Leiden an Lebenslügen

Prinzip Eisberg – Quelle MartinFuchs, Pixabay

Das Eisbergmodell in der Psychologie ist ein leicht verständliches Modell für die Erklärung von menschlichem Handeln. Dabei werden Handlungen nicht durch Gründe erklärt, die wie die Handlungen selbst sichtbar sind. Die Gründe für die Handlungen sind – wie der größte Teil eines Eisbergs – nicht sichtbar, weil unter Wasser.

Bereits in der 7. Klasse Gymnasium ist das Eisbergmodell Thema in Ethik. Eine robuste Erklärung für Konflikte soll das Modell darstellen. Die Textschnipsel in Ethikbüchern sollen dazu dienen, das Modell mit Leben zu füllen. Aber es sind eben nur Schnipsel. Sie reichen nicht aus, um den nicht sichtbaren Teil des Eisbergs zu füllen. Von den bekannten Fakten zum Konflikt werden Gründe erdacht, die logisch passend sind oder von denen die SuS schon mal gehört haben: Mobber sind irgendwann einmal selbst gemobbt wurden. Das ist oft der Fall, aber eben nicht immer. Die Erklärung für Konflikte ist meist viel komplexer (vielschichtiger).

Lauren Oliver hat 2010 mit Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie das Gegenstück zu psychologischen Textschnipseln vorgelegt. Eine kompakte Entstehungsgeschichte von Mobbing, Selbstverleugnung und Selbsttäuschung. Auf 445 Seiten werden die Lebenslügen, der verzweifelte Kampf um Anerkennung, Liebe und Zuneigung der Hauptpersonen vorgeführt und demontiert. Seite um Seite erfährt der Leser, wie das morsche Gebäude von Inszenierungen in sich zusammenbricht. Das Gebäude, das eigentlich von den sensiblen und empfindlichen Kinderseelen errichtet wurde, um die Ängste niederzukämpfen. Die Ängste vor Einsamkeit und Ausgeschlossensein. NICHT.DAZU.GEHÖREN. Die Inszenierungen sind brutal komisch. Und sie sind realistisch. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Lauren Oliver die Geschichte aus der Perspektive einer – ja genau! – einer Toten erzählt.
Samantha, so heißt die Hauptperson, geht durch die Hölle einer unkontrollierten Psychotherapie. Dabei befreit sie sich aus den Zwängen ihrer Mädchen-Clique, demaskiert ihren Freund als einfältigen Angeber, der, wie die meisten Männer in dem Buch, nur Sex Drugs and Rock n Roll im Kopf hat, rettet einem Mädchen das Leben und findet sogar die große Liebe ihres Lebens.

Wenn du stirbst ist wieder ein Beispiel dafür, dass der Einsatz einer kompakten Lektüre zum Thema Konflikte und Mobbing auch im Ethikunterricht mehr leistet als ein Dutzend Textschnipsel in farbigen Kästchen mit bunten Bildern. Und: Mobbing-Täter können sich nur selbst heilen. Sie müssen erkennen, dass sie Verantwortung gegenüber ihren Mitmenschen haben. Ohne diesen Erkenntniszuwachs bleibt Sozialkompetenz ein antrainiertes Rollenspiel.

tmd.

Kuscheltiere erlaubt

Vor 10 Tagen erzählte ich in diesem Blog zum Thema Mobbing ein typisches Beispiel: Ein Mädchen in der Unterstufe einer weiterführenden Schule wird von den anderen gemobbt, weil es noch mit Plüschtieren spielt.

Teddy in Fahrradkorb
Kuschel erlaubt – Quelle: cocoparisienne, Pixabay

Jetzt hat ein Beitrag in der regionalen Presse in Franken das Thema in ein neues Licht gerückt: Auch Erwachsene haben Kuscheltiere und bekennen sich dazu. Mehr noch: Erwachsene lassen sich mit ihren Kuscheltieren photographieren.

Also: Entwarnung bei allen Kindern, die ohne ihre diversen Kuschelkameraden nicht leben können. Wahrscheinlich wird in den nächsten Wochen eine Flut von Selfies mit Plüschtier gepostet werden.

Sind also Erwachsene in Gefahr. Droht ihnen die Infantilisierung?
Keineswegs! Es werden doch nur überholte Rollenbilder und Rollenzuschreibungen aufgegeben. Man kann das auch „Ballast abwerfen“ nennen. Eine aufgeklärte und entspannte Gesellschaft braucht das.

tmd.

