Der Ring des Herrn

Die Ringparabel aus Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing ist Thema im Ethikunterricht (G8) an bayerischen Gymnasien in der 7. und in der 10. Klasse.

ring mit mädchen
Wer liebt mich? – Quelle: globenwein, Pixabay

In der 7. Klassenstufe geht es um die Geschichte und die Frage, wie sich die drei Söhne als Vertreter der drei Weltreligionen verhalten müssten, wenn der Ring tatsächlich diese Wirkung hat, dass nämlich der Ringträger allen Menschen gut und angenehm erscheine.
Den richtigen Ring hat also der Sohn, der von allen anderen Menschen (und von Gott) geliebt wird. Eine Religion, die nicht „geliebt“ wird, kann also nicht die richtige sein. An den Taten soll man also die Menschen mit der richtigen Religion erkennen. An dieser Stelle wird die Argumentation gedreht. Wer sich so verhält, dass die anderen Menschen meinen, man hätte den echten Ring, der hat ihn auch. Ein Wettstreit darum, möglichst viel Gutes zu tun, soll die Folge sein. Gleichzeitig wird damit Toleranz angemahnt und eingefordert. Es wird – sehr vereinfacht – unterstellt, dass die drei Weltreligionen doch irgendwie gleich seien.
Dass sie es objektiv von ihren Lehrinhalten nicht sind und alle einen Alleinvertretungsanspruch geltend machen, wird hier nicht erwähnt.

In der 10. Klasse wird das Thema verfeinert. Nathan eröffnet das Problem mit den Sätzen, in denen er die Kraft des Ringes beschreibt:
„Und hatte die geheime Kraft, vor Gott
Und Menschen angenehm zu machen, wer
In dieser Zuversicht ihn trug. (…)“

Das interessante ist also, dass der Ring nur seine Wirkung entfalten kann, wenn man an ihn glaubt.
Das erwartete Verhalten kann von den nachgemachten Ringen also nicht automatisch hergestellt werden. Man muss auch daran glauben. Aber (!), man hat keinerlei Beweise dafür, dass man den richtigen Ring bzw. die richtige Religion hat.
Lessing lässt den Nathan die Lösung des Problems von einem Richter vortragen:
„Doch halt! Ich höre ja, der rechte Ring
Besitzt die Wunderkraft beliebt zu machen;
Vor Gott und Menschen angenehm. Das muss
Entscheiden! Denn die falschen Ringe werden
Doch das nicht können! – Nun; wen lieben zwei
Von euch am meisten? – Macht, sagt an! Ihr schweigt?
Die Ringe wirken nur zurück? und nicht
Nach außen? Jeder liebt sich selbst nur
Am meisten? – O so seid ihr alle drei
Betrogene Betrüger! Eure Ringe
Sind alle drei nicht echt. (..)“

Die drei Religions-Vertreter müssen also angeben, wen von den dreien sie am meisten lieben. Das ist reine Logik. Die beiden mit dem falschen Ring müssen den mit dem echten Ring einfach „unwiderstehlich sympathisch finden“.
Dem ist aber nicht so! Also sind alle Ringe falsch. Es gibt also keine „wahre“ Religion. Es gibt nur Menschen, die glauben, dass sie die richtige Religion haben.

Was also tun?
Lessing lässt den Richter einen Rat geben:
„Es eifre jeder seiner unbestochnen
Von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe von euch jeder um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag
Zu legen! (..)“

Zwei Botschaften sind damit in die Welt gesetzt.
Eine wahre Religion gibt es nicht. Alle drei Religionen können den Gläubigen keine Sicherheit geben. Man muss eben daran glauben.
Aber die Religionen können darum wetteifern als die „wahre“ Religion zu erscheinen – und zwar durch ihre Taten.
Ein wirklich empirisches Verfahren mit Ergebnissen, die jeder vergleichen und bewerten kann.

tmd.

Religion kontra Menschenrechte

Blut, Verletzung
garantiert die Verfassung die Unversehrtheit? – Quelle: twightlightzone, Pixabay

Es gibt drei Artikel in der Deutschen Verfassung, die wir nicht aufgeben dürfen.
Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Artikel 2: Jeder hat das Recht auf (..) körperliche Unversehrtheit.
Artikel 3: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

Und es gibt den Artikel 4: Hier geht es um Religionsfreiheit.

