SMS FÜR DICH von Sofie Cramer

Mehrere SuS haben mich gefragt, ob ich eine Inhaltsangabe und Bewertung zum Roman von Sofie Cramer für den Ethik-Blog schreibe. Ich komme dem Wunsch gerne nach, weil ich hoffe, dass auf diese Weise das Interesse geweckt wird, im Ethikunterricht Bücher (und nicht nur Textschnipsel) zu lesen.

Sofie Cramer erzählt in ihrem Roman „SMS FÜR DICH“ die Geschichte von Clara und Sven. Die beiden lernen sich eher durch einen technischen Irrtum kennen. Nach einigen Irrungen und Verwirrungen kommt es dann doch zum Happy-End für die beiden.

Vertrauen – Quelle: nastya_gepp, Pixabay

Die Geschichte: Clara hat ihren Freund Ben bei einem tragischen Unfall verloren. Ben ist – vermutlich im Drogenrausch – vom Balkon gefallen. Clara tröstet sich damit, SMS-Nachrichten an die Handy-Nummer von Ben zu schicken. Was sie nicht weiß: Die Nummer von Ben wurde durch einen technischen Fehler neu vergeben. An Sven. Der erhält die sehr romantischen und traurigen SMS-Nachrichten von Clara. Anfangs will er sofort antworten, die Verwechslung aufklären und die Angelegenheit beenden.
Doch dann entscheidet er sich anders und will den Absender kennenlernen. Seine Suche ist erfolgreich. Er lernt Clara kennen und verliebt sich in sie. Er erzählt aber Clara nichts von den SMS-Nachrichten, die er von ihr (an Ben‘s Nummer) erhalten hat. Als er ihr die Wahrheit erzählen will, stellt er sich so plump an, dass Clara sich von ihm hintergangen fühlt. Sie meint, er hat ihr Vertrauen missbraucht. Sven will die Sache in Ordnung bringen und Clara um Verzeihung bitten. Er schreibt ihr eine SMS von der ehemaligen Nummer von Ben. Praktisch auf der letzten Seite des Romans finden die beiden wieder zusammen.

Meine Beurteilung:
Ben nannte Clara „Lilime“. Das wusste außer den beiden niemand. Sven erwähnt den Namen und es kommt zum Zerwürfnis (S. 227). Über 200 Seiten wird Sven als eine Person beschrieben, die sehr bedacht handelt. Dass er in einer so wichtigen Sache einfach so drauflos plaudert, das passt nicht.
Sven erwirb das Vertrauen von Clara. Er selbst spielt aber nicht mit offenen Karten. Auch als er sich wieder mit ihr versöhnen will, spielt er den „wissenden“ Beobachter. Clara ist wieder in der Position, dass sie von seinen taktischen Zügen abhängig ist.

Moralisch ist das Verhalten von Sven nicht hinnehmbar.
Vertrauen funktioniert nur auf Augenhöhe.

Sven ist immer einen Zug voraus und kann mit den Entscheidungen von Clara spielen. Das macht ihn eigentlich zu einem eher fiesen Charakter.

Das Buch eignet sich als negatives Beispiel für gelebtes Vertrauen. Bis zur letzten Zeile schenkt Clara Vertrauen. Sven ist Lichtjahre entfernt von einem solchen Wesenszug.
Der letzte Satz im Roman will nahelegen, dass es so etwas wie ein Schicksal gibt. „Vielleicht war es ja gar kein Zufall.“ (S. 239) Clara will damit auch noch die letzten Zweifel an das Verhalten von Sven tilgen. In der Rückschau hilft das dem Leser wenig. Sven hat – einfach gesprochen – verantwortungslos gehandelt. Fazit: Eine geeignete Geschichte, um zu zeigen, was Vertrauen und Verantwortung NICHT sind.

tmd.

Every girl needs a best girlfriend, but a boyfriend too.

E-Mail von Anna an Oma Maria
Liebe Oma Maria,
du kennst dich doch aus mit Psychologie und so. Wir haben das Tagebuch der Anne Frank gelesen. Also im Unterricht haben wir nur einige Seiten gelesen. Den Eintrag vom 25.4.44 haben wir gelesen. Das mit dem Satz, dass man erst merkt, wenn man verändert ist, wenn man sich verändert hat. Also das ist doch klar, das weiß ich schon. Ich schreibe doch selbst Tagebuch. Es war wieder sooooo langweilig. Und warum soll ich mit Mama und Papa streiten? Ich habe andere Probleme. Kannst du mir helfen? Ich habe mir das Buch der Anne Frank von Mama aus dem Arbeitszimmer geholt und die Einträge vorher gelesen und die vom 6. Januar und danach. Da lag ein Lesezeichen drin. Lies das mal und dann kommen meine Fragen.
deine Lieblingsenkelin(!) Anna

Anne Frank
Quelle: Wikipedia, Unknown photographer; Collectie Anne Frank Stichting Amsterdam

E-Mail von Oma Maria an Anna
Meine liebe Anna,
ich weiß, worum es geht. Ich habe dennoch alles nochmal gelesen. Ist ja so lange her, als ich es das erste Mal gelesen habe. Sollten wir nicht besser telefonieren?
Oma M.

E-Mail von Anna an Oma Maria
Es ist wichtig, Oma!
Hat die Anne Frank (die heißt ja fast so wie ich) ein anderes Mädchen geliebt?? Und warum hat sie dann auch den Peter geliebt?
deine Anna

E-Mail von Oma Maria an Anne
Das ist alles eigentlich sehr einfach, aber dann doch wieder kompliziert.
Mädchen in deinem Alter schwärmen manchmal von anderen Mädchen. Gleichzeitig finden sie es aber auch interessant, einen Freund zu haben.
Viele Kinder denken, dass sie eine bestimmte Rolle erlernen und spielen müssen. Aber das muss so nicht sein. Also, Mädchen finden die Jungs irgendwie gut, aber sie finden manchmal andere Mädchen eben auch attraktiv, sind verliebt. Irgendwann entscheiden sie sich dafür, dass entweder Jungs oder Mädels wichtiger für sie sind. Das weiß man vorher nicht. Telefonieren wir nochmal?
deine besorgte Maria-Oma

SMS von Anna an Oma Maria
ich habe jetzt einen Freund!! Er ist echt süß!!! Du musst ihn kennenlernen.
Anna (in love)

tmd.