Ich will anders sein als die anderen

Jugendliche Gegenwelten sind ein Thema der Soziologie und auch der Psychologie spätestens seit es die Wandervogelbewegung am Anfang und die Halbstarken in der Mitte des letzten Jahrhunderts gab. Merkmale jugendlicher Gegenwelten sind: Kleidung, Lebensstil, Musik und Sprache.
Mit diesen Merkmalen will sich jede Alterskohorte von der vorhergehenden abgrenzen.

Abgrenzung durch Kleidung gab es schon früher. Als J.W. v. Goethe seinen Werther veröffentlicht hatte, liefen auffallend viele junge Männer gekleidet wie die Figur Werther herum. Mit ihrer Kleidung signalisierten sie gleich mehrere Botschaften: habe Werther gelesen, habe ihn verstanden und will so leben wie die Figur. Die Zahl der Selbstmorde ging übrigens auch in die Höhe. Kleidung ist seitdem eines der wichtigsten Merkmale, sich von der Generation der Eltern abzugrenzen und innerhalb der eigenen Kohorte hervorzuheben. Man zeigt Flagge mit seiner Kleidung und sagt, wo man hingehört.

Allerdings ist dieses Merkmal zur Differenzierung den Merkmalsträgern zunehmend aus der Hand genommen worden von der Modeindustrie. Sehr einfach gesagt geht das so: Sobald sich ein Trend in einer Gruppe herausgebildet hat, sobald die Gruppe mit einer bestimmten Mode sich von den anderen abgrenzt, versuchen die Modemacher die neue Mode ins Prêt-à-Porter zu bringen.

Die Folge: Mode verliert immer mehr die Möglichkeit der Abgrenzung. Und ein weiterer Trend ist zu vermelden: Man will zu keiner Gruppe mehr gehören, man will quasi unsichtbar sein in einer Gesellschaft von Mode-Merkmalsträgern. Einheitsjeans, Basic T-Shirt, No-Name Boots: das ist die neue Mode, die Nicht-Mode. Klar, dass auch dieser Trend schon wieder vom Modemarkt besetzt wird.

Tätowierte Hände
Anders sein? – Quelle: Unsplash, Pixabay

Mit dieser Erkenntnis sind wir aber auch schon beim zentralen Thema der jugendlichen Gegenwelten. Es wird immer schwerer, sich durch Merkmale zu individualisieren. Die Versuche, Individualität durch Merkmalsübernahme herzustellen, laufen nämlich nicht nur bei Mode ins Leere. Auch der Lebensstil wird vom Markt besetzt. War das unterschiedliche stilvolle Wohnen eine Frage des Möbelhauses, das man ansteuerte, ist heute entweder überall dasselbe zu sehen oder sehr ähnliches. Konnten sich Jugendliche früher in ihrem eigenen Zimmer durch individuelle Möblierung abgrenzen, so ist das heute so gut wie nicht mehr möglich.

Man hat das Gefühl, dass sich Adornos Gedanken in der Anekdote Asyl für Obdachlose (Minima Moralia) flächendeckend durchgesetzt haben. Wenn aber bei jeder Generation der Wunsch besteht, sich abzugrenzen, welchen Weg gehen dann die Jugendlichen heute, wenn die einfache Differenzierung über Mode und Stil nicht mehr ohne weiteres gangbar ist?

Jugendliche suchen sich die Nischen, die vom Markt nur schwer verwertbar sind, die vom Markt nicht zu Geld gemacht werden können. Es sind die alten Ideologien und Weltanschauungen, die wieder interessant werden. Einem Guru oder Heilsprediger nachlaufen, der einem verspricht einmalig und einzigartig zu sein, einem Hassprediger zu folgen, der einem verspricht, zur auserwählten Gruppe der im Jenseits Lebenden zu gehören, das sind die Refugien der nach Individualität Suchenden. Hier hilft wie so oft nur Aufklärung. Genau das mache ich hier im Ethik-Blog.

tmd.

Mobbing: Psychogramm des Täters

Wie oft muss sich der Autor dieses Blogs eigentlich noch mit dem Thema Mobbing beschäftigen? So oft, antwortet der geneigte Leser und E-Mail-Schreiber, bis die Zielgruppe des Blogs das Kompetenzniveau erreicht hat, dem Problem Mobbing nicht mehr hilflos gegenüber zu stehen. Das ist schließlich Sinn und Zweck des Moralunterrichts.

Mobbing ist ein zentrales Thema, auch und besonders in Ethik. Denn hier ist es nicht nur eine Frage der Praxis: Wie gehe ich als Pädagoge und als betroffener Schüler damit um? Es ist auch eine Frage der Theorie: Was sind die Ursachen und Anlässe? Gibt es Erklärungen? Letzteres ist ein Kompetenzthema meiner Zielgruppe (nicht nur in der 7. Klasse).
Natürlich ist jedem klar, dass Mobbing moralisch nicht akzeptabel ist. Daraus lässt sich dann ableiten, dass diejenigen, die Mobbing betreiben, nicht einsichtig sind. Sie haben es nicht oder noch nicht begriffen, dass sie das eigentliche Problem sind.