Der verfassungsrechtliche Konflikt zwischen Artikel 4 und den Artikeln 1 bis 3 ist schon vor Jahren ausgebrochen. Ethikräte schweigen dröhnend zu diesem Konflikt. Einen Sturm der Entrüstung sollte man erwarten.

Es geht um das Brauchtum der Beschneidung. Das Thema ist grundsätzlich vermintes Gelände. Wer sich hier äußert, der muss politisch korrekt reden. Wer hier Stellung bezieht, darf niemandem auf die Füße treten.
Weil dies so ist, wird nicht darüber geredet.

Im Ethikunterricht wird das Thema deshalb auch möglichst flach gehalten. Nicht darüber reden, nur kurz erwähnen. Es ist „Brauchtum“. Die Kinder fragen aber nach. Wenn erwähnt wird, dass es auch Mädchen betrifft, hauptsächlich in Afrika, dann ist die Entrüstung groß.

In DIE ZEIT vom 15.3.2018 beschreiben zwei Männer ihre Erlebnisse zu diesem Brauchtum, das immer noch als „Fest“ betitelt wird. SuS, die das lesen, sind entsetzt. Zu Recht! Es ist Zynismus, diese Körperverletzung derart zu benennen.

Von der Verfassung soll der Mensch geschützt werden. Es geht um körperliche Unversehrtheit.
Es geht um Menschenrechte. Haben Kinder keine Menschenrechte?
Steht Religion über den Menschenrechten? Nein!

tmd.

Selbstverwirklichung durch Grundeinkommen

Schneiderin
selbstbestimmt und kreativ – Quelle: nikolabelopitiv, Pixabay

Kürzlich hat der Gründer der Drogeriemarktkette dm in einer Talkshow wieder einmal seine Vorstellungen zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) erklärt. Sein Vorschlag ist bekannt und er wird nicht müde, diesen medial zu verbreiten. Dennoch ist es immer wieder erstaunlich, wie reflexartig auf seine Argumente reagiert wird. In der Talkshow wurde neben den üblichen Bedenken die Frage der Gerechtigkeit diskutiert. Es wurde behauptet, dass das bedingungslose Grundeinkommen nicht gerecht sei. Götz Werner antwortet darauf, dass das BGE ein Menschenrecht sei und bezieht sich auf unsere Verfassung. Außerdem sei Arbeit grundsätzlich nicht zu bezahlen. Wie ist das zu verstehen?
Das BGE soll jede Person in Deutschland erhalten. Also auch Kleinkinder, aber noch nicht in voller Höhe. Der Betrag sei 1000 bis 1500 Euro. Finanziert wird das aus der Konsumsteuer. Jedes Produkt, das gekauft wird, soll mit ca. 50 % Konsumsteuer belegt werden. Im Gegenzug werden sämtliche Sozialleistungen und Steuern abgeschafft.
Hier setzt die Kritik an. Es sei nicht gerecht, dass jemand mit einem geringen zusätzlichen Einkommen für ein Produkt genauso viel zahlen soll, wie ein Millionär. Diese Ungerechtigkeit gibt es jedoch heute schon, sagt Götz Werner. Er meint, dass man das Konzept des BGE erst einmal durchdacht haben muss, bevor man es versteht.
Hier eine kurze Erklärung zum Konzept, dass Götz Werner schon an vielen Stellen erläutert hat.
Das BGE ist dazu da, ein bescheidenes Leben in Menschenwürde zu führen. Aus dieser Position heraus kann der Mensch entscheiden, ob er arbeiten will oder nicht. Und er kann entscheiden, was er arbeiten will. Das erklärt auch, dass erst das Grundeinkommen es ermöglicht zu arbeiten. In einem Dialog mit einem Journalisten hat Werner es mal so erklärt. Der Journalist wird dafür bezahlt, dass er überhaupt zur Arbeit antritt. Die Arbeit selbst kann man nicht bezahlen. Sie ist ggf. gesamtgesellschaftlich notwendig und die Entlohnung ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Arbeit, für die man niemanden findet, der sie macht, die muss man entweder automatisieren oder selbst machen. Eine dritte Möglichkeit ist, die Arbeit so zu gestalten, dass diejenigen, die sie machen, sich gestaltend einbringen können. Wenn auch das nicht hilft, dann muss eben der Lohn entscheiden. Beispiel: Unsere Gesellschaft braucht Müllwerker. Wenn die Arbeit niemand machen will, dann muss sie entweder automatisiert werden oder den Müllwerkern muss ein Arbeitsplatz geboten werden, der nachgefragt wird. Notfalls ist Geld der letzte entscheidende Faktor.
Der Grundgedanke ist also, keine Arbeit anzunehmen, die man eigentlich ablehnen will. Entfremdung im Arbeitsleben wäre damit abgeschafft. Arbeit wandelt sich zu sinnhafter Tätigkeit.
Ein Argument gegen das BGE, das noch vor Jahren diskutiert wurde, taucht in aktuellen Diskussionen nicht mehr auf. Die Folge des BGE wäre, dass keiner mehr arbeiten würde. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn der Zwang zu arbeiten entfällt, entwickelt sich die Kreativität des Menschen, sich durch nicht entfremdete Arbeit selbst zu verwirklichen.

