Pflichtgemäßes Handeln und Handeln aus Pflicht

Pflichtgemäßes Handeln orientiert sich an Regeln und Normen, die ich nur deshalb einhalte, weil ich negative Folgen meines „Nicht-pflichtgemäßen“ Handelns vermeiden will.

Tu, was du willst
Do what you love – Quelle: geralt, Pixabay

Hier ein Beispiel: Ein Kaufmann könnte seinem Kunden eine Ware überteuert verkaufen, weil der Kunde es nicht sofort merkt. Der Kaufmann macht es aber nicht, weil er befürchtet, dass der Kunde merkt, dass er betrogen wurde. Der Kaufmann befürchtet weiter, dass der Kunde nicht mehr bei ihm einkauft und auch anderen potentiellen Kunden von dem Fall erzählt. Er handelt also im Blick auf die Folgen, die nur ihn betreffen.
Anders ist es beim Handeln aus Pflicht. Hier orientiert man sich an Gesetzen, die dem Kategorischen Imperativ genügen. Das sind Gesetze, die in sich widerspruchsfrei sind. Irgendwelche Folgen werden hierbei nicht berücksichtigt.

tmd.

Kategorisch und hypothetisch

Der Unterschied zwischen kategorisch und hypothetisch lässt sich am besten an einem Beispiel erklären.

Pianospieler auf der Straße
Pianospieler – Quelle: Maky_Orel, Pixabay

„Wenn du ein professioneller Pianist werden willst, dann musst du täglich üben.“
Das ist eine hypothetische Aufforderung. Du kannst es dir auch merken als „wenn-dann“-Regel. Einen solchen hypothetischen Imperativ muss man nur befolgen, wenn man professioneller Pianist werden will. (Bei diesem Beispiel gehe ich davon aus, dass es so etwas wie eine natürliche Begabung zum Klavierspielen ohne Anleitung nicht gibt.)
„Kategorisch und hypothetisch“ weiterlesen

Kann man die Freiheit des Willens beweisen?

Das ist keine leichte Frage. Was bräuchte man, um den freien Willen wie ein Naturgesetz zu erklären und zu beweisen?

Schnecke, die ein Hindernis überwindet
Wille – Quelle: Maryam62, Pixabay

Genau! Eine heteronome (fremdgesetzliche) Bestimmung, nach welcher der Wille funktioniert. Beispiele wären psychologische Modelle. Aber dann wäre der Wille eben nicht mehr frei.
Was also tun?
Kant gibt hier eine einfache, aber um so robustere Erklärung: Für einen Menschen der Aufklärung ist der freie Wille eine Setzung, eine Forderung der Vernunft. Was sonst! Der aufgeklärte Mensch ist sich seiner Allmacht, nämlich der Herr im eigenen Haus – dem Bewusstsein – zu sein, vollkommen sicher.
Wie ist es dann möglich, das Menschen ihren freien Willen missbrauchen?
Kant würde antworten: Die sind eben nicht vernünftig oder wollen böse sein.
tmd.

Kant: Der freie Wille

Ausgangsüberlegung von Kant: Kant will den Willen des Menschen als autonomen Prozess beweisen. Außerdem will er nachweisen, dass nur der freie Wille ein guter Wille sein kann.

Als Zeitgenosse der Aufklärung (selbst denken, Ausgang aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit) muss er jegliche Fremdeinwirkung und Fremdsteuerung des Willens ausschließen. „Kant: Der freie Wille“ weiterlesen

Kant: Der Begriff der Freiheit ist der Schlüssel zur Erklärung der Autonomie des Willens

Es hilft, Kant zu verstehen, wenn man Original-Texte liest.
Hier ein Ausschnitt aus der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten.

Der Begriff der Freiheit ist der Schlüssel zur Erklärung der Autonomie des Willens.
„Kant: Der Begriff der Freiheit ist der Schlüssel zur Erklärung der Autonomie des Willens“ weiterlesen

Sicherheit statt Freiheit: Thomas Hobbes

Für Hobbes sind alle Menschen gleich. Damit meint er, dass alle Menschen die gleichen Chancen haben, sich im Leben durchzusetzen. Sicher gibt es welche, die stärker sind oder schlauer, aber das können die Menschen ausgleichen. Die Schwachen können sich zusammentun gegen einen Starken oder ein schlauer Mensch kann einen starken besiegen. Außerdem haben alle Menschen das gleiche Recht auf alles. Wer etwas haben will, der nimmt es sich. Klar, dass so Streit und Krieg vorprogrammiert sind.
Was tun?

Thomas Hobbes Portrait
Thomas Hobbes, aus einem Gemälde von J. M. Wright – Quelle: Wikipedia

Hobbes rät, dass alle Menschen ihr Recht auf Gewaltanwendung aufgeben – also einen wesentlichen Teil ihrer Freiheit. Sie schließen miteinander einen Vertrag und geben einem Menschen die volle Macht. Wozu und wofür? Dieser eine Alleinherrscher hat ab sofort das Recht und die Pflicht (!), für Recht und Ordnung zu sorgen. Hobbes nennt ihn Leviathan (biblisches Ungeheuer). Die Bürger tauschen also Freiheit gegen Sicherheit.
tmd.

Sophisten, Sokrates und Platon

Die Sophisten sind in der Tat nicht so einfach zu verstehen, wie es das Lehrbuch zeigt. Zum Einlesen kenne ich nichts, was alle Meinungen wiedergibt.
Hier meine Zusammenschau:

  • Die Sophisten waren die radikalen Aufklärer der Antike und Begründer der Sprachphilosophie.
  • Sie haben den Menschen aus der kosmologischen Umklammerung von Religion und Mythen befreit.
  • Sie haben die Gesetzgebung zu dem gemacht, was es ist, nämlich Menschenwerk.
  • Sie haben Bewusstsein geschaffen dafür, dass die Gesetze zu den Menschen passen sollen und nicht umgekehrt.
  • Sie haben den Zeitgeist instrumentalisiert und mit Redeschulungen viel Geld verdient – an Philosophie waren sie wenig interessiert.
  • Sie sind ein Oberflächenphänomen für einen grundlegenden Paradigmenwechsel (Denkmuster/wissenschaftliches Weltbild), den sie selbst nicht richtig durchschaut haben.

„Sophisten, Sokrates und Platon“ weiterlesen

Philosophie als Waffe im Kampf um die politische Macht

Im ausgehenden 5. vor-christlichen Jahrhundert versuchen die Sophisten in Griechenland und insbesondere in Athen, die Macht an sich zu reißen. Ihre Parole lautet: Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Damit legitimieren die Sophisten jede nur mögliche politische Ordnung. Sie muss nur zu den jeweiligen Akteuren passen, den Herrschern und Beherrschten. Nicht mehr die alten Tugenden zählen, sondern nur noch die möglichst beste Argumentation, um die angestrebte politische Ordnung herzustellen. Das ist radikale Aufklärung. Der Mensch ist sein eigener moralischer Gesetzgeber. Das ist in erster Linie eine radikale subjektive Weltsicht, jedoch letztlich die Geburtsstunde des Ethischen Relativismus. „Philosophie als Waffe im Kampf um die politische Macht“ weiterlesen