In den Beiträgen dieses Blogs habe ich mehrfach die Meinung vertreten, dass Mobber mit der komplexen, sich schnell verändernden Umwelt und den Erwartungen, die an sie gestellt werden, nicht zurechtkommen. Man könnte auch sagen: Im Prozess des Erwachsenwerdens haben diese Kinder keine „Roadmap“. Nicht etwa die falsche, wohlgemerkt, sie haben KEINE.
Aufklärung und Schadensvermeidung heißt bei diesem Thema, sich auch mit dem Psychogramm des Mobbers zu beschäftigen. Nicht wissenschaftlich und abstrakt, sondern in Beispielen.

Schwäche – Quelle: Clker-Free-Vector-Images, Pixabay

Im Folgenden will ich mich also nicht damit beschäftigen, wie man Einsicht bei Kindern mit unsozialem Verhalten herstellt. Sehr viel hilfreicher ist es, die Technik des Mobbens offenzulegen mit dem Ziel, dem Mobber zu sagen: Du bist enttarnt und überführt. Wir kennen dein mieses Spiel.

Eine schwache Persönlichkeit – nichts anderes sind Mobber – sucht sich in einer unübersichtlichen, komplexen und neuen Situation Hilfe. Sie will eine Situation herstellen, in der sie sich sicher fühlt. Wovor fürchtet sich der Täter? Als Versager oder Schwächling zu gelten und von den anderen nicht akzeptiert zu werden.

Thomas Hobbes, den wir in der 7. Klasse als schlauen Philosophen kennenlernen, hat das herausgefunden. Fehlendes Selbstvertrauen ist ein Grund für Streiterei und Konflikte. Mobbing ist ein versteckter Konflikt.
Die einfachste Methode für eine Person ohne Selbstvertrauen, Sicherheit für sich herzustellen, ist, in einer Gruppe eine oder mehrere Gruppenmitglieder auszumachen, denen die Rolle des Außenseiters oder Sonderlings zugewiesen wird. Damit will der Mobber von sich ablenken. Das Interesse der Gruppe soll auf das Opfer gelenkt werden. Außerdem sucht sich der Mobber vorher einige andere noch schwächere Persönlichkeiten unter den Mitschülern/-innen. Denen verspricht er, dass er ihnen Schutz bietet. Stichwort: Gemeinsam sind wir stark.
Gemeinsam kann man sich nun dem Opfer zuwenden. Der Haupttäter versucht dabei aus dem Hinterhalt zu handeln. Hier ein Handlungsmuster von mehreren.

Phase 1: Zunächst werden über das Opfer Gerüchte in Umlauf gebracht. Beispiel: Über eine Mitschülerin wird erzählt, dass sie noch mit Plüschtieren spielt. Diese Gerüchte kann das Opfer nicht aus der Welt räumen. Es weiß davon noch nichts.

Phase 2: Das Opfer erfährt von den Gerüchten und will Klarheit herstellen. Der Mobber/die Mobberin muss jetzt sehr vorsichtig sein. Die Helfer werden beauftragt, mit dem Opfer die Sache zu klären: „Wir klären das untereinander.“ Allerdings liegt die Beweislast beim Opfer. Das Opfer soll die Gerüchte aus der Welt schaffen durch eine Gegendarstellung. In unserem Beispiel geht das nur durch eine Gegenbehauptung. Und die ist so gut wie nichts wert, wird aber von den Helfern des Mobbers angenommen. (Anmerkung: Helfen würde es hier, den Psychologen der Schule einzuschalten. Dann hat der Täter nämlich so gut wie verloren.)

Phase 3: Das Thema (Plüschtiere) wird jetzt wie beiläufig im Beisein des Opfers nochmals thematisiert. Das Opfer wehrt sich. Der Mobber/die Mobberin handelt jetzt anders als erwartet. Er/Sie entschuldigt sich. Das Opfer kann nicht anders, als die Entschuldigung anzunehmen.

Phase 4: Die Angelegenheit ist damit nicht beendet. Die Geschichte mit den Plüschtieren wird immer wieder erneut hervorgeholt, gefolgt von einer Entschuldigung. Die ist aber zu diesem Zeitpunkt bereits wertlos.