tmd.

Sterbefasten

Wolken, Himmel, Glaube
nicht auf den Tod warten, ihm entgegengehen – Quelle: geralt, Pixabay

Ein Tabuthema hat es in die Medien geschafft: Fasten mit dem Ziel das eigene Leben selbstbestimmt zu beenden. Das Erstaunliche daran ist, dass nur noch wenig Kritik von Ethikräten und Medizinern zu hören ist.
Einfach ist dieser Tod nicht. Aber die Beteiligten, besonders die Angehörigen des Menschen, der sterben will, sind informiert. Sie sind am Prozess des Sterbens beteiligt. Der Tod des geliebten Menschen trifft sie nicht unvorbereitet.
Bei dieser Art von Freitod leisten die Angehörigen keine Sterbehilfe. Sie leisten Sterbebegleitung. Eine schwierige Aufgabe. Müssen sie doch dafür sorgen, dass ihr Angehöriger bei seinem Vorhaben nicht behindert wird.
In einer Talkshow habe ich von der Geschichte eines Mannes gehört, dessen Sterben unnötig hinausgezögert wurde, weil eine Pastorin ihm immer wieder – wenn sie unbeobachtet war – Wasser zu trinken gab.
Das nun ist verständlich aus der Sicht der Gottesfrau. Sterbefasten ist für solche Theologen Selbstmord. Selbstmord ist aber eine Form der Selbsterlösung (vom Elend der Welt). Das ist in den drei großen Weltreligionen nicht erlaubt, sieht man mal von den Märtyrern ab, die Andersgläubige und Ungläubige weg sprengen.
Bleibt abzuwarten, wann und wie die Fundamentalisten unter den Gläubigen hier zur Gegenaufklärung ansetzen.

tmd.

Moral und Technik

Geschäftsräume und Mitarbeiter
Digitalisierung schafft neues Bewusstsein und verlangt nach passender Moral – Quelle: sigre, Pixabay

„Nur das Wissen um Normen und Werte, erst die Fähigkeit zur Debatte über Technikfolgen, macht eine Gesellschaft urteilsfähig.“ Nachzulesen ist dieser Satz in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ vom 15. Februar 2018 und dort auf Seite 67 in „These 9. Ethik ist kein intellektuelles Dekor; erst sie macht Menschen urteilsfähig“. Es geht dabei um ethische Dilemmata, die durch Digitalisierung und Robotik entstehen.
Eine Herausforderung ist das. Aber eigentlich nichts Neues. Die Reihenfolge im Gedanken ist hier wichtig. Zuerst gibt es Technikfolgen, dann die Debatte darüber, die der Normen und Werte bedarf.
Karl Marx würde sich amüsieren und sich bestätigt sehen. Die Moral entsteht schließlich nicht im lufleeren Raum. Digitalisierung als Faktor der Produktionsverhältnisse bringt die Dilemmata im Paket mit der passenden Moral hervor. Das kann man wissen.
Es ist eben nicht so, dass wir einen Koffer mit moralischen Werkzeugen haben, die nichts mit den Problemen zu tun haben. Vernunft arbeitet sich an den Problemen ab und die Lösungen stehen in engem Zusammenhang mit dem Problem. Es soll, so der Text in DIE ZEIT, verhindert werden, dass nur mit technischen Expertisen auf die Dilemmata geantwortet wird. Genau das aber geschieht, wenn man die Abhängigkeit des ethischen Diskurses von der Technikentwicklung nicht sehen will. Wann gab es eine geplante Weiterentwicklung der Technik, die vorherzusehen war?
Marx dachte, man könne die Produktionsverhältnisse gesamtgesellschaftlich politisch steuern, um die Abhängigkeit des Arbeiters von der Entwicklung der Produktionsverhältnisse zu verhindern. Ein Irrtum war das.
Was jetzt schon festzustellen ist: Es wird darüber nachgedacht, wie man Verantwortung abgeben kann in der neuen digitalen Welt der Roboter. Ein schwerer Fehler.

