Teddy for peace

Teddy
das neue Friedenssymbol – Quelle: bosmanerwin, Pixabay

Die Taube ist das Symbol des Friedens. Wer bitte, ist auf diese Idee gekommen? Man kann die Taube als Friedenssymbol im Netz googeln und weiß sofort: Dieses Tier ist nicht friedfertig. Raubvögel sind da grundsätzlich friedlich gegenüber ihren Artgenossen. Wer Silberflügel von Kenneth Oppel gelesen hat, der weiß: Tauben sind die Nazis unter den fliegenden Tieren. Während die Fledermäuse (Silberflügel ist eine Fledermaus) über Welt und Wirklichkeit reflektieren und in der Lage sind, philosophische Gedanken hervorzubringen, sind die Tauben sture Befehlsempfänger, eben typische Nazis.
Wer sich mit Gesundheit beschäftigt, der weiß, dass Tauben „fliegenden Ratten“ sind.
Warum dann dieses Symbol weiter bemühen?
Es gibt keinen Grund. Das Friedenssymbol hat zwar biblische Tradition, aber warum sollen wir nur deshalb an dem Symbol festhalten.
Ich schlage einen Symbolträger vor, der frei von diesen negativen Effekten ist: Teddy for peace.

tmd.

Friedensförderung im Dilemma

Friedensförderung geht nicht ohne Militär. Friedensförderung geht aber auch nicht ohne Kulturtransfer. Die Helfer dürfen die westliche Aufklärung nicht verraten.

friendly contact
friend to friend – Quelle: skeeze, Pixabay

Neben den traditionellen Versuchen, Frieden herzustellen (peacemaking und peacekeeping), gibt es noch die Friedensförderung. Sie beschäftigt sich damit, wie man Konflikte auf ziviler Ebene lösen kann, also nicht mit Waffengewalt.
Hier gibt es die Schlüsselworte: local ownership und empowerment. Damit ist gemeint, dass vor Ort entschieden werden muss, wie ein friedliches Zusammenleben der Menschen aussehen soll und wie man den Menschen vor Ort helfen kann, ihr Leben politisch und wirtschaftlich selbst zu bestimmen.
Der Gedanke hat etwas faszinierendes. Der Aspekt der Friedenssicherung durch militärische Gewalt wird ausgeblendet. Das heißt nicht, dass dieser Aspekt nicht mehr existiert.
Wiederaufbauarbeit, also das statesbuilding, eines Landes nach einem Bürgerkrieg, ist aber noch nie ohne militärische Begleitung geglückt. Mehr noch, auch mit Militär funktioniert es nicht. Bestes Beispiel ist Afghanistan.

Europa ist der letzte Dominostein, der kippt

Was also tun?
Peacemaking/peacekeeping und local ownership/empowerment sind zwei Seiten einer Medaille.
Ehrlicherweise müsste man hier anmerken, dass es heute bei den Versuchen, Frieden in Konfliktgebieten herzustellen, nicht mehr darum geht, einem Land oder einer Region den Frieden zu bringen, weil man den Menschen dort helfen will. Es ist nicht ausschließlich moralisches Handeln, was hier stattfindet.
Weltweit sind Konflikte eine Gefahr auch für Regionen, die derzeit noch im Frieden leben. Migrationsströme, ausgelöst durch Kriege und Naturkatastrophen, sind auf dem alten Kontinent Europa nicht mehr unbekannt. Die failed states in Afrika und im Orient sind die Dominosteine, die Europa kippen könnten.
Unter diesen Aspekten ist Friedenssicherung Eigenschutz, was ja nicht unmoralisch sein muss.
Es gibt jedoch noch einen weiteren Punkt, der bei dem Thema Friedensförderung nicht vergessen werden darf. Hinter dem local ownership verbirg sich die Ansicht, dass die Helfer auch soziale und vielleicht sogar moralische Verhältnisse und Standards akzeptieren sollen, die in aufgeklärten Gesellschaften undenkbar sind. Wenn also ein hilfebedürftiges Land das Zusammenleben nach der Shariah organisiert, dann müssen die Friedenshelfer sich entscheiden, ob sie ein solches System unterstützen wollen. Eine klassische Dilemma-Situation. Nicht helfen ist unmoralisch. Helfen aber eigentlich auch, weil dadurch Herrschaftsstrukturen stabilisiert werden, die aufgeklärte Europäer ablehnen.

tmd.

Think Global

Globus
Gibt es gerechte Kriege? – Quelle: markusspiske, Pixabay

Ist ein Krieg schon dann gerecht, wenn einer der Kriegführenden irgendwelche Rechtsansprüche geltend machen kann? Eine interessante Antwort finden wir bei Francisco de Vitoria, der in Spanien um 1500 sich mit Fragen beschäftigte, die man heute als international relations bezeichnen würde. Er tat das also lange bevor Immanuel Kant seinen Bestseller Zum ewigen Frieden schrieb.