Phase 5: Das Opfer kann ab sofort mit der Plüschtier-Geschichte ständig gemobbt werden. Die Täter können sich immer herausreden, dass es nur Spaß sei usw., und man sich entschuldigt hat.

Ich habe das Beispiel mit den Plüschtieren bewusst gewählt, weil es noch harmlos ist. Die Wirklichkeit ist brutaler. Schon in der Unterstufe wird mit harten Bandagen gekämpft.

Aus der Literatur wissen wir, dass es Mobbing in Schulen schon immer gab. Soll man das Problem also hinnehmen und ertragen? Typischer naturalistischer Fehlschluss. Dann wäre Moralunterricht sinnlos. Die Methode der Mobber, dem Opfer die Außenseiterrolle zuzuschreiben, muss offengelegt werden, muss transparent gemacht werden. Nicht nur die Pädagogen, sondern auch die Kinder müssen das miese Spiel dieser schwachen Persönlichkeiten als solches erkennen, kritisieren und beenden.

tmd.

Moral lernen einmal anders – der Tierthriller: Silberflügel

Geschichten, in denen Tiere die Hauptrolle spielen, sind immer etwas Besonderes. Sind es die klassischen Fabeln, dann ist der pädagogisch-moralische Anstrich meist so dick, dass wenig Freude beim Lesen aufkommt, von Spannung ganz zu schweigen. Sind es Fantasy Tierthriller, dann muss der Autor die Vermenschlichung seiner Akteure äußerst behutsam angehen. Mit „Silberflügel“ ist das dem kanadischen Autor Kenneth Oppel vor einigen Jahren erstaunlich gut gelungen. Das gelingt ihm auch deshalb so gut, weil er die Helden seiner Geschichte – es sind Fledermäuse – in ihrer Biosphäre belässt. Genial ist dabei, den Tieren ihre sinnlichen Fähigkeiten zu belassen: Sehen, hören und kommunizieren mit Klangteppichen.

Fledermaus vor dem Mond
Fledermaus Tierthriller – Quelle: Alexa, Pixabay

Buchbesprechungen sind nicht das eigentliche Thema dieses Blogs. Es muss also einen Grund haben, dass ich „Silberflügel“ hier rezensiere.
Das schmale Buch ist ein wahrer Steinbruch fürs Moral-lernen. Hier wird so gut wie alles zusammengetragen, was in einem sinnvollen Ethikunterricht gesagt werden sollte. Und die Geschichte ist mega-spannend geschrieben. Die 350 Seiten vergehen wie im Flug. Die Spannung lässt den Leser das Buch spätestens ab Seite 62 nicht mehr aus der Hand legen.

Denn an dieser Stelle beginnt Kennth Oppel die großen moralischen Fragen auszupacken, aber nicht mit diesem langweilenden pädagogischen Zeigefinger der Lehrbücher. Es ist eine reine Abenteuergeschichte, mit allem was dazu gehört.

Eine Abenteuergeschichte, die das Erwachsen werden in allen Formen wiedergibt: Freunden beizustehen, den Außenseiter nicht allein zu lassen, den Freund um seiner selbst willen zu mögen, Suche nach Wahrheit und Erkenntnis, Widersprüche zu benennen, Zusammenhalt in der Gruppe, Ideologien als solche zu enttarnen und natürlich auch stärker zu werden und die Sehnsucht nach Macht und Zuneigung. Denn auch das gehört zum Erwachsen werden. Wenn ziemlich zum Ende der Geschichte der Dialog auftaucht: „du bist die erste (…), die mich um meiner selbst willen mag“, dann wirkt diese Vermenschlichung keineswegs lächerlich. Aber das Happyend ist noch lange nicht erreicht und die beiden Helden entgehen mehr als einmal nur knapp dem Tode.

tmd.

Täter bekämpfen im Opfer ihre eigenen Ängste

Warum fehlt es so oft an Fairness und Mitgefühl? Es ist nicht das erste Mal, dass diese Frage im Blog gestellt wurde. Hier erneut ein Versuch der Erklärung beginnend mit einem Beispiel.
In einem Ethikbuch habe ich folgende Situationsbeschreibung gefunden:
Anya sieht schlecht und hat seit kurzem eine Lesebrille. Als sie ihre Brille aufsetzt, um eine Aufgabe aus dem Schulbuch vorzulesen, fängt Benjamin zu kichern an. Soweit das Beispiel.

Es ist aus einer anderen Zeit. Heutzutage ist es kein Makel, eine Brille zu tragen. Eine Zeit lang war es sogar irgendwie „in“ eine zu haben. Der Anlass, jemanden zu mobben, ist also austauschbar und ändert sich von Zeit zu Zeit. Es geht um etwas anderes!