tmd.

Verstehen

Telefonzelle
„Verstehst du mich?“ – Quelle: Freephotocc, Pixabay

„Verstehst du mich?“ Diese häufig gestellte Frage meint nicht das sprachliche Verstehen. Es geht nicht darum, eine Information weiterzugeben. Vielmehr ist damit gemeint, dass der Frager sich vergewissern will, dass der/die andere Person sich vorstellen kann, wie der Fragende die Situation wahrnimmt – interpretiert.
Diese Überlegungen sind nur vordergründig trivial. Sie sind vielmehr erkenntnistheoretisch hoch komplex.
Soziologen tun sich bei der Beantwortung der Frage, ob man sich in eine andere Person „hinein versetzen“ kann, leicht. Kommunikation ist „intersubjektiv“. Das heißt: Sie ist reziprok und reflexiv, also wechselseitig und rückbezüglich. Merksatz dazu: „Ich nehme an, dass du die Situation genauso siehst wie ich und auch weißt, dass ich das weiß.“
Das heißt nun aber nicht, dass man sich in einen anderen hinein versetzen kann, dessen Perspektive einnehmen kann.
Die Unmöglichkeit, die Perspektive einer anderen Person einzunehmen, ist moralisch folgenreich. Wie soll ich moralisch handeln in Bezug auf andere Menschen, wenn ich prinzipiell nur Regeln entwerfen kann, die sich auf meine Perspektive beziehen?.
Bereits die „goldene Regel“ scheitert hierbei, universelle Regeln aufzustellen. Denn es sind sehr subjektive Regeln nach dem „wenn – dann“-Muster. Immanuel Kant löst das Problem zwar vernünftig, aber eben nur intersubjektiv. Mitleid, Liebe und Zuneigung haben hier keinen Platz, sind aber unerlässlich im Zusammenleben der Menschen.
Ein philosophisch haltbarer Vorschlag wäre: Solange Liebe, Mitleid und Zuneigung funktionieren, funktioniert das auch mit dem Satz, dass der Mensch immer Zweck ist, nie Mittel. Erst dann, wenn es hier zu Kollisionen kommt, ist dringend geraten, den kritischen Verstand einzuschalten.

tmd.