Vitoria erkannte, dass schon kleinere Kriege vor dem Hintergrund der Weltpolitik beurteilt werden müssen. Auch wenn ein Krieg rechtens sei, ist er „ungerecht, wenn er zum Schaden des Erdkreises (…) ist. Wenn beispielsweise ein Krieg der Spanier gegen die Franzosen aus gerechten Gründen unternommen würde und er im übrigen der Königsherrschaft der Spanier zuträglich wäre, wenn er aber dennoch größeres Unglück und Verluste für die Christenheit zur Folge hätte, etwa weil die Türken währenddessen christliche Provinzen eroberten, so muss man einen solchen Krieg abbrechen.“ (aus: Über die staatliche Gewalt)

Eine praktische Antwort auf drängende Fragen seiner Zeit.

tmd.

Der Wille zum Bösen

Gedenkstätte
Ursache des Bösen? – Quelle: misign, Pixabay

Nach jedem Terroranschlag beginnt in den Medien die Suche nach den Motiven für die Tat und das Psychogramm des Täters wird rekonstruiert. Sind es die soziokulturellen Merkmale, ist es die Religion, sind es psychische Gründe? Was auch immer für die Taten verantwortlich gemacht wird, dem bösen Willen der Täter wird ein Grund vorgeschaltet. Irgendein Grund muss es sein, der Menschen veranlasst böse zu sein.
Der Ansatz hat eine gewisse Berechtigung. Durch das Erforschen der Gründe, versuchen Sicherheitsexperten potenzielle Täter früher zu erkennen. Es wird sogar versucht, Menschen an ihrem Weg in die Gewalt zu hindern.

Die Suche nach der Ursache des Bösen verstellt uns aber den Blick auf den freien Willen desjenigen Menschen, der die Tat begeht. Den freien Willen scheint es bei diesen Konzepten nicht zu geben. Damit wird aber das Böse der moralischen Kritik entzogen. Moral hat nicht immer diesen Weg gewählt. Augustinus (354-430) macht den Willen allein verantwortlich für die bösen Taten des Menschen. Das geht jedoch nur, wenn der Mensch als Orientierung zum Guten sich an Gott wendet. Und schon haben wir wieder ein Motiv: die Religion.

tmd.

Friedensethik ist Rechtfertigung

Die Fragen,  mit denen sich die Friedensethik beschäftigt:

  • Sind Menschen wirklich von Natur aus friedlich?
  • Wie soll man mit Konflikten umgehen?
Ist Frieden möglich? – Quelle: photoshopper24, Pixabay

Je nachdem, wie wir diese beiden Fragen beantworten, ergeben sich vier unterschiedliche Aufgabenfelder der Friedensethik.

  • Menschen sind grundsätzlich friedlich. Was ist Ursache und Anlass, dass sie gewalttätig werden?
  • Menschen sind von Natur aus gewaltbereit. Wie kann man sie zur Friedfertigkeit erziehen?
  • Konflikte sind das Ergebnis von falscher Sozialisation. Wie wird „richtig“ sozialisiert?
  • Konflikte gehören zum Leben dazu, sind unvermeidlich. Wie kann ich mit Konflikten umgehen, damit sie nicht in Gewalt münden?

Es geht also um die Friedenserziehung. Viele Pädagogen gehen davon aus, dass Friedenserziehung – beispielsweise in der Gruppe – auf das Konfliktverhalten zwischen Interessensystemen übertragen werden kann. Konfliktmanagement in Gruppe und Familie oder zwischen Partnern soll auf das Konfliktverhalten im Krieg angewendet werden. Ein Irrtum.

Die Konfliktlösungsmuster in Partnerschaft und Gruppe lassen sich nicht in Konflikten der internationalen Politik anwenden.

Nun gibt es Menschen, die sich von akademischen Diskussionen zum Thema Frieden in keiner Weise beeindrucken lassen. Ein islamistischer Terrorist kann alle die aufgelisteten Fragen mit reinem Herzen beantworten und im nächsten Atemzug seinen Gesprächspartner umbringen. Er würde sein Handeln folgendermaßen erklären und rechtfertigen: Von Natur sei er ein friedliebender Mensch und in keiner Weise an Konflikten interessiert. Aber die anderen Menschen, die nicht an seinen Gott glauben, die seien für die Konflikte verantwortlich. Als gläubiger Mensch habe er zudem die Pflicht, die Konflikte in dieser – sicherlich brutalen – Art und Weise zu lösen. Das Lösungsschema stehe schließlich so in seiner Heiligen Schrift.