Opfer? Täter?
Außenseiter? Opfer? Täter? – Quelle: ShaktiShiva, Pixabay

Nicht das Mobbing-Opfer ist das Problem. Dass jemand ein Sonderling oder Außenseiter ist, ist nicht das Problem. Das Problem ist der Täter. Er hat Probleme, mit einer Umwelt zurecht zukommen, so wie sie ist. Das soziale Umfeld ist aber nicht so, wie es der Täter sich wünscht. Menschen sind nun mal grundverschieden. Hinzu kommt ein zweiter Umstand. Mobbing-Täter haben keine gefestigte Identität. Es sind kleine Lichter, die mit ihren eigenen Ängsten nicht fertig werden. Psychologen sagen, dass Täter ihre eigenen Ängste auf die Opfer projizieren und in der Person des Opfers bekämpfen.

Die Rollenfindung in der Pubertät ist eine Zeit, in der Jugendliche sehr empfindlich sind. Wer als Junge in dieser Zeit Gefühle zeigt, der muss befürchten, als „schwul“ in die Ecke gestellt zu werden. Schon in der 5. Klasse wird im Fach Ethik gelernt, dass wir uns in unserer Wahrnehmung leicht täuschen lassen. Leider wird diese Erkenntnis meist nur auf das naturwissenschaftlich-technische Erkennen und Verstehen bezogen. Es geht aber um Wertungen und Bewertungen. Etwas negativ bewerten, das ist also auch und besonders abhängig von unserer eigenen subjektiven Sicht der Dinge.

Im Grunde haben aber Kinder, die Mitgefühl leben können, die Trumphkarte fürs Leben in der Tasche. Sie werden später von anderen wirklich akzeptiert, sie haben „echte“ Freunde/Freundinnen. Sie sind die Starken! Wie kann man das im Unterricht vermitteln? Bitte kein Rollenspiel! Das funktioniert nur in der Theorie, nicht aber in der Praxis.
Kinder brauchen Vorbilder!

tmd.

Every girl needs a best girlfriend, but a boyfriend too.

E-Mail von Anna an Oma Maria
Liebe Oma Maria,
du kennst dich doch aus mit Psychologie und so. Wir haben das Tagebuch der Anne Frank gelesen. Also im Unterricht haben wir nur einige Seiten gelesen. Den Eintrag vom 25.4.44 haben wir gelesen. Das mit dem Satz, dass man erst merkt, wenn man verändert ist, wenn man sich verändert hat. Also das ist doch klar, das weiß ich schon. Ich schreibe doch selbst Tagebuch. Es war wieder sooooo langweilig. Und warum soll ich mit Mama und Papa streiten? Ich habe andere Probleme. Kannst du mir helfen? Ich habe mir das Buch der Anne Frank von Mama aus dem Arbeitszimmer geholt und die Einträge vorher gelesen und die vom 6. Januar und danach. Da lag ein Lesezeichen drin. Lies das mal und dann kommen meine Fragen.
deine Lieblingsenkelin(!) Anna

Anne Frank
Quelle: Wikipedia, Unknown photographer; Collectie Anne Frank Stichting Amsterdam

E-Mail von Oma Maria an Anna
Meine liebe Anna,
ich weiß, worum es geht. Ich habe dennoch alles nochmal gelesen. Ist ja so lange her, als ich es das erste Mal gelesen habe. Sollten wir nicht besser telefonieren?
Oma M.

E-Mail von Anna an Oma Maria
Es ist wichtig, Oma!
Hat die Anne Frank (die heißt ja fast so wie ich) ein anderes Mädchen geliebt?? Und warum hat sie dann auch den Peter geliebt?
deine Anna

E-Mail von Oma Maria an Anne
Das ist alles eigentlich sehr einfach, aber dann doch wieder kompliziert.
Mädchen in deinem Alter schwärmen manchmal von anderen Mädchen. Gleichzeitig finden sie es aber auch interessant, einen Freund zu haben.
Viele Kinder denken, dass sie eine bestimmte Rolle erlernen und spielen müssen. Aber das muss so nicht sein. Also, Mädchen finden die Jungs irgendwie gut, aber sie finden manchmal andere Mädchen eben auch attraktiv, sind verliebt. Irgendwann entscheiden sie sich dafür, dass entweder Jungs oder Mädels wichtiger für sie sind. Das weiß man vorher nicht. Telefonieren wir nochmal?
deine besorgte Maria-Oma

SMS von Anna an Oma Maria
ich habe jetzt einen Freund!! Er ist echt süß!!! Du musst ihn kennenlernen.
Anna (in love)

tmd.