Anmerkung zum Mitleid

trauriges Mädchen
wer hilft hier? – Quelle: rubberduck1951, Pixabay

Von Ludwig Feuerbach (1804 – 1872) erfährt man im Ethikunterricht nur seine Einlassungen zur Religionskritik – natürlich in Textschnipseln. Seine „Projektionsthese wird dabei auf den Kernsatz verdünnt, das Gott nicht existiert, sondern nur eine Projektion der menschlichen Wünsche ist.
Feuerbach hat aber mehr zu bieten. Er liefert eine einfache Deutung von Kommunikation als intersubjektivem Handlungszusammenhang. Am Beispiel des Gewissens erklärt er die Intersubjektivität so: Wenn ich ein schlechtes Gewissen habe, dann sehe ich in dem anderen Menschen – dem gegenüber ich mich unmoralisch verhalten habe – mein alter ego. Er nennt es das Ich außer mir. Man erkennt sich in dem anderen.
Heute würde man das reziprokes (wechselseitiges) und reflexives (rückbezügliches) Handeln nennen. Das heißt: Das Mitleid, das ich einem anderen Menschen gegenüber aufbringe, oder der Wunsch nach Glück, das ich selbst habe, das unterstelle ich auch dem anderen Menschen.
Das klingt stark nach Goldener Regel. Beim schlechten Gewissen ist es das verletzte Du, das mir signalisiert, dass ich mich unmoralisch verhalten habe. Mein unmoralisches Verhalten fällt dabei auf mich zurück.
Kant wäre damit nicht zufrieden. Subjektive Beweggründe für sittliches Verhalten wollte er ausschließen. Nur der gute Wille ist gut. Ziele oder Charakterzüge können nicht sittliches Handeln rechtfertigen.
Feuerbach argumentiert aber mit dem Mitleid den Menschen gegenüber. Das ist nicht vernunftgeleitet. Er unterstellt, dass mein Mitmensch genauso funktioniert wie ich und auch mir gegenüber Mitleid zeigen würde.
Die Möglichkeit, dass ich ein schlechtes Gewissen haben kann und erkenne, dass ich mit einem Mitmenschen unmoralisch verfahren bin, zeigt zweierlei: Ich habe zwar automatisch Mitleid. Aber ich muss auch danach handeln.
Wie lässt sich aber nun Mobbing und das Böse erklären.
Moral ist also eine Sache der Erziehung. Wenn sie nicht funktioniert, muss man sich um die Opfer kümmern – nicht um die Täter.

tmd.

Teddy for peace

Teddy
das neue Friedenssymbol – Quelle: bosmanerwin, Pixabay

Die Taube ist das Symbol des Friedens. Wer bitte, ist auf diese Idee gekommen? Man kann die Taube als Friedenssymbol im Netz googeln und weiß sofort: Dieses Tier ist nicht friedfertig. Raubvögel sind da grundsätzlich friedlich gegenüber ihren Artgenossen. Wer Silberflügel von Kenneth Oppel gelesen hat, der weiß: Tauben sind die Nazis unter den fliegenden Tieren. Während die Fledermäuse (Silberflügel ist eine Fledermaus) über Welt und Wirklichkeit reflektieren und in der Lage sind, philosophische Gedanken hervorzubringen, sind die Tauben sture Befehlsempfänger, eben typische Nazis.
Wer sich mit Gesundheit beschäftigt, der weiß, dass Tauben „fliegenden Ratten“ sind.
Warum dann dieses Symbol weiter bemühen?
Es gibt keinen Grund. Das Friedenssymbol hat zwar biblische Tradition, aber warum sollen wir nur deshalb an dem Symbol festhalten.
Ich schlage einen Symbolträger vor, der frei von diesen negativen Effekten ist: Teddy for peace.

tmd.

Die neue Handelspolitik und der alte Adam Smith

Jeans im Regal
Strafzoll auf USA-Jeans ist nicht die Lösung – Quelle: jarmoluk, Pixabay

Adam Smith taucht im Moralunterricht unter den Stichworten Unsichtbare Hand und Eigennutz auf. Smith war aber auch ein Vertreter des Freihandels und entschiedener Gegner von Handelsschranken durch Zölle oder andere Einfuhrbeschränkungen. Letzteres macht die EU. Güter werden dabei nicht mit Zöllen belastet, sondern es wird gefordert, dass sie bestimmten Standards oder DIN-Normen entsprechen. Das verteuert die Ware und verhindert den Import mehr als Zölle.
Adam Smith und die Vertreter des Freihandels meinen, dass Handelsschranken zu Lasten der Verbraucher gehen. Ein aktuelles Beispiel: Agrarimporte in die EU werden durch hohe Zölle erschwert oder verhindert. Die EU-Produzenten können dadurch ihre Ware teurer verkaufen. Würden die ausländischen Importe ohne Zollaufschlag in die EU kommen, dann hätte der Verbraucher mehr für sein Geld.
Warum dann Zölle?
Das nutzt nur den Unternehmern und den Produzenten eines Landes, nicht den Verbrauchern. Der alte Adam Smith würde so argumentieren. Wer weltweit ein Produkt am billigsten herstellt und (!) dabei noch für sich den optimalen Gewinn macht, der soll die Möglichkeit dazu haben. Denn auf diese Weise ist dem Selbstnutzen aller gedient. Die Produzenten können zum besten Preis verkaufen und die Verbraucher erhalten die beste Ware zum billigsten Preis. Auch international funktioniert, so Smith, die unsichtbare Hand.
Wenn also die EU aus den Ländern der dritten Welt, aus den Entwicklungsländern, deren Ware importiert, dann freut das die Verbrauchern in der EU, weil sie billiger einkaufen können. Es freut aber auch die Exporteure, weil sie damit nicht mehr auf Entwicklungshilfe angewiesen sind.
Aber auch Industrienationen leiden unter Handelsschranken. Amerikanische Autos werden in der EU hoch verzollt. Wenn der amerikanische Präsident Donald Trump jetzt dasselbe mit EU-Importen macht, dann ist das nur verständlich.
Hier ist also politische Ökonomie gefragt und nicht Zölle auf Jeans und Kult-Motorräder.