Was lernen wir daraus?
Friedensethik ist zunächst eine große Rechtfertigung von allen an Konflikten Beteiligten für ihr eigenes Handeln.

Dennoch gilt es, den Frieden „irgendwie “ herzustellen. Das setzt Aufklärung voraus. Beispielhaft das sehr differenzierte Interview von Herlinde Koelbl mit dem israelischen Scharfschützen Nadav Wymann (DIE ZEIT, Nr. 49, 2016). Lesenswert!

tmd.

Friedensethik – weich gespülte Statements

Krieg und Religion?
Krieg – Quelle: 753446, Pixabay

Krieg und Religion, das ist kein gefälliges Thema. Denn es wird ein Zusammenhang mit den zwei Wörtern hergestellt, der nach Diskussion drängt, aber irgendwie tabu ist. Die Gläubigen wollen darüber nicht diskutieren, weil damit ihre Religion beschädigt werden kann, die Nicht-Gläubigen scheuen das Thema, weil die political correctness es verbietet.

Vielleicht kann man das Thema konfliktfrei abarbeiten, wenn man sich der Geschichte der Glaubenskriege zuwendet.
Aber man sollte dann vermeiden, aktuelle Konflikte anzusprechen.
Das geht jedoch heute nicht mehr. Die Schlussfolgerung aus der Kenntnis der Glaubenskriege ist nun mal die Frage: Ist das erlaubt, was beispielsweise die IS-Kämpfer anrichten, nur weil sie sich auf den Koran berufen können?

Natürlich nicht!, kommt hier die Antwort. Doch dieser mit Empörung vorgetragenen Zurückweisung des IS-Terrorismus folgt sofort die politisch korrekte Erklärung, die uns freilich in keiner Weise weiterhilft.
Das sei doch nur die falsche Auslegung der heiligen Schrift des Islam, heißt es sofort. Und dann kommt der obligatorische Verweis auf den Dschihad. Da gibt es den friedlichen Dschihad, der ein Kampf des einzelnen Gläubigen ist und zum Ziel hat, ein guter Mensch zu werden. Man kann es nicht mehr hören, dieses weich gespülte Statement. Und die Koranverse, die zum Abschlachten der Christen und Juden auffordern, die sind historisch einzuordnen, haben heute keine Bedeutung mehr. Also bitte keine Aufregung.

Ehrlicherweise muss man an dieser Stelle sagen, so einfach kann man es sich nicht machen. Im Gegenteil: Diese Argumentation öffnet den Fundamentalisten Tür und Tor für ihre krude Ideologie. Denn der Koran ist bei Fundamentalisten das originale Wort Gottes. Nicht etwa eine von Menschen niedergeschriebene Offenbarung. Am Koran darf nichts geändert werden!

Mit dieser Haltung ist der Islam aber nicht reformierbar und bleibt eine hermetisch in sich geschlossene Ideologie, die keinen Widerspruch zulässt. Denn der mögliche Widerspruch oder die vernünftige Kritik ist in diesem System bereits als Immunisierungsstrategie eingebaut. Wer den Koran nicht Wort für Wort glaubt, der hat eben nicht den richtigen Glauben, ist abgefallen. Mehr noch: Wer den Koran nicht in der Version des Hocharabischen lesen kann, der braucht sich als Kritiker überhaupt nicht zu Wort melden. Der versteht nichts, so die Fundamentalisten.

Die muslimischen Kritiker, die den Islam reformieren wollen, stehen da auf verlorenem Posten. Sie fordern Aufklärung. Aber Aufklärung bedeutet, sich aus der Unmündigkeit (der selbst verschuldeten) zu befreien. Das ist eigentlich Kant pur. Liberale Theologen im Islam meinen, die problematischen Texte im Koran sollten neu interpretiert werden und das Mohammed-Bild sollte entdogmatisiert werden, was nichts anderes heißt, als die dunklen Seiten des Propheten zu beleuchten. Beides zählt für Fundamentalisten zu den schlimmsten Beleidigungen des Religionsgründers.

Radikale Kritiker und Aufklärer halten von diesen Reformen wenig. Unmoralische Suren sollen gestrichen werden. Was unmoralisch ist, das soll auch benannt werden.

Doch radikale Aufklärer und liberale Theologen liefern den Ideologen unter den Moslems nur weiter den simplen Beweis, dass die Welt außerhalb des Islam gottlos ist und vernichtet werden soll.
Was tun?

Unter diesen Umständen ist es dann doch angebracht, sich im Ethikunterricht einfachen Aufgaben zuzuwenden – frei von moralischen Ansprüchen. Wir können ja ein Poster malen oder vielleicht ein Rollenspiel einüben, um unserer Betroffenheit Ausdruck zu geben.

tmd.


Quelle: gbs Koblenz, Youtube