Vernunft vor Willkür schützen kann.
Vergesellschaftung ist also gar nicht so einfach. Die Vernunft muss den Menschen im Blick haben und versuchen zu verstehen, wie er „funktioniert“. Die Vernunft muss aber auch die mögliche politische Ordnung im Blick haben und fragen, ob es eine richtige, die „gute“ Ordnung ist. Das ist die Frage nach der Moral.

tmd.

Zurück in den Kerker der Sinne?

Kerker der Sinne
Zürück im Kerker der Sinne – Quelle: Lysons_editionsPixabay

Hat man den Kerker der Sinne erst einmal verlassen, dann sollte es kein zurück geben. Denn wer anschließend sich in die Welt der Sinnestäuschungen und Schatten begibt, der ist in großer Gefahr.
Er muss sich mit Fake News auseinandersetzen und Verschwörungstheorien. Er muss gegen die Verdummung durch die Medien kämpfen und das Verschwinden der Tugenden.

Dennoch machen sich immer wieder einige auf den Weg zurück in die Höhle, um dort jemanden zu retten. Dabei wissen wir, dass schon Platon als Philosophielehrer und Politikberater keinen Erfolg hatte.

tmd.

Merkzettel: Wahrheitstheorien

Mädchen sucht im Internet
Auf der Suche nach Wahrheit – Quelle: StockSnap, Pixabay

Was wir als Wahrheit bezeichnen, können wir mit den vier Wahrheitstheorien feststellen. Wahr ist demnach:

  • Wenn uns etwas unmittelbar einsichtig ist, dann sagen wir, dass dies wahr ist. Beispiel: Der Teil eines Kuchens ist selbstverständlich kleiner an Umfang und Gewicht als der ganze Kuchen. Das leuchtet uns unmittelbar ein. Das ist die Evidenztheorie.
  • Wenn eine Gruppe von Menschen etwas für wahr hält, dann ist eine Aussage für die Menschen dieser Gruppe wahr. Das ist die Konsenstheorie. Das heißt nicht, dass außerhalb der Gruppe andere Menschen nicht andere Wahrheiten haben.
  • Wenn sich Aussagen nicht widersprechen, dann sind diese Aussagen wahr. Das ist die Kohärenztheorie.
  • Wenn meine Wahrnehmung und eine Sache oder Aussage übereinstimmen und diese Übereinstimmung meinem urteilenden Denken, meinem kritischen Denken nicht widerspricht, dann ist die Sache wahr. Das ist die Korrespondenztheorie. Hier merken wir uns den Satz von Thomas von Aquin: Wahrheit ist die Übereinstimmung des urteilenden Denkens mit der Sache (veritas est adaequatio intellectus et rei).

Leistungsfähigkeit und Schwächen der vier Wahrheitstheorien

  • Die Evidenztheorie ist schon sehr mächtig, hilft aber nicht weiter bei komplexen Problemen. In der Physik und Biochemie gibt es Erkenntnisse, die sind eben nicht sofort klar: Lichtgeschwindigkeit, Raum-Zeit-Krümmung sind gute Beispiele.
  • Die Konsenstheorie ist die robusteste unter den Wahrheitstheorien. Sie ist aber angreifbar, wenn es um Irrtümer geht. Irrtümer werden oft lange Zeit für wahr gehalten.
  • Die Kohärenztheorie ist nun diejenige, die sehr geeignet ist, Irrtümer und Fehler herauszufinden und für Aufklärung zu sorgen. Auf diese Wahrheitstheorie wollen wir nicht verzichten.
  • Die Korrespondenztheorie ist unsere Brücke zur Welt und Wirklichkeit. Ohne die Wahrnehmung der Welt und Wirklichkeit können wir nichts über die Welt aussagen. Leider hat diese Theorie einen Schwachpunkt. Ich kann meine Wahrnehmung nur durch Fremdwahrnehmung wieder bestätigen. Das ist ein infiniter Regress.

Was also tun?
Wir müssen die vier Theorien kombinieren.
Wenn etwas evident ist, müssen wir fragen, ob es auch kohärent ist und Konsens findet. Und ich muss auch meine Wahrnehmung mit der Wirklichkeit vergleichen.
Nichts anderes machen wir in den Wissenschaften.

Die vier Theorien werden außerdem unterschieden in epistemische und empirische Theorien.

  • Die Korrespondenztheorie ist eine empirische Theorie. Empirie heißt Erfahrung. Meine Wahrnehmung, meine Erfahrung wird mit der Wirklichkeit verglichen.
  • Die anderen Theorien sind epistemisch, haben etwas mit Vernunft und Verstand zu tun. Hier beurteile ich meine Wahrnehmung nur abstrakt mit den Werkzeugen der Vernunft.

tmd.