tmd.

Friedensförderung im Dilemma

Friedensförderung geht nicht ohne Militär. Friedensförderung geht aber auch nicht ohne Kulturtransfer. Die Helfer dürfen die westliche Aufklärung nicht verraten.

friendly contact
friend to friend – Quelle: skeeze, Pixabay

Neben den traditionellen Versuchen, Frieden herzustellen (peacemaking und peacekeeping), gibt es noch die Friedensförderung. Sie beschäftigt sich damit, wie man Konflikte auf ziviler Ebene lösen kann, also nicht mit Waffengewalt.
Hier gibt es die Schlüsselworte: local ownership und empowerment. Damit ist gemeint, dass vor Ort entschieden werden muss, wie ein friedliches Zusammenleben der Menschen aussehen soll und wie man den Menschen vor Ort helfen kann, ihr Leben politisch und wirtschaftlich selbst zu bestimmen.
Der Gedanke hat etwas faszinierendes. Der Aspekt der Friedenssicherung durch militärische Gewalt wird ausgeblendet. Das heißt nicht, dass dieser Aspekt nicht mehr existiert.
Wiederaufbauarbeit, also das statesbuilding, eines Landes nach einem Bürgerkrieg, ist aber noch nie ohne militärische Begleitung geglückt. Mehr noch, auch mit Militär funktioniert es nicht. Bestes Beispiel ist Afghanistan.

Europa ist der letzte Dominostein, der kippt

Was also tun?
Peacemaking/peacekeeping und local ownership/empowerment sind zwei Seiten einer Medaille.
Ehrlicherweise müsste man hier anmerken, dass es heute bei den Versuchen, Frieden in Konfliktgebieten herzustellen, nicht mehr darum geht, einem Land oder einer Region den Frieden zu bringen, weil man den Menschen dort helfen will. Es ist nicht ausschließlich moralisches Handeln, was hier stattfindet.
Weltweit sind Konflikte eine Gefahr auch für Regionen, die derzeit noch im Frieden leben. Migrationsströme, ausgelöst durch Kriege und Naturkatastrophen, sind auf dem alten Kontinent Europa nicht mehr unbekannt. Die failed states in Afrika und im Orient sind die Dominosteine, die Europa kippen könnten.
Unter diesen Aspekten ist Friedenssicherung Eigenschutz, was ja nicht unmoralisch sein muss.
Es gibt jedoch noch einen weiteren Punkt, der bei dem Thema Friedensförderung nicht vergessen werden darf. Hinter dem local ownership verbirg sich die Ansicht, dass die Helfer auch soziale und vielleicht sogar moralische Verhältnisse und Standards akzeptieren sollen, die in aufgeklärten Gesellschaften undenkbar sind. Wenn also ein hilfebedürftiges Land das Zusammenleben nach der Shariah organisiert, dann müssen die Friedenshelfer sich entscheiden, ob sie ein solches System unterstützen wollen. Eine klassische Dilemma-Situation. Nicht helfen ist unmoralisch. Helfen aber eigentlich auch, weil dadurch Herrschaftsstrukturen stabilisiert werden, die aufgeklärte Europäer ablehnen.

tmd.